First Look

«The Four»: Amerika ist Casting-müde

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Bevor im März bei ABC «American Idol» wiederaufersteht, startete bei FOX vor wenigen Tagen unter großem Bohei mit «The Four» ein neues Casting-Format. Richtig durchdacht war das nicht...

Cast & Crew

Produktion: ITV Entertainment und Armoza Formats
Schöpfer: Elwin de Groot und Armoza Formats
Moderatorin: Fergie
Jury: Sean Combs, DJ Khaled, Meghan Trainor und Charlie Walk
The Four: Lex Lu, Blair Perkins, Ash Minor und Elanese Lansen
Executive Producer: David Friedman, Becca Walker, Adam Sher, David George, David Eilenberg, Avi Armoza, Nehama Cohen und Moshiko Cohen
Die letzte große Casting-Innovation liegt im amerikanischen Fernsehen gut drei Jahre zurück: «Rising Star», ein aus Israel stammendes Format, wollte frischen Wind in das Reality-Fernsehen bringen, dessen Talentsuch-Sparte damals hauptsächlich aus einem müde gewordenen «American Idol», einem noch recht neuen, aber bereits etablierten «The Voice» und dem besonders innovationsarmen NBC-Dauerbrenner «America’s Got Talent» bestand. Der Schuss ging nach hinten los: Und auch in Deutschland entpuppte sich «Rising Star» als überraschend schlecht produzierte Sendung. Außerhalb Israels und Indiens ist das Format schon lange wieder Geschichte.

Bevor im März nun «American Idol» bei der Konkurrenz von ABC wiederaufersteht, will FOX mit «The Four: Battle for Stardom» dem Casting-Reality-Genre einen neuen Impuls versetzen, das es schließlich maßgeblich mitgeprägt hat. Anders als «American Idol» und vergleichbar mit «Rising Star» ist die horizontale Dramaturgie über die Staffel gesehen dagegen recht schwach. Durch das Spielprinzip bleibt die Fallhöhe weitgehend auf die jeweilige Episode beschränkt:

Vier gute, aber unbekannte und von der Jury vorausgewählte Musiker bilden «The Four». Ziel für den jeweiligen Kandidaten ist es, einen dieser „Four“ zu eliminieren, um selbst einer zu werden. Dazu muss er zunächst die Jury von seinem Können überzeugen, die ihm ein einstimmiges Ja geben muss, damit es zum Battle kommt. Dazu kann er sich einen der „Four“ aussuchen, den er rausschießen will. Das Studiopublikum entscheidet, ob der Kandidat schließlich dessen Platz einnehmen darf oder doch noch sieglos nach Hause gehen muss.

Dieses Regelwerk löst gleich zahlreiche strukturelle Probleme, mit denen Casting-Shows in den USA zu kämpfen hatten: Der zentrale Aufzeichnungsort macht die logistische Mammutaufgabe unnötig, wie «American Idol» jeden Sommer wochenlang durch die Vereinigten Staaten zu tingeln, um in kaputtgesparten Convention Centers und tristen Stadien einen neuen Superstar zu suchen. Und der Verzicht auf eine Abstimmung des Live-Fernsehpublikums verhindert, dass die nervige Zeitverschiebung auch noch am Folgetag die Sendepläne verhagelt oder enorme administrative Verrenkungen mit den Affiliates ausgehandelt werden müssen.

Zumindest hinsichtlich der Jury-Konstellation leben jedoch alte «American-Idol»-Prinzipien auf: Record Executive Charlie Walk gibt den überkritischen taktlosen Simon Cowell, Meghan Trainor tut wie Paula Abdul, als sei sie davon angewidert, während Sean Combs und DJ Khaled als Randy-Jackson-Verschnitt die gute, aber manchmal auch ein bisschen harte Seele des Panels bilden.

Doch hier enden schnell die Vergleichsmöglichkeiten. Wo «American Idol» zumindest in seinen besseren Zeiten handwerklich geschickt eine horizontale Heldenreise erzählte, mit Protagonisten, die man über Monate hinweg begleiten konnte, und dabei noch äußerst talentierte Musiker fand, von denen viele zu tatsächlichen Weltstars avancierten, ist bei «The Four» davon nicht viel zu erkennen. Die Fallhöhe bleibt durch das Spielprinzip auf den Moment beschränkt, und ob aus dieser Sendung – auch angesichts der Zuschauerzahlen weit abseits des öffentlichen Interesses – ein anhaltend erfolgreicher Künstler hervorgehen wird, darf eher bezweifelt werden. Die ständigen Betonungen von Charlie Walk und Sean Combs, man suche hier keine Karaoke-Sänger, sondern besonders begabte Musiker, die man zu Megastars pushen will, bewirken vor dem Hintergrund der musikalischen Durchschnittlichkeit der Bewerber und der „Four“ eher das Gegenteil. Mit diesem Format beweist Amerika seine Casting-Müdigkeit: ein denkbar schlechtes Zeichen für das im März anstehende Revival von «American Idol».

Kurz-URL: qmde.de/98289
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