You Are Cancelled

«My Own Worst Enemy»

von
Christian Slaters TV-Fluch: Seine NBC-Serie enttäuschte im Jahr 2008.

Christian Slaters kurzzeitiger TV-Fluch scheint beendet. Mit der spekulierten, aber doch unverhofften Verlängerung der FOX-Comedy «Breaking In» braucht der «Star Trek»-Fan und ehemalige Hollywood-Rüpel sich nicht zu der Gruppe von TV-Darstellern hinzugesellen, die mit einer Reihe von schnell abgesetzten Serien ihr Pech hatten. Während Kyle Bornheimer nach drei abgesetzten Comedyserien in drei TV-Jahren immer noch auf seinen Durchbruch im Fernsehen wartet, darf Slater über die Verlängerung seiner aktuellen Serie glücklich sein, oder seine Zukunft im Fernsehen hätte auch für ihn nicht unbedingt rosig ausgesehen. Der zwei Jahre andauernde Fluch begann mit der Action-Agentenserie «My Own Worst Enemy», welche den Montagabend von NBC aufpeppen sollte, und in den Augen vom damaligen NBC-Unterhaltungschef Ben Silverman Teil seines ultimativen Plans war, den Sender wieder an die Spitze der Nielsen-Ratings zu führen. Im Frühjahr 2008 kündigte er nämlich an, einen 52-Wochen-Sendeplan durchbringen zu wollen, welcher in den einzelnen Primetimestunden (20, 21 und 22 Uhr) themenbezogen sein sollte.

«My Own Worst Enemy» gehörte demnach zur „adult themed“ Stunde und erzählte die Geschichten des Spezialagenten Edward Albright, verkörpert von Slater, der unter ungeklärten Umständen an einem Geheimprojekt beteiligt ist, welches eine zweite Identität in seinem Gehirn kreiert. Während Edward in den Nachtstunden ein äußerst aktiver Geheimagent ist, der 13 Sprachen sprechen, eine Meile in vier Minuten rennen kann, und aufs Töten trainiert ist, ist seine zweite Persönlichkeit der Familienvater Henry Spivey, der mit Frau und zwei Kindern in einem schicken Haus und mit einem schicken Auto in einer schicken Vorstadt lebt. Beide Identitäten im Körper derselben Person sind durch einen Chip in seinem Gehirn getrennt, welcher die jeweils ruhende Persönlichkeit in einen Schlafmodus versetzt. Als der Chip jedoch eine Fehlfunktion hat, gibt es keine Kontrolle mehr darüber, wann die jeweils andere Persönlichkeit erwacht. So kann es sein, dass Henry sich plötzlich in einer tödlichen Mission befindet und nicht weiß, was er tun soll, während Edward unverhofft mit dem Familienleben Henrys zu tun hat.

Die von Jason Smilovich entwickelte Serie war die James-Bond-Version des «Jekyll & Hyde»-Themas und sollte Christian Slater eine anspruchsvolle Rolle im Fernsehen geben. Die Pilotfolge, welche am 13. Oktober 2008 ausgestrahlt wurde, bekam positive Kritiken, jedoch waren viele Kritiker sich nicht sicher, ob «My Own Worst Enemy» mit seinem komplexen Grundaufbau und seinem Agenten/Familiendrama-Mischmasch die Qualität des Piloten halten kann. Und sie behielten recht. Die Zuschauer konsultierten offenbar eine Kristallkugel und gaben dem Slater-Drama von Anfang an erst gar keine Chance. Rund 7,3 Millionen Zuschauer schalteten zur Premiere ein, in der Zielgruppe bedeutete dies nur acht Prozent. Für eine viel beworbene Serie, in der auch Autohersteller General Motors seine Finger in Sachen Product Placement im Spiel hatte, war die Serienpremiere für NBC mehr als nur eine Enttäuschung. Diese sollte in der zweiten Woche anhalten, als 22 Prozent der Premierenzuschauer der Serie den Rücken kehrten und die Absetzung von «My Own Worst Enemy» praktisch besiegelt war.

Es dauerte auch nicht lange, bis NBC die Produktion der Serie stoppte. Am 12. November – nach vier ausgestrahlten Episoden – setzte der Pfauensender die Serie zusammen mit «Lipstick Jungle» ab, gab den wenigen Fans (und Sponsor GM) jedoch die Möglichkeit, alle produzierten Folgen (neun an der Zahl) zu sehen. Ben Silvermans großer Plan, den Feuerwehrmann für NBC zu spielen, ging gründlich in die Hose - und er verabschiedete sich wieder von seinem 52-Wochen-Programm. Die letzte Folge der Serie flimmerte kurz vor den Weihnachtsferien über die Bildschirme, war danach allerdings nicht so schnell vergessen, wie es manch einer gehofft hatte. Obwohl Slaters erste Hauptrolle in der TV-Welt frühzeitig beendet wurde, war «My Own Worst Enemy» keine unbedingt schlechte Serie. Das Thema der Thrillerserie gilt selbst heute noch als originell und ansprechend, wurde vor drei Jahren jedoch von den Autoren nicht zu Genüge behandelt. In den neun Folgen gab es keine Erklärung, warum der Hauptcharakter zwei Persönlichkeiten besitzt, und warum der beschädigte Chip chirurgisch einfach nicht entfernt werden konnte. Den Autoren wurde bescheinigt, auf den allgemeinen Plot der Serie kaum Bezug genommen zu haben, stattdessen nur Agentengeschichten und Actionszenen zeigen wollten.

Nach der Absetzung von «My Own Worst Enemy» waren die Darsteller um Slater, sowie er selbst, schnell mit anderen Projekten beschäftigt. Während Slater eine andere TV-Hauptrolle in der Bruckheimer-Produktion «The Forgotten» fand, kam sein Seriensohn Taylor Lautner mit der «Twilight»-Kinoserie zu Ruhm, seine Serientochter Bella Thorne machte im Horrorfilm «Forget Me Not» auf sich aufmerksam, und seine Serienfrau Mädchen Amick setzte ihre Reise durch die TV-Serien mit Auftritten in «Damages» und «CSI: NY» fort. Für Serienerfinder Smilovich war die Serie jedoch sein vorerst letzter Auftritt als Autor und Produzent. Nachdem seine zwei vorherigen Serien «Karen Sisco» und «Kidnapped» ebenfalls nach nur einer halben Staffel floppten und abgesetzt wurden, hat er sich nach der Enttäuschung von «My Own Worst Enemy» zur Ruhe gesetzt. Hier sieht man, dass auch Autoren und Produzenten mit dem Absetzungsfluch zu kämpfen haben. Und in der Regel schneller aufgeben als die Schauspieler – ein Fluch, der in Autorenkreisen weitaus häufiger seine Opfer fordert, als es den Anschein hat.

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