Die Fortsetzung zum Überraschungserfolg «Kingsman – The Secret Service» nimmt alles, was die einfallsreiche und herbe Agentenfarce ausmacht, und legt noch eine ordentliche Schippe drauf.
Im Gegensatz zu den früheren Bond-Filmen, durch deren ebenso knalligen wie galanten Eskapaden die «Kingsman»-Reihe sehr lose inspiriert ist, verfolgt Vaughns Agentenactionfarce eine strenge Kontinuität. Bereits in der ersten Actionszene gibt es ein Wiedersehen mit einem Unsympathen aus Teil eins, der Eggsy erneut das Leben schwer macht, und es bleibt nicht bei diesem einen Rückkehrer. Darüber hinaus machen sich Vaughn und Goldman einen Spaß daraus, einprägsame Sprüche, Dialoge und szenische Grundkonstellationen aus dem Erstling abzuwandeln. Dabei verwenden sie solche Referenzen allerdings bloß, wenn sie mit einer Pointe oder einer charaktergesteuerten Szene einhergehen, die auch für sich alleinstehen kann, sollte der Rückverweis über die Köpfe des Publikums hinwegsegeln.
Wenn Eggsy beispielsweise bei einem Einsatz intimen Körperkontakt mit einer zu beschattenden Person suchen muss, um die Mission erfolgreich abzuschließen, ruft er rasch seine bessere Hälfte an, um nach Erlaubnis zu fragen. Diese Szene beantwortet eine Leerstelle im Popcorn-Agentenkino, über die wohl nur wenige nachgedacht haben dürfte, und sie zeigt die treuselige Seite des Protagonisten. Gleichzeitig ist der Dialog, der aus Eggsys Frage (von Egerton ebenso knuffig, voller Gewissensbisse wie auch humorig-geradeheraus gestellt) entsteht, trotz seines plausiblen Verlaufs, dank der flotten Schreibe Vaughns und Goldmans zum Brüllen komisch sowie ausufernd.
Ähnliches gilt für die Actionszenen, die den Style des Vorgängers nehmen und konsequent auf die Spitze treiben: Vaughn schnappt sich die Gagdgets und Stunts der alberneren Bond-Filme, würzt sie mit gewollt-lachhaften Gewaltspitzen und lässt all dies in einer Comicwelt stattfinden, wo die physikalischen Gesetze all das erlauben, was je nach Situation halt am coolsten aussieht. Das Coolness-Hoch des berühmten Kirchenmassakers aus Teil eins wird zwar nie überboten, trotzdem erstaunt es, wie variantenreich Vaughn und Kameramann George Richmond die Schlägereien und Schießereien in «Kingsman – The Golden Circle» gestalten. Zwar werden mehrere nach ähnlicher Manier inszeniert (während ein Pop- oder Rocksong läuft, wird in langen, dynamischen Einstellungen gezeigt, wie die Helden loslegen), allerdings sind die Kamera- und Kampfchoreografie so voller Abwechslung, dass sich dies als Markenzeichen des Films durchsetzt, statt eintönig zu werden. Die Digitaltrickserien geraten dabei aber gelegentlich wacklig, genauso, wie die Establishing Shots, die hier fast schon einen Pop-up-Buch-Look haben – wobei Vaughn diesen Makel wenigstens dadurch mildert, dass er diese Künstlichkeit konsequent durchzieht.
Da aber «Kingsman – The Golden Circle» mit viel Verve und Esprit vorgeht, und in seine 140 Minuten Laufzeit jede Menge Spaß und Überraschungen packt, vergeht die Zeit wie im Fluge – und die nicht ganz runde Erzählweise ist da leicht vergeben, genauso wie kleinere Logiksprünge im Finale. Schade ist nur, dass die Statesman-Agenten zu kurz kommen. Pedro Pascal kommt als kerniger Whiskey am meisten zum Zuge, Jeff Bridges, Halle Berry und Channing Tatum haben dagegen weniger zu tun, als ihnen angesichts ihres amüsierten Spiels zu gönnen wäre. Naja. Vielleicht dann in Teil drei …

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