Die Kritiker

«Ein starkes Team – Knastelse»

von

Stefanie Stappenbeck tritt in die Fußstapfen von Maja Maranow. Bildet auch sie mi Florian Martens «Ein starkes Team»?

Cast und Crew

  • Regie: Maris Pfeiffer
  • Darsteller: Florian Martens, Stefanie Stappenbeck, Arnfried Lerche, Kai Lentrodt, Claudia Geisler-Bading, Gerdy Zint, Kai Michael Müller, Jeanette Hain, Eva Meckbach, Marek Harloff, Jaecki Schwarz, Robert Seethaler, Michael Rotschopf, Inga Busch
  • Drehbuch: Axel Hildebrand
  • Kamera: Gunnar Fuß
  • Musik: Jörg Lemberg
  • Schnitt: Simone Sugg-Hofmann
  • Szenenbild: Karl-Hermann Reith
  • Kostüm: Anneke Troost
Nach über 20 Jahren kommt es zu personellen Veränderungen beim ZDF-Dauerrenner «Ein starkes Team»: Hauptdarstellerin Maja Maranow gab im August 2015 ihren Ausstieg aus dem Format bekannt. Damals hieß es, sie wolle sich verstärkt Einzelfilmen widmen. Anfang dieses Jahres ist die Schauspielerin jedoch im Alter von 54 verstorben – kurz vor der geplanten Ausstrahlung ihres finalen Falls an der Seite von Florian Martens alias Otto Garber. 8,18 Millionen Menschen sahen daraufhin den Kriminalfilm und nahmen so Abschied von der Mimin, die ihr Privatleben bestmöglich aus den Medien heraushielt.

Jetzt steht die erste «Ein starkes Team»-Ausgabe der Ära nach Maranow auf dem Programmplan des Mainzer Senders. Die im Sommer 2015 gedrehte Kriminalgeschichte führt Stefanie Stappenbeck als Garbers neue Kollegin ein. Seine bisherige Partnerin sei nach Australien ausgewandert, heißt es zu Beginn der 65. Episode der Reihe – damit ist der Abschied inhaltlich bereits abgehakt. Autor Axel Hildebrand, eine Allzweckwaffe im ZDF-Krimimetier, bringt auch die Einführung von Stappenbecks Rolle der Linett Wachow rasch hinter sich: Ganz sachlich stellt Teamchef Reddemann (Arnfried Lerche) Wachow als neue Kollegin aus Schwerin vor. Das war’s. Fehlt nur noch, dass jemand ausruft: „Let’s go on with the show!“

Konsequenterweise ist auch das Eis zwischen der Neuen und Garber rasch gebrochen: Ein, zwei Ruppigkeiten werden ausgetauscht, dann kommen die Beiden darauf zu sprechen, dass sie eine ostdeutsche Vergangenheit verbindet. Ganz so freundschaftlich wie zwischen Garber und Verena Berthold geht es bei ihnen noch nicht zu, doch bis dahin ist es voraussichtlich kein weiter Weg mehr.

Alltag, statt Schwerpunkt auf Neuerungen


Kurzum: Die «Ein starkes Team»-Crew macht aus den Änderungen vor der Kamera keine große Sache. Im Mittelpunkt steht einzig und allein der Kriminalplot. Dieser handelt vom Mord am ehemaligen Häftling Boris Kastel (Gerdy Zint), der seinen ersten Abend in Freiheit unerwarteterweise nicht bei seiner Freundin Anita (Claudia Geisler) verbracht hat und am Morgen darauf tot aufgefunden wurde. Bei den Ermittlungen offenbart sich Otto Garber und Linett Wachow eine bis dahin verschlossene Welt: Hinter Gittern floriert das Geschäft mit der Partnervermittlung – denn überraschend viele Frauen sehnen sich tatsächlich nach einer Beziehung zu einem Knastinsassen. An Boris hatte nicht nur Anita einen Narren gefressen, sondern auch Anwältin Olivia (Jeanette Hain), die im Gegensatz zu Anita die Nachricht von Boris‘ Tod gelassen aufnimmt. Nicht nur sie rückt daher in die Liste der Verdächtigen vor: Akki (Michael Rotschopf), der frühere Komplize des Toten, hatte noch eine Rechnung mit Boris offen, und Anitas Sohn David (Kai Müller) war auch nicht gerade von ihm angetan …

Dramaturgisch stellt dieser Fall Fließbandware dar: Es gibt die üblichen falschen Fährten, eine Verfolgungsjagd in den letzten Minuten und einen semi-nachdenklichen Schluss. Was aus der Masse an ZDF-Krimis hervorsticht, ist indes, wie mit dem titelgebenden Thema der „Knastelsen“ umgegangen wird: Statt eines hölzernen Expositionsmonologs übernehmen beiläufige Anekdoten, kleine Beobachtungen und gezielt gewählte Formulierungen die Erklärung des Subkosmos „Frauen, die auf Häftlinge stehen“. Es sind auch die Darstellerinnen, die in mit dieser Thematik verbundenen Szenen auftauchen, die auf schauspielerischer Ebene den meisten Eindruck hinterlassen: Während der neue «Ein starkes Team»-Fall seinen Akteuren sonst wenig abverlangt, überzeugen die „Knastelsen“ mit engagierten Performances – vor allem Hain zieht genüsslich das Optimum aus ihrer sexuell getriebenen Rolle.

Fazit: Alles in allem geht UFA Fiction nach dem Motto „Business as usual“ in die neue Ära seiner Samtagskrimireihe. Stappenbeck fügt sich gut ins Format, um positiv aufzufallen, statt sich bloß unauffällig dazuzugesellen, wird die Mimin allerdings einen Fall brauchen, der ihrer Figur mehr Beachtung schenkt.

«Ein starkes Team – Knastelse» ist am Samstag, den 12. März 2016, ab 20.15 Uhr im ZDF zu sehen.

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