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«Mein Bester & Ich» - Ein ziemlich bestes Remake?

von   |  2 Kommentare

Das Original von «Ziemlich beste Freunde» wurde in Deutschland zu einem absoluten Überraschungserfolg. Nun erscheint das ursprünglich für den US-Markt inszenierte Remake «Mein Bester & ich» auch hierzulande.

Filmfacts: «Mein Bester & ich»

  • Start: 21. Februar 2019
  • Genre: Komödie
  • Laufzeit: 126 Min.
  • FSK: 6
  • Kamera: Stuart Dryburgh
  • Musik: Rob Simonsen
  • Buch: Jon Hartmere
  • Regie: Neil Burger
  • Darsteller: Kevin Hart, Bryan Cranston, Nicole Kidman, Aja Naomi King, Jahi Di'Allo Winston, Genevieve Angelson
  • OT: The Upside (USA 2017)
«Ziemlich beste Freunde» war 2012 der letzte große Dauerbrenner in den deutschen Kinos, eh der Trend dazu überging, Filme nach einem nicht allzu überragenden Startwochenende direkt in der Kopienanzahl zu beschneiden. Damals startete der Film in gerade einmal 167 Lichtspielhäusern. In seine Hochphase waren es knapp 800. Dieses Phänomen zu erklären, ist schwierig, denn seither gab es noch viele weitere vergleichbare Wohlfühlfilmen, auch aus Frankreich (es schwappte im Nachhinein sogar eine regelrechte Welle an französischen Produktionen über Deutschland herein und lediglich «Monsieur Claude und seine Töchter» gelang nochmal ein halbwegs vergleichbarer Erfolg). Mit über neun Millionen Zuschauern ist die charmante, wenn auch zugegebenermaßen ziemlich ecken- und kantenlose Tragikomödie, die Omar Sy («Belleville Cop») hierzulande den großen Durchbruch bescherte und François Cluzet («Ein Dorf zieht blank») zu einem Popularitätsschub verhalf, bis heute der erfolgreichste deutsche Kinostart der Zehnerjahre – noch vor «Star Wars: Das Erwachen der Macht», «James Bond 007: Skyfall» oder allen drei «Fack ju Göhte»-Filmen. Auch in den USA kam der Film gut an, wenngleich nicht annähernd vergleichbar wie hier. Dort spielte er immerhin zehn Millionen Dollar ein, was sicherlich auch damit zusammenhängt, dass die Amerikaner ungern Filme im Original oder untertitelt schauen, die nicht in englischer Sprache produziert wurden. Daher kommt es gar nicht so selten vor, dass fremsprachige Filme noch einmal eins zu eins neu gedreht werden – nur eben auf Englisch.

Nun hat es «Ziemlich beste Freunde» getroffen und bei der US-Version fahren die Macher in der Besetzung groß auf: Bryan Cranston («The Infiltrator»), Kevin Hart («Night School») und Nicole Kidman («Aquaman») verkörpern die drei wichtigsten Rollen auf ähnlich harmonische Weise wie ihre Vorbilder. Und inszenatorisch macht Regisseur Neil Burger («Die Bestimmung – Divergent») sogar Manches besser als Olivier Nakache und Éric Toledano.

Gegensätze ziehen sich an


Der kunstsinnige, querschnittsgelähmte Milliardär Philip (Bryan Cranston) ist auf der Suche nach einem neuen Pfleger. Seine Hausdame Yvonne (Nicole Kidman) ist mehr als irritiert, als in der Bewerberriege plötzlich ein sehr unkonventioneller Kandidat auftaucht. Dell (Kevin Hart) ist vorbestraft und will sich nur eine Bescheinigung abholen, dass er auf Jobsuche ist. Aber Philip entscheidet spontan, dass Dell trotzdem eine Chance bekommt: Weil er einen ungewöhnlichen Blick auf die Welt hat und seinen potenziellen Boss – im Gegensatz zu Yvonne – nicht wie einen hochsensiblen Pflegefall behandelt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten nähern sich die beiden grundverschiedenen Männer an. Philip blüht sichtlich auf, als Dell ihn auf abenteuerliche Trips mitnimmt. Und auch Dell lässt sich auf Philips Welt ein. Beide werden ziemlich beste Freunde.

Erzählerisch orientiert sich das „ziemlich beste Remake“. das im Original übrigens «The Upside» heißt, eng an der Vorlage. Verfasst hat es mit Jon Hartmere ein Debütant, der die meisten Szenen des Originals entweder exakt übernimmt (wie zum Beispiel den Prolog im Auto) oder nur marginal variiert. Trotzdem ist «Mein Bester & ich» kein Shot-for-Shot-Remake, selbst wenn Regisseur Burger hier und da sogar dazu übergeht, identische Bilder zu kreieren. Dadurch ist sein Film als direkte Hommage charmant, als originalgetreue Neuauflage gelungen und besitzt trotzdem noch genügend Eigenständigkeit im Detail, damit es für seine Kenner immer auch ein paar neue Facetten zu entdecken gibt. Zu diesen gehört neben der naheliegenden Verlagerung der Story von Frankreich in die USA (inklusive Abstecher in die dortigen Ghettos, die im Original noch die französischen Banlieus waren) ein wenig Varianz in der zweiten Hälfte, genauso wie sich einige Gags den Sehgewohnheiten des etwas gröber gestrickten US-Publikums anzupassen scheinen.

Kurzum: Hier geht es einfach ein wenig derber zur Sache, während in «Ziemlich beste Freunde» immer der Schwerpunkt auf dem Wohlfühlen lag. Was auf den ersten Blick etwas weniger stilvoll klingt, macht im Anbetracht der Besetzung aber durchaus Sinn. Das soll nicht heißen, dass sich Neil Burger hier auf den zeitweise äußerst platten Humor seines Hauptdarstellers Kevin Hart verlässt. Dieser fährt seine bisweilen sehr laute, kreischende und dadurch nicht unbedingt für jeden erträgliche Attitüde hier auf ein Mindesmaß zurück und kommt nach zuletzt immer weniger gelungenen Auftritten in Komödien hier auch endlich mal zum Spielen.

Die Chemie stimmt


Und trotzdem sind es vor allem die ausladenden Body-Comedy-Momente, in denen Hart punkten kann. In Kombination mit seiner überzeugend intimen Performance kann der erst kürzlich von seinem neuen Amt als Oscar-Host zurückgetretene Stand-Up-Comedian sämtliche seiner Stärken ausspielen, während Bryan Cranston als querschnittsgelähmter Milliardär natürlich weitaus weniger Möglichkeiten in der Gestikulation hat. Stattdessen spielen sich sämtliche Regungen einzig und allein in seinem Gesicht ab – und Cranston ist als Akteur seines Kalibers zu jeder Zeit in der Lage, seine Emotionen voll und ganz über seine Mimik zu transportieren. Die Interaktion zwischen Cranston und Hart wirkt in «Mein Bester & ich» exakt so herzlich wie in «Ziemlich beste Freunde» – das ist vermutlich der wichtigste Aspekt am Film, der dazu beiträgt, dass das auf einer wahren Geschichte basierende Schiksal der zwei Hauptfiguren auch im zweiten Anlauf immer noch mitreißt, selbst wenn man den Ausgang der Geschichte auch dann meilenweit gegen den Wind zu riechen vermag, wenn man das Original vielleicht noch gar nicht gesehen hat. Lediglich Nicole Kidman hat in «Mein Bester & ich» kaum Gelegenheit, ihre darstellerischen Qualitäten zu zeigen.

Natürlich bleibt am Ende vor allem der Eindruck, dass es sich bei «Mein Bester & ich» um einen wieder aufgewärmten Stoff handelt, den man nur deshalb neu adaptiert hat, um sich mit den Amerikanern einen vorab weitstgehend außen vor gelassenen Markt zu erschließen. Trotzdem hat ausgerechnet diese kalkulierte Filmproduktion am Ende die qualitative Nase vorn, denn ganz so manipulierend harmoniebedürftig wie «Ziemlich beste Freunde» ist das Remake nicht. Komponist Rob Simonsen («Im Rausch der Sterne») setzt auf eine deutlich reduziertere Musikuntermalung als noch sein Kollege Ludovico Vadepied. Dadurch gibt die Neuauflage nicht immer schon auf akustischer Ebene genau vor, welche Emotionen gerade bedient werden sollen und drückt darüber hinaus nie so gezielt auf die Tränendrüse, wie noch der Score des Originals. Darüber hinaus erlaubt sich Neil Burger kleinere dramaturgische Abweichungen; so kostet er die Rückschritte innerhalb der voranschreitenden Freundschaft etwas mehr aus als die Regisseure des Originals, was das Remake im Umkehrschluss rund eine Viertelstunde länger macht.

Diese höhere Laufzeit wirkt im Finale allerdings wie Ballast. Die Macher wissen bei ihrem Film schlicht und ergreifend nicht, wann Schluss ist und lassen mehrere Gelegenheiten für ein aussagekräftiges Schlussbild verstreichen, um Happy End an Happy End an Happy End zu hängen. Das lässt «Mein Bester & ich» auf einer schwächeren und unentschlosseneren Note enden, als sich der Film in den zwei Stunden zuvpr präsentiert.

Fazit


Abgesehen von dem absurden deutschen Filmtitel ist «Mein Bester & ich» ein gelungenes Remake des französischen Dauerbrenners «Ziemlich beste Freunde», das mit den altbewährten Mitteln überzeugen kann und hier und da sogar noch ein klein wenig besser ist.

«Mein Bester & ich» ist ab dem 21. Februar in den deutschen Kinos zu sehen.

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Es gibt 2 Kommentare zum Artikel
Sentinel2003
21.02.2019 13:06 Uhr 1
Hallo Antje, kann man also davon ausgehen, daß die Amerikaner nicht mal Synchronstudios haben?
dirkberlin
21.02.2019 21:40 Uhr 2


Vielleicht ist es gewöhnung, dass die Stimmen nicht lippensynchron sind. Hab auch mal gehört, das Hollywood kein Interesse daran hat, das die Gewerkschaften stark genug wären, dass die lieber den Film neu drehen als zu übersetzen. An sich clever, verdient man so ja mehr dran, weil vermutlich die Ausländischen Produktionen vermutlich relativ billig zu haben sind (weil sie in den USA ja nicht laufen. Vielleicht ist es auch das ein oder andere Production Value das man höher angesetzt haben will.
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