Interview

Julian Stevens: ‚Die Ambitionen und der Umfang der Produktionen sind gewachsen‘

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«The Rising»-Produzent Julian Stevens erzählt im Interview von seiner Zusammenarbeit mit Gillian Anderson und Jamie Dornan, berichtet über die Produktionsbedingungen während der Pandemie in Großbritannien und erklärt, wie sich der Markt in den vergangenen Jahren verändert hat.

Hallo Herr Stevens. Vielen Dank für Ihre Zeit. Sie sind Produzent der Serie «The Rising», die ab 27. Mai bei Sky Atlantic ausgestrahlt wird. Zeitgleich wird sie auch on Demand angeboten und findet langfristig ihren Weg zum Streamingdienst Peacock. Sind solche internationalen Konzerne nicht wunderbar, um Inhalte weltweit zur Verfügung zu stellen?
Die sich verändernden Technik der letzten Jahre hat neue Möglichkeiten eröffnet, im gleichen Ausspielungsfenster ein größeres Publikum zu erreichen, und das treibt die Vorfreude auf die Veröffentlichung von «The Rising» zusätzlich in die Höhe.

«The Rising» ist die Adaption der belgischen Serie «Zimmer 108». Worauf können sich die Fernsehzuschauer freuen?
Es ist eine dynamische Serie mit einem unglaublichen Hauptcharakter Neve Kelly, die in einer völlig einzigartigen Umgebung spielt. Es basiert auf «Beau Sejour» und lässt sich von demselben zentralen Konzept von Neves Rückkehr nach ihrem Tod inspirieren, das die Möglichkeit bietet, das „Dead Girl“-Genre voranzutreiben, indem es sie in den Mittelpunkt der Geschichte stellt und sie aus ihrer Perspektive erzählt. Wir wollten diese Serie treibender machen und in Neves Streben nach Antworten und Gerechtigkeit für sich selbst verwurzeln sowie die übernatürlichen Elemente ihrer Rückkehr vom Tod erfassen.

Sie haben zahlreiche Jungstars im Ensemble wie Clara Rugaard als Neve oder Nenda Neururer als Alex. Hat die Zusammenarbeit mit jungen Kollegen Vorteile?
Wir wissen, dass die Zuschauer Darsteller lieben, mit denen sie vertraut sind. Dennoch glaube ich, dass es gleichermaßen aufregend ist, neue Talente zu sehen, die eine bedeutende Rolle ausfüllen und dabei die Serie allein schultern können. Das Erstaunliche an Clara und Nenda ist, wie nuanciert und geschickt sie beide in der Filmschauspielerei sind, obwohl sie nicht die jahrelange Übung hatten! Die Details in ihren Darbietungen sind wunderschön anzusehen und sie waren in ihren ersten Casting-Tapes bereits vorhanden. Außerdem sind sie zwei der fleißigsten und positivsten Menschen, mit denen ich jemals das Vergnügen hatte, zusammenzuarbeiten. Vor allem Clara hat fast jeden Tag mit uns gedreht und das ist für jeden Schauspieler anstrengend – ganz davon abgesehen, dass sie an einem Tag in einem eiskalten See schwimmen und am nächsten einen Motocross-Stunt hinlegen muss.

Sie haben die Serie in Großbritannien gedreht. Wie sehen dort aktuell die Corona-Einschränkungen bei Film- und Fernsehproduktionen aus.
Während wir «The Rising» gedreht haben, hat sich die Covid-Situation in Bezug auf das Abstandhalten und die maximale Personenzahl in Gruppen außerhalb des eigenen Hausstandes verändert, aber unsere Produktionsrichtlinien blieben beständig, um die Gesundheit von Cast und Crew bestmöglich zu schützen. Beispielsweise haben wurden wir regelmäßig mit PCR-Tests und Antigen-Schnelltests getestet, es gab definierte Crew-Blasen, um die enge Interaktion zwischen den Abteilungen bei der Zusammenarbeit zu minimieren, und für alle die Pflicht zum Tragen von Gesichtsmasken. Filmemachen ist ein geselliger Prozess und wir leben von der engen Zusammenarbeit. Covid erschwerte dies, weshalb wir durch die Leidenschaft, die jeder für seine Arbeit hat, neue Wege fanden, um das sicher zu tun, was wir alle lieben.

Vor knapp sechs Jahren waren Sie auch Produzent der Serie «The Tunnel». Die skandinavische Serie «Die Brücke» bekam zahlreiche Ableger. Gibt es Stoffe, die sich einfacher adaptieren lassen als andere?
Die meisten Geschichten sind universell, sie verbinden sich mit einem Publikum, weil wir Erfahrungen oder Empathie mit den Charakteren auf dem Bildschirm teilen, oder wir genießen es, in ihre Welt einzutauchen und Zeit mit ihnen zu verbringen. Ich denke, eine großartige Ermittlungsgeschichte mit einem fesselnden Mysterium im Mittelpunkt wird ein Publikum immer ansprechen, und was ich an «Beau Sejour» liebte, war, dass es ein zärtliches, emotionales Familiendrama mit dieser massiven Genre-Wendung war. Wir haben uns in unserer Adaption nahe am Original orientiert, haben aber neue Wege gefunden, um das übernatürliche Genre hervorzuheben und zu versuchen, unsere Heldin in ihrer Geschichte so aktiv wie möglich zu machen.

Inzwischen arbeiten auch Filmemacher mit Skripten, die lokal angepasst werden – aber fast überall identisch sind. Ist das eine Zukunft für den weltweiten Filmmarkt?
Ich bin mir nicht sicher, ob ich Ihre Frage verstehe. Mir bereitet das Schauen von Filmen und Serien Freude, da ich dabei in eine fremde Welt entführt werde und es macht mir nichts aus, wenn die Sprache nicht meine eigene ist. Wenn es um die Adaption einer Serie geht, sollte meiner Meinung nach mehr dahinterstecken, als nur dieselbe Geschichte in einer anderen Sprache zu machen. Stattdessen sollte man sich ansehen, wie die neue Umgebung und ihre Kultur die Geschichte und die Charaktere beeinflussen und ihr ermöglichen, eine andere Richtung einzuschlagen, solange sie sich immer noch originalgetreu anfühlt.

Wie hat sich im Vereinigten Königreich das Serien-produzieren zuletzt verändert?
Es ist geschäftiger geworden und die Ambitionen und der Umfang der Produktionen sind gewachsen. Was noch vor fünf Jahren ein angemessenes Budget für eine Serie war, bewegt sich nun in den unteren Bereich und das bringt gewisse Herausforderungen und Erwartungen mit sich, sowohl von den Menschen, die an Produktionen arbeiten, als auch von den Zuschauern, die sie sehen. Eine positive Veränderung ist das gestiegene Bewusstsein für den Nutzen der Vielfalt sowohl hinter als auch vor der Kamera, was die Breite der Geschichten bereichert hat, die jetzt erzählt werden.

Haben Sie mit immer größeren und internationalen Playern wie Comcast/Sky und Netflix die Möglichkeit, Ihre Ideen besser unterzubekommen?
Ich würde nicht sagen, dass es einfacher ist, da der Wettbewerb so hart wie nie zuvor ist, aber es bedeutet, dass es mehr Käufer gibt und die Nachfrage nach guten Inhalten scheinbar immer größer wird. Was ich ermutigend finde, ist, dass einige der Neueinsteiger auf dem Markt nach einzigartigen Möglichkeiten suchen, bei Shows zusammenzuarbeiten, um sicherzustellen, dass die besten Ideen zuerst zu ihnen kommen. «The Rising» war ein Beispiel dafür, da ich die Show unter meinem eigenen Banner entwickelt habe und dann eine Partnerschaft mit Sky Studios einging, um daraus ihre erste komplett intern produzierte Serie zu machen.

Bei «The Fall» arbeiten Sie mit Gillian Anderson und Jamie Dornan zusammen. War die Zusammenarbeit für Sie ein Erfolg?
Die Jahre, die ich an «The Fall» gearbeitet habe, zählen zu den bedeutendsten meiner Karriere und ich werde für immer dankbar sein für den Empfang, den wir von der wunderbaren Crew in Nordirland hatten. Es war eine Freude, mit Gillian und Jamie zusammenzuarbeiten. Gillian war ein für diese relativ kleine Serie ein riesiger Star, den wir gewinnen konnte. Sowas kommt heute häufiger als damals vor. Jamie war dagegen ein relativ unbekannter Schauspieler, aber – wie wir, glaube ich, mit Clara Rugaard in «The Rising» sehen werden – sein Stern ging auf, als das Publikum sah, dass er einfach großartig ist. Ich würde den Produzenten-Göttern ein Geschenk machen, wenn ich wieder mit Gillian und Jamie an einem anstehenden Projekt arbeiten könnte.

Herr Stevens, vielen Dank für das Gespräch!

«The Risinig» ist ab dem 27. Mai um 20:15 Uhr bei Sky Atlantic zu sehen.

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