Die Kritiker

«Pfarrer Braun: Brauns Heimkehr»

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Im Abschlussfall macht «Pfarrer Braun» die üblichen Fehler. Auch wenn das Skript sich von den bisherigen Fällen abhebt, reicht es nicht für einen runden Abschluss der beliebten Reihe.

Inhalt:


«Pfarrer Braun»-Bilanz 2013

Trotz mäßiger bis schlechter Kritiken stellte «Pfarrer Braun» lange Zeit einen Quotengarant für die ARD dar. Zuletzt knüpften Otti Fischer und Co. jedoch nicht an alte Erfolge an. Im Jahr 2013 überboten lediglich zwei von acht präsentierten Ausgaben den Senderschnitt des Ersten, der sich aktuell auf 11,9 Prozent beläuft. Daraus resultierte eine Durchschnittsquote von ausbaufähigen 10,5 Prozent im Jahr 2013, gleichwohl die «Pfarrer Braun»-Ausgaben im vergangenen Jahr nur aus Wiederholungen bestanden.
Um Pfarrer Brauns Gesundheit ist es nicht gut bestellt. Der Abberufung durch seinen obersten Dienstherren sieht er dennoch gelassen entgegen. Einen Wunsch hat er aber noch: noch ein Mal kriminalisieren dürfen! Und diesen Wunsch erfüllt ihm der liebe Gott.
Eigentlich soll Pfarrer Braun in seiner Heimatstadt Bad Beuern Ruhe finden. Daraus wird bereits im Ansatz nichts, denn schon auf der Hinfahrt wird er in einen merkwürdigen Unfall mit einem Schaf verwickelt. Als kurz darauf im nahe gelegenen Kloster ein Mönch beim Bearbeiten eines alten Pergaments überfallen und ihm der Daumen abgeschnitten wird, steht für Braun fest - das Verbrechen darf nicht ungesühnt bleiben. Hat etwa die Heiligsprechung der besonders im Ort verehrten Agnes mit den Vorgängen zu tun? Und warum wird ein weiterer Mönch verstümmelt? Welche Rolle spielt Brauns undurchsichtiger ehemaliger Mitschüler Strasser (Wolfgang Maria Bauer), jetzt Papierfabrikant mit besten Beziehungen in klerikale Kreise bis in den Vatikan? Wieso stößt er bei Abt Emmeram (Lambert Hamel) und den Mönchen auf eine Mauer des Schweigens?

Mit Hilfe göttlicher Eingebung und des unersetzlichen Kommissars Geiger (Peter Heinrich Brix) ermittelt Braun in diesem Fall, der ihn bis nach Rom führt, wo ihn die finale Konfrontation erwartet.

Darsteller:


Ottfried Fischer als Pfarrer Braun
Peter Heinrich Brix als Kommissar Geiger
Antonio Wannek als Armin
Hans-Michael Rehberg als Bischof Hemmelrath
Gilbert von Sohlern als Priester Mühlich
Lambert Hamel als Abt Emmeram Stelzenbach
Wolfgang Maria Bauer als Korbinian Strasser

Kritik:


Es hat sich auskriminalisiert: In seinem letzten Fall verschlägt es Pfarrer Braun sogar bis in die ewige Stadt nach Rom. Der Abschied von Ottfried Fischers Kultrolle hätte allerdings würdiger gestaltet werden können, das Drehbuch trägt dabei weniger Schuld als sonst. Humorvoll wird die als reaktionär verschriene Kirche aufs Korn genommen: Priester mit Smartphones und Bibel-App oder Bischöfe mit Laptops passen gut zum neuen obersten Vorgesetzten aus Argentinien, der den Vatikan auf links gedreht hat – «Pfarrer Braun: Brauns Heimkehr» nutzt diesen Umstand gut, um für einige Schmunzler zu sorgen, auch wenn das Drehbuch in Sachen Klischees wieder die Spendierhosen anhat.

Neben einigen humoristischen Avancen siedelt sich das Drehbuch qualitativ über den sonstigen Fällen des beleibten Pfarrers an. Autor Wolfgang Limmer versteht es eine blutige Auseinandersetzung zwischen zwei bayrischen Gemeinden zu inszenieren und dabei scheinbar unabhängige Vorkommnisse wie den Autounfall mit einem trächtigen Schaf, abgeschnittene Daumen und häusliche Gewalt zumindest glaubwürdiger als in etlichen Fällen zuvor miteinander zu verstricken. Dabei übt „Brauns Heimkehr“ Kritik am Wallfahrtsgeschäft, was von der Thematik unkonventionell, aber trotzdem berechtigt wirkt, das alles natürlich verpackt in einem sehr gemächlichen Tempo, um die Zuschauer nicht zu überfordern sowie in dem weltfremden Milieu, in dem sich «Pfarrer Braun» seit der ersten Episode 2003 bewegt.

Fehlerfrei ist das Skript allerdings keineswegs: Vor allem eine Liebesgeschichte zu erzwingen, deren Verlauf obendrein höchst unglaubwürdig daherkommt, ist deplatziert. So sind Pfarrer Brauns Weggefährte Armin und der jungen Schäferin Kathrin nur etwa ein Dutzend Minuten Bildschirmzeit vergönnt, das mit einem Kennenlernen beginnt und mit einem Heiratsantrag endet. Inwiefern diese unrealistisch rasante Liebschaft dem Fernsehfilm hilft? Das bleibt das Geheimnis des Autors. «Pfarrer Braun»-Fans hätten sich wohl lieber mehr Bestrebungen gewünscht, um im letzten Fall von Ottfried Fischer und Kollegen etwas Atmosphäre zu erzeugen – selbige kommt nämlich deutlich zu kurz. Hier und da neigt der 90-Minüter zur Melancholie, spielt diese Karte aber nur halbherzig aus und kreiert dadurch keinen runden Abschluss, wie es beispielsweise der letzte Fall von «Stubbe» vermochte.

Die entscheidende Schwäche findet sich allerdings im Ensemble wieder. Von Peter Heinrich Brix darf man wohl nicht mehr erwarten - seine Rolle des Kommissar Geiger war von vornherein die lieblose Personifizierung des Comedy-Elements, der man durch seine Unfähigkeit und dem überzogenen Minenspiel von Brix nicht allzu viel abgewinnen kann. So gut wie nie trug er konstruktiv zum Fall bei, sondern sollte nur durch seine schrullige Art für Lacher auf Seiten der Zuschauer sorgen.

Bei den sonst deutlich amüsanteren Dialogen zwischen Pfarrer Braun und Bischof Hemmelrath braucht es seine Zeit bis das Publikum von selbigen profitiert, da Hans-Michael Rehberg erst nach der Hälfte des Fernsehfilms warmgelaufen zu sein scheint. Bis auf dessen rechte Hand Priester Mühlich, die Gilbert von Sohlern herrlich schleimig verkörpert, spielt der der Rest der Darstellerriege wieder einmal auffällig schwankend von hölzern bis ausreichend, was den Sehgenuss deutlich trübt. Allerdings bot die Charakterzeichnung in «Pfarrer Braun» noch nie sonderlich viel Platz für ein gelungenes Aufspielen des Ensembles. Hauptdarsteller Ottfried Fischer, der privat selbst seit einigen Jahren unter Parkinson leidet, schafft es jedoch seinem sterbenskranken Charakter gerecht zu werden.

Im Grunde zeichnete sich «Pfarrer Braun» noch nie durch außerordentlich viel Qualität aus - zumindest im letzten Fall gab man sich aber mehr Mühe als sonst. Passend, dass es «Pfarrer Braun» an seinem Lebensabend in die Hauptstadt des Christentums verschlägt. Die Konflikte innerhalb der Kirche sind passabel dargestellt, auch wenn sich Kamera und Ton bei «Pfarrer Braun» treu bleiben und auf jegliche Raffinessen verzichten. Einmal mehr findet sich jedoch in der romantischen bayrischen Natur der am besten inszenierte Protagonist wieder und die Mängel in Cast und Drehbuch drücken den Unterhaltungsfaktor deutlich, was «Pfarrer Braun: Brauns Heimkehr» nicht zum würdigen Ende des Geistlichen werden lässt, auch wenn die Abschlusssequenz tröstlich stimmt.


Das Erste zeigt «Pfarrer Braun: Brauns Heimkehr» am Donnerstag, dem 20. März, zur besten Sendezeit ab 20.15 Uhr.

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