Die Kritiker

«Mit Burnout durch den Wald»

von

Im Ersten geht es am Freitagabend für Jutta Speidel und Paula Kalenberg «mit Burnout durch den Wald».

Cast und Crew

Vor der Kamera:

Birge Schade («Reiff für die Insel») als Hannah
Jutta Speidel («Annas Erbe») als Gudrun Hartwig
Walter Kreye («Der Alte») als Herbert Hartwig
Max von Pufendorf («Die Frau in mir») als Johann Meininger
Stefanie Stappenbeck («Im Alleingang - Die Stunde der Krähen») als Silvia Rautenberg
Paula Kalenberg («Systemfehler - Wenn Inge tanzt») als Rosa Spencer
Martin Brambach («Unter anderen Umständen - Falsche Liebe») als Alfred Schuster


Hinter der Kamera:

Regie: Michael Rowitz, Drehbuch: Markus Altmeyer, Kamera: Roman Nowocien, Musik: Egon Riedel, Schnitt: Achim Seidel, Produzent: Max Wiedemann
Entspannung und Ruhe sind rare Güter geworden, weshalb Burnout mit zunehmender Häufigkeit als Volkskrankheit bezeichnet wird. Es kann das überforderte, beruflich tätige Elternteil genauso gut treffen wie die jungen Heranwachsenden, die um eine standfeste Position im Arbeitsmarkt kämpfen. In einem weiteren Versuch, ihren TV-Eigenproduktionen ein zeitgemäßeres Image zu verleihen, nimmt sich die ARD Degeto mit dem Neunzigminüter «Mit Burnout durch den Wald» den Folgen unserer schönen, neuen Leistungsgesellschaft an. Und der Beginn präsentiert sich dank pointierter Auffassungsgabe auch reichlich ansprechend.

Regisseur Michael Rowitz zeichnet eingangs ein hektisches, farblich gedämpftes, von Disharmonien geprägtes Stadtbild und führt im Rahmen dieser modernen Inszenierung seine Hauptfiguren ein, deren Lebenslagen zur Identifikation einladen. Da wäre die junge Werbeschaffende Rosa (voller Energie: Paula Kalenberg), die nach ihrem Studium erst einmal eine lange Phase an Praktika durchlief und nun in einer Agentur gelandet ist, wo sie volle Verantwortung trägt, aber nur ein Praktikantengehalt erhält. Dann ist da noch die Lehrerin Silvia (sympathisch, doch über eine forcierte Lovestory stolpernd: Stefanie Stappenbeck), die als Alleinerziehende einen Haufen Schulden ansammelte. Außerdem stellen Rowitz und Drehbuchautor Markus Altmeyer den Arbeitslosen Alfred (das Herz dieser Komödie: Martin Brambach) vor, der am Ende seiner Energiereserven angelangt ist. Innerhalb der vergangenen Monate schrieb der frustrierte, kürzlich geschiedene Ex-Lektor über 500 Bewerbungen, wurde stets aufgrund seines Alters abgelehnt und muss sich zudem als Flyerverteiler erniedrigen.

Selbst das Rentnerehepaar Herbert und Gudrun (Walter Kreye und Jutta Speidel) ist längst völlig ausgebrannt, was sich negativ auf ihre Beziehung zueinander auswirkt – der Subplot der vergnügt agierenden Schauspielveteranen fügt sich allerdings nur schwerlich in die restliche Story über die moderne Arbeitswelt ein. Zudem erschweren mühselige Streitereien zwischen Herbert und Gudrun dem (jungen?) Publikum den Einstieg in diesen Handlungsfaden, der erst gen Ende dank Kreyes und Speidels Interaktion an Charme gewinnt. Dafür besticht Max von Pufendorf in der Rolle des schmierigen Unternehmensberaters Johann, der sein tägliches Brot damit verdient, Arbeitgebern Vorschläge zu erteilen, wie viele Stellen sie kürzen können. Der Schauspieler weiß seine Figur richtig einzuschätzen und macht aus ihr jemand, den man nur zu gerne hasst.

Diese sechs grundverschiedenen Menschen nehmen, weitestgehend unfreiwillig, an einem verlängerten Anti-Burnout-Workshop in der Märkischen Schweiz teil, das von der
passionierten Therapeutin Hanna (Birge Schade, der die komischen Sequenzen am besten stehen) geleitet wird. Sobald Altmeyer und Rowitz alle Protagonisten an einem Ort versammelt haben, wird aus der leichtfüßigen Komödie mit gesellschaftskritischem Unterton jedoch bloß eine etwas bessere Klamotte. Es brennen Zelte an, der Langzeitarbeitslose zetert gegen den Unternehmensberater und selbstredend kommt es zu allerlei Liebesverwirrungen. Und alsbald kippt die Stimmung, aus den Fremden werden gute Freunde, die dafür mit ihrer steten Gelassenheit die Entspannungsexpertin zur Weißglut bringen.

Wenn dann gen Schluss wieder verstärkt Lektionen über psychologische Effekte, Überforderung und Heuchlerei verbreitet werden, kommen diese nicht mehr so spritzig wie im Prolog rüber, sondern haben eher einen belehrenden Beiklang. Die Chemie zwischen den Darstellern und die flotten Dialoge trösten aber zumindest im Ansatz über das verschenkte Potential hinweg.

«Mit Burnout durch den Wald» ist am Freitag, den 29. August 2014, um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen.

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