First Look

«Penny Dreadful: City of Angels»: Es war einmal ein dämonisch verführtes LA …

von   |  2 Kommentare

Das «Penny Dreadful»-Spin-off erzählt von einem Pulverfass, das von Natalie Dormer zur Explosion gebracht wird.

Die Produktionsfirmen hinter der Serie

  • Desert Wolf Productions
  • Neal Street Productions
Etwa vier Jahre sind vergangen, seit die im viktorianischen London spielende Horrorserie «Penny Dreadful» ein für viele Serienfans abruptes Ende genommen hat. Nun nimmt Serienschöpfer und «Gladiator»-, «Aviator»- sowie «Hugo Cabret»-Autor John Logan das Etikett «Penny Dreadful» und klebt es auf eine neue Serie: «Penny Dreadful: City of Angels» spielt an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit und dreht sich um andere Figuren – darüber hinaus hat die Serie eine erzählerische Grundhaltung, die sich vom Original abhebt. Kurzum: Wer eine Fortführung von «Penny Dreadful» in irgendeiner offensichtlichen Art erwartet, dürfte enttäuscht werden. Dennoch darf man «Penny Dreadful: City of Angels» nicht einfach so abtun, denn nach den manischen, blutigen Schreckensgeschichten rund um Eva Green, Timothy Dalton und Billie Piper folgt mit diesem Format eine "pulpige" Los-Angeles-Fiktion mit Style und einer sehr fähigen Natalie Dormer.

Die zehnteilige erste Staffel von «Penny Dreadful: City of Angels» spielt im Jahr 1938 und zeigt, wie Sterbliche zu den Bauern im Schachspiel zwischen Santa Muerte (Lorenza Izzo) und der sich an Leid und Chaos ergötzenden Magda (Natalie Dormer) werden: Tiago Vega (Daniel Zovatto) ist der erste "Chicano", der als Detective beim LAPD anheuert – und sein erster Arbeitstag wird einfach mal um rund 24 Stunden vorgezogen. Denn im trockenen Flussbett der Stadt wurden vier verstümmelte Leichen gefunden – und am Tatort steht die spanische Phrase "Te Llevas Nuestro Corazon Tomamos El Tuyo" geschrieben. Tiagos Partner Lewis Michener (Nathan Lane) glaubt, dass dies mit der Errichtung des Arroyo Seco Parkway zu tun haben könnte, einer Schnellstraße, für die viele Siedlungen weichen sollen, in denen Immigrantenfamilien leben.

Ob dem so ist, muss sich nach und nach zeigen, doch an anderer Stelle in Los Angeles sorgen diese Baupläne tatsächlich für großen Tumult: Bei einer Bürgerversammlung äußern zahlreiche Familien, die drohen, ihr kleines Heim zu verlieren, Unmut über die geplante Schnellstraße, aber der machthungrige und ignorante Stadtrat Charlton Townsend (Michael Gladis) nimmt deren Stimmen nicht ernst. Und dann wiegeln auch noch Nazi-Deutsche (Thomas Kretschmann als Richard Goss) und faschistische Auswanderer (Rory Kinnear als Kinderarzt Peter Craft) weiter die Stimmung in der Stadt auf.

Weitere Handlungsstränge drehen sich um Tiagos Brüder Raul (Adam Rodriguez) und Mateo (Johnathan Nieves) sowie um (scheinheilige) einflussreiche Radio-Predigten, hinter denen Schwester Molly (Kerry Bishé) und Adelaide (Amy Madigan) stecken – und sehr oft ist es die immer wieder ihre Gestalt wandelnde Magda, die dafür sorgt, dass es bei den unvermeidlichen Reibungen zwischen diesen Fronten zu einer Explosion kommt …

Das Original-«Penny Dreadful» nimmt die Konventionen reißerischer Horror-Groschenromane und verwebt sie zu einer komplexen, dramatischen und makaber-sinnlichen Geschichte – die noch immer mit viel Blut aufwartet. «Penny Dreadful: City of Angels» hingegen nimmt die wahren, politischen Konflikte im Los Angeles während des Zweiten Weltkrieges und macht aus ihnen ein ästhetisches, leichtfüßig erzähltes übernatürliches Folklore-Drama. Es war einmal, das sonnendurchflutete, todschick gekleidete Los Angeles, in dem sich Politiker dem Einfluss von Nazis öffneten und Polizisten einen rassistischen Krieg gegen ärmere Schichten angezettelt haben, weil ihnen eine verschmitzt grinsende Dämonin das so eingetrichtert hat …

Gerade, wenn man «Penny Dreadful: City of Angels» neben die kürzlich veröffentlichte, bloß wenige Jahre später spielende Netflix-Serie «Hollywood» von Ryan Murphy stellt, die reale Geschichte filmverträumt revidiert, wird deutlich, wie verwirrend die Politik hinter «Penny Dreadful: City of Angels» ist: Einerseits nimmt das Showtime-Drama die intensive mexikanisch-amerikanische Folklore und setzt sich feingliedriger mit ihr auseinander als in US-Serien üblich. Andererseits werden sie sowohl das Judentum in «Penny Dreadful: City of Angels» auf fast schon agnostische Weise zu saloppen Aberglauben degradiert, deren kultureller Anhang sich leicht wegwischen lässt. Einerseits ist «Penny Dreadful: City of Angels» eine weitere Serie in einer zeitgenössischen, kleinen Riege an Formaten, die "die gute, alte, unschuldige Zeit" nehmen und den nostalgisch-verklärenden Glanz wegschrubben. Oh, die simplen, späten 1930er-Jahre, als es nur einen Feind auf der Welt gab, nämlich die Achsenmächte? «Penny Dreadful: City of Angels» sagt: Nein, so einfach war das nicht. Andererseits nimmt John Logan in dieser Serie einen realen, verzahnten, tragischen Wendepunkt in der Geschichte der Stadt der Engel – und macht daraus eine fesch erzählte Schauermär.

Das ist alles in allem relativ kopflos, so dass «Penny Dreadful: City of Angels» auf thematischer Ebene nicht genug mitbringt, um zehn Folgen zu tragen. Gleichwohl strukturiert John Logan seine Story zu zugänglich und erzählt sie so reibungslos vorantreibend, dass nur selten Leerlauf aufkommt: Von diesem Flickenteppich an Konfliktschauplätzen und den überzeichneten, nicht aber monotonen Figuren geht eine große Anziehungskraft aus, dass nach jeder Episode der Gedanke dominiert, sofort die nächste sehen zu wollen.

Das liegt einerseits an der Regieführung von Paco Cabezas («American Gods»), Sergio Mimica-Gezzan («Battlestar Galactica») und Co., die altmodische Eleganz, subtile Bedrohung und sonniges L.A.-Flair behände vereinen, andererseits daran, dass jede Folge mindestens einen denkwürdigen Highlight-Moment aufweist, der sowohl den Plot vorantreibt als auch eine der tonalen Fasern des Formats unterstreicht. Das ist mal eine aufwändig gefilmte, dramatische Schießerei, mal eine von Natalie Dormer angetriebene, pikante, illegale Tanzfeier – bei «Penny Dreadful: City of Angels» weiß man nie so genau, womit die gerade begonnene Episode eskalieren wird.

Darstellerisch ist «Penny Dreadful: City of Angels» nicht weiter auffällig, der Cast macht seine Sache solide, ohne sich wirklich hervorzutun – mit einer die Serie dominierenden Ausnahme: Natalie Dormer glüht geradezu als Unruhe stiftende Formwandlerin, die ihre hetzerischen Monologe und ihre subtil-intriganten Dialoge fast immer mit einem beiläufigen, selbstgenüsslichen Schmunzeln kommentiert. Dormers Akzente mögen zuweilen aufgesetzt sein, doch selbst das lenkt nicht davon ab, wie teuflisch-gerissen Dormers Magda aus reiner Freude am Elend Leid verursacht. Und es macht Spaß, sich das anzuschauen!

«Penny Dreadful: City of Angels» ist ab dem 8. Juni 2020 immer montags ab zirka 21.20 Uhr auf Sky Atlantic HD zu sehen.

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Es gibt 2 Kommentare zum Artikel
Kingsdale
07.06.2020 12:35 Uhr 1
Naja, mit der Mutterserie wurde ich nie so richtig warm. Habe sie auch nicht wirklich verstanden, was das alles sollte. Daher habe ich auch nicht das "abrupte" ende mitbekommen, weil ich bis dahin nicht durchgehalten habe. Als ich dann erfuhr, das es mit "City of Angels" einen Ableger geben sollte wurde ich dennoch Neugierig. Doch als ich dann kürzlich den Trailer gesehen habe, schwand mein Interessen gegen 0. Nichts was mich auch nun dazu bewegen wird, mir die Serie anzuschauen. Ich glaube, dass ich mit dieser Meinung nicht alleine dastehe, was ich bsiher so im Internet mitbekommen habe und deshalb glaube ich auch nicht an einen Erfolg und das es da mit einer zweiten Staffel weitergehen wird. Aber das ist nur meine Meinung.
Flapwazzle
09.06.2020 15:02 Uhr 2
Das Ende von Penny Dreadful ist ziemlich eindeutig. Die Serie ist allemal besser abgeschlossen als Game of Thrones. Es war und ist eine besten Fantasy-Serien und ich bin gespannt auf den Spin-Off...

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