Hintergrund

Larry King: Die Frage nach dem Warum

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Diese Frage allein beschreibt, was Larry King zu einem der besten Interviewer weltweit machte. Am 23. Januar musste er sich seiner, nach eigener Aussage, einzigen Angst geschlagen geben – dem Sterben.

Larry King war zwischen 1985 und 2010 für 25 Jahre lang jeden Abend bei CNN zu sehen und über die Jahre fand nahezu jeder Gast einmal bei ihm Platz, egal, ob Filmstar, Sängerin, Präsident oder Sportler. Er war dabei in seiner Arbeit und vor allem in seiner Art Interviews durchzuführen und Fragen zu stellen keineswegs unumstritten. Oft sagten ihm Kollegen nach, er sei emotionslos, seine Fragen nicht hart genug, unvorbereitet. Doch genau das wollte Larry King sein, unvorbereitet, auf dem Stand der Zuschauer sein, er wollte ein Gespräch präsentieren, dass sich so zwischen seinem Gast und einer X-beliebigen Person abgespielt hätte.

Nicht zu bestreiten ist, dass ihn seine Art Interviews anzugehen in einige nicht gerade glorreiche Situationen brachte. Jerry Seinfeld war zu Gast bei «Larry King Live» zu einer Zeit, in welcher die Show Seinfeld wohl erfolgreicher war als jede andere. Dieser Umstand ging an King wohl vorbei und unverblümt fragte er nach, ob denn die Show überhaupt noch laufe. Ob man ihn nun mochte oder nicht, seinen süffisanten Fragestil guthieß oder nicht, überzeugt war von fehlender Tiefe in den Interviews oder nicht – Larry King hatte Erfolg mit dem was und wie er es tat. CNN-Gründer Ted Turner bezeichnete das Engagement von King als größte Leistung seiner Karriere neben dem Gründen von CNN an sich.

Sein Stil basierte stets auf den rudimentärsten Journalisten-Regeln, welche es für ein Interview gibt: Wer, was, wo, wann und vor allem Warum. Dabei versetzte er sich in die Position des Zuschauers, welcher über mögliche Fragen keinerlei Vorwissen besaß und äußerte dies auch während seiner Schaffenszeit gekonnt zielgerichtet zugespitzt: „Mein Geheimnis ist, dass ich dumm bin“. Ein Auswahl zu treffen, welche seiner unzähligen Interviews die bedeutendsten waren ist sicherlich schwierig und wird an verschiedensten Stellen auf Zustimmung und Wiederworte treffen. Versuchen wollte es dieser Text jedoch trotzdem.

Nr. 1: President Bill Clinton


Zweifelsohne gehört in diese Liste das Interview mit dem damaligen US-Präsidenten Bill Clinton. Zwar interviewte King mehrere Präsidenten, jedoch blieb ihm Bill Clinton stets im Gedächtnis. 2015 sagte der Interviewer während des Newseum Events warum er ihm Nachgang noch so viel von Bill Clinton und dem Interview mit ihm hielt: „Only because of how articulate he was and how knowledgeable he was about the world“. Sinngemäß übersetzt spricht King also davon, wie gut sich Clinton artikulieren konnte und sich im Allgemeinen mit der Welt auskannte. Dies erscheint wie etwas, was man von einem US-Präsidenten auch erwarten könnte, für Larry King erschien dies jedoch als besonders. Vielleicht erschien ihm selbst die Brisanz um die Person Bill Clinton im Nachhinein als noch interessanter, da er ebenfalls Monika Lewinsky interviewte.



Nr. 2: Marlon Brando


Bei diesem Interview kommen wir bereits an eines seiner umstrittensten Interviews. Wie schon das Clinton-Interview konnten sich die Zuschauer von Larry King Live über die Fragerunde im Jahre 1994 freuen, jedoch ergab sich entgegen dem ersten Interview einiges an Absurdem. Nicht nur, dass das Interview bei Marlon Brando zuhause stattfand, der „Pate“ Brando beendete das Interview mit einem Kuss. Ja, einem Kuss zwischen Marlon Brando und Larry King. Ob der obskuren Teile des Interviews entsprechend oder nicht, zur Zeit der Ausstrahlung bezeichnete die Entertainment Weekly das Interview schlichtweg als nicht gut, es sei eher ein im Fernsehen übertragenes Treffen gewesen.



Nr. 3: The Beatles


Mit dem Interview der Beatles im Jahre 2007 kommen wir an einer Stelle an, welche Larry King oft vorgeworfen wurde. Er würde nicht kritisch hinterfragen oder gar pikante Nachforschungen bemühen, sondern seinen Gästen lediglich eine Bühne bieten ihren Film, ihr neues Buch oder wie im Falle der Beatles ihr neues Album zu promoten. Zum Verhängnis wurde King in diesem Interview mit McCartney, Starr und Co. jedoch, dass er sich, wie sonst auch, kaum bis gar nicht vorbereitete. Zu Folgen hatte die fehlende Vorbereitung, dass er kurzerhand Ringo Starr zu George Starr machte, wobei der George der Beatles doch George Harrison war. Doch auch darauf reagierte er in der Folge gewohnt trocken mit den Worten: „Damals hatten eben alle diesen langen Haare!“



Nr. 4: Jerry Seinfeld


Ja dieses Interview findet sich bereits im Einleitungstext wieder und es darf bei den wohl denkwürdigsten Interviews von Larry King auch schlicht nicht fehlen. Die Story ist schnell erzählt, denn King schien schlicht nicht zu wissen wer da vor ihm saß, beziehungsweise welchen Erfolg die Show Seinfeld zu dem Zeitpunkt hatte. Obwohl Seinfeld zu der Zeit die wohl am besten laufende TV-Show gewesen war, fragte King, ob die Show nicht bereits abgesetzt wurde. Betroffener Jerry Seinfeld reagierte jedoch eher weniger erfreut: „Larry. Do you know who I am?“




Nr. 5: Lady Gaga


Mit diesem Interview springen wir bereits zum Ende rund um Larry King Live und dem Jahr 2010. Dieses Interview zeichnete sich als Besonders aus, da vor allem Lady Gaga hierzu ihren Teil beitrug. Als wohl bekennender Fan des Show-Masters kam Gaga im King-Outfit zum Interview und es wurde über alles gesprochen von Lady Gagas Leben, ihren Fans bis hin zur Unterstützung der LGBTQ-Szene.




Sicherlich kann von Larry King gehalten werden, was auch immer man möchte. Sein Stil gefiel nicht allen und manche empfanden ihn als zu locker und fast schon arrogant. Jedoch prägte er über 25 Jahre die TV-Landschaft mit seinen Interviews und formte das Late-Night-Show-Format merklich. Auch wenn er sich in den letzten Jahren zumeist aus dem öffentlich Leben zurückhielt, hatte er einen festen Platz bei den ganz Großen der TV-Geschichte rund um CNN und andere große Network-Sender.

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