Interview

Katharina Rietz: ‚Wir erzählen in «SOKO Leipzig» keine Pandemie-Situation‘

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Die UFA Fiction-Produzentin Rietz äußerte sich im Quotenmeter-Interview zum Thema Corona. Allerdings könnte eine Debatte um geschlechterneutrale Sprache Einzug in die Serie entstehen.

Ende August feiert «SOKO Leipzig» bereits das 20-jährige Jubiläum. Worauf können wir uns in dieser Staffel freuen?
Freuen Sie sich auf eine Staffel mit Suchtfaktor. Sie beinhaltet alles, wofür das Format seit 20 Jahren steht. Großartige Krimispannung, starke Emotionen und Konflikte, gesellschaftsrelevante und kontroverse Themen. Vor allem aber ist die Jubiläumsstaffel eine Achterbahn für unser «SOKO»-Team. Unsere Kommissar:innen erleben Höhen und Tiefen, und werden sich in dieser Staffel großen Herausforderungen stellen müssen, beruflich wie privat. Es geht um viel. Also unbedingt einschalten! 😀

Die Serie «SOKO Leipzig» ist in der sächsischen Stadt angesiedelt, inwiefern spielen Themen aus Sachsen eine Rolle?
Leipzig ist eine der lebendigsten und schnell wachsensten Städte Deutschlands. Und gleichzeitig ein Symbol für eines der wichtigsten Kapitel deutsch-deutscher Geschichte. Eine Stadt des Wandels, die einen gut wachhält, weil hier nichts so bleibt, wie es immer war. Hier begegnet man unterschiedlichsten Menschen mit spannenden Biografien, mit vielen Ecken und Kanten, und viel Charakter. Diese Facetten inspirieren unsere Serie auf faszinierende Art und Weise. Und es sind nicht nur die Themen einer Stadt oder Region, die wir hier aufgreifen, es ist auch die Atmosphäre, der Geist, den letztendlich auch unsere Serie in sich trägt.

Mir ist aufgefallen, dass ihr PR-Team in der Pressemitteilung gegendert hat. Wird die geschlechterneutrale Sprache auch in «SOKO Leipzig» Einzug halten?
Eine interessante Frage für unsere Figuren, die wir gerade mit unseren Redakteurinnen und Autor:innen besprechen. Wenn Ina Zimmermann ein Pressestatement verfasst, wird sie mit Sicherheit eine genderneutrale Sprache wählen. Ob und wie unsere SOKOs das dann auch beispielsweise im Gespräch untereinander tun, müssen wir definieren. Im besten Fall entsteht daraus eine Folge mit einer spannenden Debatte dazu, und bringt den Zuschauer:innen nahe, warum dieses Thema so wichtig ist.

Die UFA Fiction, das Produktionsunternehmen hinter der Serie, spricht von „Diversität als Normalität“. Gibt es bei Ihnen in diesem Bereich neue Entwicklungen? Besetzen Sie Nebenrolle künftig anders? Gibt es vielleicht auch eine neue Hauptrolle?
Diverse Themen und Figuren gehörten auf der einen Seite schon immer zur Welt der «SOKO Leipzig», wenn man zum Beispiel an Tyron Ricketts, Nilam Farooq, Amy Mußul, die Rolle unseres Staatsanwalt Binz oder auch das 90er-Special „Schmetterlingstage & Monstertage“ denkt, in dem die Geschichte von zwei Transfrauen erzählt wird.

Die aktuelle Debatte hilft uns enorm, sich in der Arbeit noch einmal zu sensibilisieren und selbstkritisch auf das zu schauen, was man erzählt. Da geht es um Rollenklischees, die wir eher bemerken und hinterfragen, um Vielfalt bei den Figuren, die wir stärker ins Visier nehmen. Es geht um Besetzungsvorschläge, in denen selbstverständlicher als früher Schauspieler:innen mit migrantischem Hintergrund bedacht werden, aber auch um Positionen hinter der Kamera und die Frage, wer erzählt, inszeniert und gestaltet eigentlich unsere Geschichten.

Vor allem bedeutet es aber immer wieder dazuzulernen und das als etwas positives zu empfinden. Die UFA bietet mit der Arbeit des Diversity Circle und zahlreichen Workshops und Tools eine großartige und wichtige Unterstützung. Als ein Format, das 25 Folgen im Jahr ausstrahlt, haben wir eine große Verantwortung.

«SOKO Leipzig» ist ein Dauerbrenner im ZDF-Programm. Wie schaffen Sie es, die Zuschauer vom Krimi zur «heute-show» überzuleiten?
Mit einem erzählerisch hohen Niveau, das sich mit den anderen Freitagabend-Krimis locker messen kann, mit Authentizität, die unser Format ausmacht und unser Publikum bindet, und sicherlich auch mit einer gesunden Prise Humor. Wir sind sehr stolz, diesen Primetime Sendeplatz mit unserer «SOKO» bedienen zu dürfen und danken dem ZDF für das Vertrauen und die innige Zusammenarbeit in den zwei Jahrzehnten

«SOKO Leipzig» hatte im vergangenen Jahr rund 700.000 14- bis 49-jährige Zuschauer. Sind Sie stolz, dass Sie damit einigen Privatsendern Konkurrenz machen?
Wir sind vor allem stolz darauf, dass wir es schaffen ein so überaus breites Publikum anzusprechen. Das berührt mich am meisten, wenn ich weiß, mit einer Folge haben wir sowohl 20-Jährige als auch 70-jährige Zuschauer:innen gleichermaßen erreicht. Das hat doch etwas sehr Verbindendes.

Seit eineinhalb Jahren wütet die Corona-Pandemie. Wie haben sich die Drehprozesse zuletzt verschoben? Ist die Arbeit mit Corona-Schnelltests und Impfungen wieder deutlich einfacher geworden?
Ja und nein. Zum einen haben wir natürlich eine Menge Routine gewonnen und wissen inzwischen ganz genau, wie ein Dreh mit Abstands- und Hygieneregeln zu bewerkstelligen ist. Zum anderen sind die Drehbedingungen aufgrund der Virusvarianten nach wie vor durch notwendige Einschränkungen geprägt. Maske und Abstand sind noch immer unsere täglichen Begleiter beim Arbeiten.

Zuletzt setzte das ZDF unter anderem mit «Schlafschafe» eine Corona-Serie um. Wird die Pandemie in der neuen Staffel von «SOKO Leipzig» eine Rolle spielen?
In der Welt der «SOKO Leipzig» erzählen wir keine Pandemiesituation. Das würde schon allein durch den Vorlauf der Produktion von teilweise über einem Jahr bis hin zur Ausstrahlung nicht wirklich gut funktionieren, wenn man an all die aktuellen Ereignisse denkt, die uns Corona beschert hat. Wir würden der Realität einfach nicht gerecht werden. Allerdings hat uns die Frage, was die Pandemie mit uns Menschen macht, im Nachdenken über Geschichten sehr beschäftigt. So ist beispielsweise eine Doppelfolge entstanden, die sich mit dem Thema Verschwörungstheorien auseinandersetzt. Hochaktuell, und gleichzeitig ein sehr universelles Thema, das bestimmt auch noch in 20 Jahren interessant sein wird.

Sie lehren an der Filmuniversität Babelsberg, der Universität Leipzig und der Hochschule Mittweida.
Viele Kurse und Seminare fanden online statt. Das hat sehr gut funktioniert. Inzwischen wird aber an vielen Unis auch wieder in Präsenz gelehrt.

Sie haben mit zahlreichen jungen Menschen zu tun. Haben Sie Verständnis, dass diese die die Abstandsregeln satthaben und statt Netflix und ZDF-Mediathek wieder ungehindert feiern gehen wollen?
Verständnis allemal! Ich habe ehrlich gesagt einen enormen Respekt davor, wie verantwortungsvoll die junge Generation mit der Pandemiesituation umgegangen ist. Und wie wenig sich da aus meiner Sicht beklagt wurde. Im Vergleich zu manch Älteren. Wir können uns alle eine Scheibe davon abschneiden. Und den Blick auf die Themen und Fragen lenken, für die junge Menschen im Moment auf die Straße gehen. Wichtige Themen, vor denen wir Älteren gern die Augen zumachen.

Wie haben Sie eigentlich privat die Corona-Pandemie durchlebt?
Natürlich gab es anstrengende Phasen und Momente. Und als Mutter bin auch ich mit dem Kind auf dem Arm und dem Telefon in der Hand in unserer Wohnung hin und her gewandert. Geblieben ist als Gefühl aber vor allem Dankbarkeit. Dafür, dass meine Familie gesund ist, dass ich keine Angst haben musste, meinen Job zu verlieren. Und dass ich privat wie beruflich ein Umfeld habe, auf das ich in schwierigen Situationen bauen kann.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Die neuen Folgen von «SOKO Leipzig» sind ab Freitag im ZDF zu sehen.

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