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«Swingtown»

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Massive Proteste gingen der Serie voraus; und CBS reagierte auf genau diese.

Es ist neuerdings keine Überraschung mehr, wenn der Parents Television Council (PTC) in der Öffentlichkeit aufmuckt, wenn es im Fernsehen buchstäblich unanständiges Material zu sehen gibt. Egal ob es um zu viel Sex, den Gebrauch von oder Diskussionen über Drogen, oder die schiere Menge an Gewalt geht: Die sogenannten TV-Wachhunde sind immer zur Stelle, wenn TV-Sender oder deren Programme die Grenzen überschreiten. Allerdings kann der PTC selten etwas gegen die blutrünstigen Obszönitäten im Fernsehen tun – das einzige, was die Organisation um ihren Präsidenten Tim Winter macht, ist Beschwerdebriefe schreiben. Die dann allerdings durch alle Klassen des TV-Business durchgereicht werden. Das letzte bekannte Beispiel der weitreichenden PTC-Aktionen waren die Proteste gegen MTVs «Skins» Anfang des Jahres, welche mehrere Werbekunden veranlasste die Beziehung mit MTV in Sachen «Skins» zu beenden. Zur Zeit ist der PTC redlich bemüht, NBC und seine Lokalsender auszubooten, bevor am Montag «The Playboy Club» seine Premiere findet. Sex in der Primetime, wenn Kinder zusehen können – das findet Winter einfach unerhört. Wenn der geneigte TV-Kenner bei den neuen Beschwerdebriefen (wie diesem hier) jedoch ein Déjà-vu hat, kommt es dadurch, dass es dieselbe Aktion vor drei Jahren schon einmal gab.

«Swingtown» war eine kurzlebige Serie, die zuerst für HBO entwickelt wurde, dann zu Showtime gewandert, und letztendlich im Sommerprogramm von CBS gelandet ist. Das Periodendrama spielte in den 1970er Jahren und begleitete drei verschiedene Ehepaare, sowie ihre Kinder, in einer Welt nach der sexuellen Revolution und sozialen Befreiung Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre. Schlüsselpartys, das Swingerleben und offene Ehen sind genauso Bestandteile des Vorstadtlebens in Chicago, wie das Erwachsenwerden der Kinder unter dem Einfluss von Sex, Drogen und erster Liebe. HBO lehnte das Projekt ab, da es mit «Big Love» eine ähnliche Serie im Programm gab, und mit «Tell Me You Love Me» eine weitere Serie mit dem Thema Sex schon bestellt wurde. Bevor Showtime sich jedoch das Projekt genauer ansehen konnte, kam CBS-Unterhaltungspräsidentin Nina Tassler um die Ecke gerannt und bestellte 13 Episoden für das Network, welches zusammen mit den ebenfalls bestellten «Viva Laughlin», «Moonlight» und die Realityshow «Kid Nation» seine kreativen Grenzen verschieben wollte. «Swingtown» wurde für die Midseason eingeplant, doch bevor die Produktion der ersten Staffel so richtig ins Rollen kam, brachte der Autorenstreik einen abrupten Stopp der Dreharbeiten.

Auch auf Grund der sensiblen Thematik der Serie und der ersten aufkommenden Beschwerden seitens der PTC hat CBS sich entschieden, «Swingtown» nicht wie geplant in der Midseason auszustrahlen, sondern bis zum Sommer zu warten. Die Pilotfolge wurde schlussendlich am 5. Juni 2008 ausgestrahlt, die Reichweite betrug rund 8,6 Millionen Zuschauer, während der Marktanteil in der Zielgruppe bei acht Prozent lag – gar nicht mal so schlecht für eine experimentelle Sommerserie, die vor der Premiere schon einiges an scharfen Kritiken bekam. Die Quoten der Premiere sollten jedoch der einzige Lichtblick im CBS-Sommer sein: Neben abspringenden Werbekunden gab es auch abspringende Zuschauer, und nach drei Wochen fand «Swingtown» sich als Sommerflop wieder. Rund drei Millionen Zuschauer kehrten nicht mehr zur Serie zurück, und CBS hatte mit dem Problem zu kämpfen, dass einige der Werbekunden nach anfänglichen Zweifeln über die Serie sich entschieden haben, keine Sendezeit zu kaufen. Zu verdanken ist dieser Umstand auch Tim Winter, der in einer Mitteilung die Lokalstationen drängte, «Swingtown» nicht auszustrahlen. In seinen Augen untergräbt die Serie die Institutionen der Ehe und der Familie. „«Swingtown» ist eines der sexuell zügellosesten Programme, welches wir im Broadcastfernsehen seit einer langen Zeit gesehen haben, ist aber ebenbürtig mit der Richtung, welche CBS für wertlose und gewalttätige Programme einschlägt“, schrieb Winter im Juni 2008.

Das Problem der Anstößigkeit am Donnerstagabend löste sich bald jedoch von selbst in Luft auf, nachdem die Zuschauer reihenweise abschalteten. Aus dem mutigen Programm, welches nicht mutig genug war, um anzuecken, wurde schnell ein Flop, der mit simplen Problemen von Kreativität zu kämpfen hatte: «Swingtown» war als Dramaserie kein Highlight im Sommerprogramm, und schaffte es nicht einmal, die Charaktere den Zuschauern näher zu bringen. Dass die Serie mitten in der Woche um 21 Uhr ausgestrahlt wurde, war dann auch noch ein Fehler innerhalb der Programmplanung. Auch eine Verlegung auf den Freitag verbesserte die Umstände nicht. Im Gegenteil: Anfang September endete «Swingtown» mit nur 3,6 Millionen Zeugen vor den (Flach-)Bildschirmen. Für einige der Fans, und selbst CBS, war die Hoffnung einer Verlängerung jedoch noch nicht aufgegeben. Trotz der Leichtherzigkeit, in welcher die Autoren ihre Geschichten erzählten, war das Projekt für die Produzenten immer noch gut genug, um herauszufinden, ob ein Kabelsender «Swingtown» für eine zweite Staffel übernehmen würde.

Die letzten Hoffnungen schwanden jedoch mit der Zeit, nachdem kein Käufer gefunden werden konnte, und im Januar 2009 war die Absetzung nach 13 Episoden endgültig. «Swingtown» gilt damit als jüngstes Beispiel, dass Periodendramen im Broadcastfernsehen nicht ankommen, während zur gleichen Zeit «Mad Men» im Kabelfernsehen erste Erfolge feierte. Für die kommenden Periodendramen «The Playboy Club» auf NBC und «Pan Am» auf ABC wird es dagegen interessant. Im Gegensatz zu «Swingtown» haben sie den richtigen Sendeplatz erwischt, und sie starten inmitten der Erfolgswelle von «Mad Men»-Kopien. Ob das amerikanische Fernsehpublikum Geschmack am Genre gefunden hat, wird sich am Dienstag zeigen, wenn Nielsen die ersten Quoten der neuen TV-Saison veröffentlicht. Und es wird sich zeigen, ob die interne Mission der PTC, jegliche Serien, welche Sex beinhalten, durch Internetkampagnen „anzuschwärzen“, wieder einmal funktioniert hat.

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