Hingeschaut

«Wer sieht das denn?!»: Allzu viele dürften es nicht werden

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In einer neuen Show-Quiz-Show mit Ruth Moschner bei ProSieben geht es für Promis darum, ganz genau hinzuschauen, um Fragen zu bestimmten Situationen zu beantworten. Das klingt in der Theorie zwar spannend, ist in der Praxis aber leider ziemlich öde…

Kennen Sie das Video mit dem kickboxenden Gorilla, der einem beim ersten Mal gar nicht auffällt? Der kurze Clip ist eine gute Veranschaulichung für das Konzept der „begrenzten Rationalität“, das in der Verhaltensökonomik tief verankert ist. Es besagt unter anderem, dass Menschen in ihren Informationsverarbeitungskapazitäten eingeschränkt sind und deshalb nicht alles in ihrer Umwelt wahrnehmen können. Ein eindrucksvolles Beispiel hierfür lieferten Psychologen mit einer wissenschaftlichen Studie bereits vor einigen Jahren. Bei ihr wurden Probanden darum gebeten, sechs Basketballspieler in einem Video zu beobachten und ihre gespielten Pässe zu zählen. Beschäftigt mit ihrer Zählaufgabe entging es den Versuchspersonen, dass durch das Video auf einmal ein Schauspieler im Gorilla-Kostüm hüpfte.

Besser als in dem Experiment kann man das Phänomen der sogenannten Unaufmerksamkeitsblindheit eigentlich kaum veranschaulichen - es sei denn, man schaltetet in den kommenden Wochen am Dienstagabend ProSieben ein. Der Privatsender zeigt dort eine neue Show mit dem Titel «Wer sieht das denn?!», die von Ruth Moschner moderiert wird. In dem Neustart geht es für Promis und die TV-Zuschauer darum, bestimmte Situationen aufmerksam zu beobachten, um im Anschluss Fragen über diese beantworten zu können. Für jede richtig beantwortete Frage vergibt ProSieben 250 Euro, im Finale kann das Siegerteam seinen vorläufigen Endstand noch einmal vervierfachen. Kurzum: Zusehen, aufpassen, mitraten - so ließe sich das Konzept der Sendung, die ProSieben als Show-Quiz-Show bezeichnet und die sich an dem kanadischen Format «Watch!» orientiert, in drei Worten zusammenfassen.



Wer das Gorilla-Video kennt, der weiß, wie spannend es sein kann, sich selbst kleinen Aufmerksamkeitstests zu unterziehen. Das Problem ist nur, dass das psychologische Experiment 75 Sekunden dauert, während «Wer sieht das denn?!» bei ProSieben mit Werbung auf mehr als zwei Stunden gestreckt wird. Und das führt leider dazu, dass sich das von Talpa Germany produzierte Format nach einer gewissen Zeit ganz schön zieht.

Den Akteuren vor der Kamera ist dabei kein echter Vorwurf zu machen, sie leisten in der verhältnismäßig prominent besetzten Auftaktfolge „business as usual“. In den Zweierteams treten Axel Stein und Til Schweiger gemeinsam gegen Mario Basler und Olivia Jones an. Jones, selbsternannte Bürgermeisterin von St. Pauli, fällt mit bekanntem Humor auf, während Basler ein weiteres Mal seine Alles-Egal-Haltung erklären darf. „Trotz Fußball habe ich mein Leben genießen können“, sagt er. So weit, so erwartbar.

Als Act dürfen in der Auftaktfolge gleich zweimal die Ehrlich Brothers ran, die mit ihren Zaubereinlagen gut zu unterhalten wissen. Gleiches gilt für die übrigen Künstler, die in der Sendung etwas vorführen. Von Turnern bis hin zu Tänzern: Sie alle können das Publikum mit ihren Einlagen entertainen. Und auch Ruth Moschner, die die Sendung moderiert, tritt insgesamt sehr souverän in Erscheinung. Handwerklich ließe sich noch am ehesten kritisieren, dass die Sendung hier und da etwas ruppig zusammengeschnitten ist.

Doch das wäre noch verzeihlich, würde das Format über weite Strecken nicht einfach nur vor sich hinplätschern. Zäh wird es in der Regel nämlich immer nach den kurzen Acts, wenn es für die Promis darum geht, Fragen zu den Auftritten zu beantworten. Die sehen dann aus wie folgt: Welche Farbe hatte der Rock der Tänzerin? Wie viele Koffer waren auf der Bühne? Und: In welcher Hand trug die Turnerin die Fackel? Solche kleinen Aufmerksamkeitsfragen, die in der ersten halben Stunde noch Spaß machen, nutzen sich leider ziemlich schnell ab. Über zehn Spielrunden tragen sie definitiv nicht.

An diesem Grundproblem ändert leider auch das dritte Spiele nicht viel, in dem sich die Promis in witzigen Kostümen gegenseitig pantomimisch Begriffe erklären müssen - wenngleich dieses zweifelsfrei zu den unterhaltsameren in der Auftaktfolge zählt. Dass die Sendung wegen der Corona-Pandemie ohne Publikum produziert werden musste, dürfte für die Dynamik der Show ebenfalls nicht unbedingt förderlich gewesen sein. Nach einem flotten Einstieg verpufft die Euphorie über den Show-Neustart jedenfalls schnell.

So bleibt am Ende eines gut zweistündigen Show-Abends bei ProSieben vor allem der Eindruck hängen, dass «Wer sieht das denn?!» zwar mit einem sympathischen und simplen Konzept daherkommt, das aber leider nicht über einen ganzen Abend hinweg trägt. Wahrscheinlich wäre es «Wer sieht das denn?!» als Einstünder am späten Abend sehr viel besser ergangen. Als Lead-Out einer großen und beliebten ProSieben-Show wäre die Sendung wohl besser aufgehoben gewesen. Stattdessen möchte ProSieben auch in den kommenden Wochen immer dienstagabends zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr fragen: «Wer sieht das denn?!». Die Gefahr ist groß, dass es nicht allzu viele sein werden.

«Wer sieht das denn?!» läuft ab sofort dienstags um 20.15 Uhr bei ProSieben.
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Es war in Ordnung, aber noch einmal muss ich es nicht sehen.
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Mir hat das Format in dieser Form nicht gefallen.
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Ich habe die Sendung (noch) nicht gesehen.
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