Serientäter

«October Faction»: Wo Netflix von «Supernatural» lernen könnte

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Statt in sanfter Ironie endet der bemühte Horror-Neustart in der völligen Lächerlichkeit. Ausgerechnet eine Serie vom um kein Teen-Klischee verlegenen TheCW macht vor, wie es besser geht.

Cast & Crew

Produktion: High Park Entertainment, IDW Entertainment und Plastic Hallway Productions West
Schöpfer: Damian Kindler
basierend auf den Graphic Novels von Steve Niles und Damien Worm
Darsteller: Tamara Taylor, J. C. MacKenzie, Aurora Burghart, Gabriel Darku, Wendy Crewson, Stephen McHattie u.v.m.
Executive Producer: Damian Kindler, James Thorpe, Steve Niles, Thomas Walden, Eric Birnberg, George Strayton und Melissa Blake
Die Brüder Sam und Dean sind bei TheCW seit fast fünfzehn Jahren auf Dämonen- und Vampirjagd – eine Branche, in die sie wider Willen hineingeboren wurden. Zu Beginn der Serie hatte Sam dem Kampf gegen das Böse den Rücken gekehrt und sich mit Frau und Kind in ein ruhigeres Leben zurückgezogen. Da klopft der Bruder an und bittet um Hilfe. Ihr Vater sei „jagen“ gegangen und habe sich lange nicht gemeldet. Umstände, bei denen einem in diesem Metier mulmig wird. Notgedrungen geht Sam ihm bei der Suche ein wenig zur Hand. Doch erst, als er am Ende des Piloten im kuscheligen Haus seine totgefolterte Frau vorfindet, – in derselben mysteriösen Pose, in der auch seine Mutter einst dahingeschieden war – dringt der Ruf des Helden zu ihm durch.

Von diesem einfachen, aber starken emotionalen Hook angetrieben, reiten Dean und Sam nun seit weit über zehn Jahren durch Amerika, auf der Jagd nach Biestern aus der Unterwelt und der Suche nach Antworten, die immer wieder neue Fragen aufwerfen, vorbei an einem Monster der Woche nach dem anderen, zielstrebig in Richtung Serienfinale diesen Mai.

Nun ist Langlebigkeit bei weitem kein besonders relevantes Kriterium für erzählerische Raffinesse – ein Punkt, in dem «Supernatural» wohlgemerkt in vielerlei Hinsicht zu wünschen übrig lässt. Doch Netflix‘ Monsterjäger-Neustart «October Faction» schafft es mit erstaunlicher Zielgenauigkeit, all das falsch zu machen, was der TheCW-Konkurrenz seit Jahren mit erstaunlicher Konsistenz gelingt.

In «October Faction» macht statt zwei geschundenen Brüdern das alte Ehepaar Fred (J. C. MacKenzie) und Deloris (Tamara Taylor) Jagd auf Dämonen und Ghouls – und das schon seit Jahrzehnten. Ihre Teenager-Kinder – der Eine schwul, die Andere sozialphobisch – ahnen nichts vom Doppelleben ihrer Eltern. Derzeit hat ihr Geheimbund sie in Osaka stationiert, wo den immer etwas verloren dreinblickenden Fred die Nachricht vom Tod seines Vaters erreicht, der ihm in der Monsterjäger-Berufung vorangegangen war. Um der Beisetzung beizuwohnen, reist die Familie ins heimische Upstate New York, auch wenn Fred das Bedürfnis nach Trauer zu fehlen scheint. Das Verhältnis zum Vater war angespannt gewesen; hauptsächlich wegen des Jahrzehnte zurückliegenden Todes von Freds jüngerem Bruder. Als der Geheimbund ihn und seine Frau zügig nach Oslo weiterversetzen will, legt letztere endlich ein Veto ein. Das ständige Herumreisen zehrt an den Nerven der Familie, und nach fünfundzwanzig Jahren auf der Jagd hat man auch mal ein Recht, ausgelaugt zu sein. Und ohnehin: Auch im eigentlich beschaulichen New York gibt es für den Clan jede Menge zu tun.

Wo «Supernatural» damals direkt im Piloten eine starke emotionale Motivation für die Hauptfiguren entwarf und erste, visuell prägnante Motive für das übergreifende horizontale Mysterium etablierte, findet sich in «October Faction» nichts auch nur im Ansatz ähnlich Kohärentes. Der Antrieb für ein Leben in ständiger Gefahr und abseits jedweder erstrebenswerten Normalität bleibt bei einem diffusen Sammelsurium aus Tradition, zu fahrig angedeuteten Familientragödien und deplatzierten Gags, die dem Format einen gewieften Sinn für Ironie verleihen sollen, aber den Figuren leider jedwede narrative Aufrichtigkeit – und der Serie somit jede dramaturgische Fallhöhe – rauben. Fred und Deloris‘ Engagement als Monsterjäger wirkt mitunter ähnlich willkürlich, als könnten sie genauso gut Klempner oder Trockenbauer sein, während die Kommunikation mit ihren Vorgesetzten im Geheimbund ähnlich dramatisch geführt wird, als ginge es nicht zum brandgefährlichen Dämonenkloppen, sondern ein paar Wochen auf Montage nach Skandinavien. Im Ergebnis steht somit keine sanfte ironische Brechung, ebenso wenig wie ein charmantes Augenzwinkern oder gar eine clevere Dekonstruktion von Genre-Konventionen oder Mystery-Stereotypen, sondern leider nur: die völlige Lächerlichkeit.

«October Faction» ist bei Netflix verfügbar.

Kurz-URL: qmde.de/115380
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