Ich hatte Lust darauf wieder einen Genre-Film, einen Neo-Noir, einen Heist-Film zu drehen. Zudem hatte ich lange nicht mehr in Berlin gedreht. Das waren die Ausgangspunkte.
Zwischen «Im Schatten» und «Verbrannte Erde» liegen nicht nur zwölf Jahre, sondern auch große Veränderungen in Berlin. Wie sehr war es Ihnen ein Anliegen, diese Transformation der Stadt filmisch einzufangen?
Berlin ist die Stadt, in der ich bereits seit langem lebe. Sie hat sich besonders in den letzten zehn Jahren drastisch verändert. Berlin ist in dieser Zeit erheblich teurer, abweisender und für immer größere Teile der Bevölkerung unwirtlicher geworden. Das sollte nicht explizit im Film verhandelt werden, sondern eher als atmosphärischer Grundton präsent sein.
Trojan wirkt wie ein Mann aus einer anderen Zeit – besonders in einer zunehmend digitalisierten Welt. Ist er für Sie bewusst eine Figur, die aus der Zeit gefallen ist?
Ja, Trojan ist ein Krimineller der „alten Schule“. Das Wichtigste für ihn ist es, seine Unabhängigkeit zu bewahren. Aus diesem Grund arbeitet er auch nicht für das organisierte Verbrechen, das streng hierarchisch strukturiert ist. Das Digitale meidet er insbesondere aus professionellen Gründen. In der digitalen Welt hinterlässt man zu viele Spuren. Das zu vermeiden wird inzwischen immer schwieriger für Trojan.
Der Film bewegt sich stark im Genre des Film noir. Was reizt Sie an dieser Form des Erzählens – gerade im heutigen Kino?
Der Film Noir ist für mich nach wie vor ein sehr interessantes Genre, das in zugespitzter Form viel über die Gegenwart erzählen kann.
Trotz des kriminellen Milieus erzählen Sie sehr reduziert und fast beobachtend. Wie finden Sie die Balance zwischen Spannung und minimalistischer Inszenierung?
Spannung entsteht für mich erst durch eine gewisse Zurückhaltung. Wenn ständig etwas explodiert oder permanent geschossen wird, arbeitet man eher mit Überraschungen. Mich interessiert es mehr, langsam eine Atmosphäre aufzubauen.
Mit Mišel Matičević arbeiten Sie erneut zusammen. Wie hat sich die Figur Trojan durch ihn im Vergleich zum ersten Film weiterentwickelt?
Trojan ist älter geworden, aber er ist mehr oder weniger die gleiche Person geblieben. Die Welt um ihn herum hat sich verändert.
Die Stadt Berlin wirkt im Film fast wie eine eigene Figur. Welche Rolle spielt der urbane Raum für Ihre Art, Geschichten zu erzählen?
Der urbane Raum, insbesondere Berlin, ist das, was ich am besten kenne. Manchmal interessiert es mich diesen Kontext zu verlassen, wie in „Ferien“, „Gold“ oder „Helle Nächte“. Aber erzählerisch kehre ich immer wieder in die Großstadt zurück. Aber ob urbaner Raum oder nicht: der Raum und die Figuren gehören zusammen. Das räumliche Umfeld ist für mich immer ein integraler Bestandteil der Geschichte.
Der geplante Kunstdiebstahl dient als Ausgangspunkt, doch schnell verschieben sich die Motive der Figuren. Ging es Ihnen weniger um den Coup als um die Dynamiken innerhalb der Gruppe?
Beides. Der Coup gibt mir die Möglichkeit, die Details von Trojans Arbeit, seine Professionalität zu zeigen und physische Abläufe zu inszenieren. Die Dynamik zwischen den Figuren ist ebenso wichtig. Die Durchführung des Coups nur ein Teil der Erzählung. Bis die Figuren dann zu ihrem Anteil an der Beute kommen (oder auch nicht) ist es ein langer Weg.
Figuren wie Rebecca, Diana oder Victor verfolgen eigene Interessen. Wie wichtig ist es Ihnen, dass in Ihren Filmen keine klaren moralischen Linien gezogen werden?
Das Gegenteil wäre schablonenhaft. Trotzdem gibt es bei Trojan und Diana noch sowas wie einen Ehren-Kodex, der sie z.B. von jemandem wie Victor unterscheidet.
«Verbrannte Erde» wurde 2024 als bester Spielfilm von der Deutschen Filmkritik ausgezeichnet. Hat diese Anerkennung Ihre Perspektive auf den Film oder Ihre Arbeit verändert?
Ich habe mich natürlich über den Preis gefreut, aber davon will ich mich nicht zu sehr beeinflussen lassen.
Ihre Filme gelten oft als sehr präzise und zurückhaltend inszeniert. Wie viel Planung steckt hinter dieser scheinbaren Einfachheit?
Viel Vorbereitung und Planung. Am Drehort ändert sich jedoch oft noch einiges (Einstellungsfolgen, Dialoge). Die Texte/Dialoge werden im Vorfeld nicht szenisch geprobt. Da bleibt es bei den Leseproben, in denen für mich bereits oft zu erkennen ist, was funktioniert und was nicht. Nur bei den Kampf-Szenen wird vorher an einer Choreographie gearbeitet.
Wenn das Publikum den Film in der ARD Mediathek sieht: Was würden Sie sich wünschen, dass es über Figuren wie Trojan – und vielleicht auch über die Stadt Berlin – neu entdeckt?
Ich denke, man kann einen Film auf sehr verschiedene Weise sehen. Und das muss auch nicht zwangsläufig eine von mir intendierte Weise sein. Ich würde mich freuen, wenn die Zuschauer dem Film mit Lust und Neugier begegnen und bis zum Ende dranbleiben.
«Verbrannte Erde» ist in der ARD Mediathek abrufbar. Außerdem läuft der Spielfilm in der Nacht zum Montag um 00.05 Uhr.







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