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Interview

Produzentin Dagmar Rosenbauer: 'Ich plädiere für mehr Diversity, aber nicht nur in Bezug auf Männer und Frauen'

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Die Geschäftsführerin der Cinecentrum Berlin und Hamburg («SOKO Wismar») spricht mit uns nicht nur über die langlaufende ZDF-Vorabendserie und ihr kommendes Primetime-Special, sondern auch um Gleichberechtigung und die Arbeit des Verbandes Pro Quote Regie.

Zur Person: Dagmar Rosenbauer

Seit 2015 ist Rosenbauer Chefin der Cinecentrum: Die Firma stellt für das ZDF unter anderem «SOKO Wismar» her. Zuvor arbeitete sie schon über 13 Jahre in der Firma. Zwischen 1996 und 2002 war die Chefin der Multimedia Berlin, bis 1995 arbeitete sie für Regina Ziegler. Anfang der 90er war Rosenbauer beim WDR angestellt.
Ihre «SOKO Wismar» steuert auf Staffel 20 zu. Wie schwer ist es, die Serie nach so vielen Jahren frisch zu halten?
Nicht in den Produktionstrott zu fallen, ist bei langlaufenden Serien immer eine Herausforderung. Nicht das Gefühl zu entwickeln, dass man alles schon mal gemacht hat und deshalb das Interesse verliert. Die Zuschauer immer wieder zu gewinnen und neue Geschichten und Herangehensweisen zu finden.. Das kann auch über Umbesetzungen vor und hinter der Kamera klappen. Ein wesentlicher Punkt ist aber auch, dass das Produktionsteam nie den Spaß an seiner Arbeit verlieren sollte..

Spaß machen sicherlich auch die Arbeiten zur Zeit am vierten Primetime-Special?
Ich hoffe, dass es dem Team Spaß macht. Es ist aber auch eine Herausforderung. Wir drehen die Serie und das Special parallel. Es entstehen 30 Episoden pro Jahr. Das muss sehr genau geplant werden, damit wir das parallel schaffen. Hauptkommissar Reuter und Helene Sturbeck haben wir also nach Langeoog geschickt, sie sind da auf Kurzurlaub. Dafür werden sie in vier regulären «SOKO Wismar»-Folgen etwas kürzer treten..

Wie mutig darf man denn für einen so traditionellen Sendeplatz wie den um 18 Uhr im ZDF überhaupt produzieren?
Voraussetzung bei allen «SOKO»-Serien ist natürlich, dass klassische Who-Dunnit-Geschichten für den Vorabend erzählt werden. Es wird also nicht passieren, dass es mal um 18.45 Uhr keine Auflösung eines Falles gibt. Natürlich ist unsere Serie auch von der Stadt Wismar geprägt, eine schöne Stadt, aber eben keine Großstadt. Wir vermeiden großstädtische Themen wie organisierte Kriminalität oder Clans. Ansonsten lässt uns das ZDF und unser Redakteur Dirk Rademacher aber viele Freiheiten bei der Entwicklung der Geschichten. Unser gemeinsames Anliegen ist, nicht zu düster zu erzählen. Es soll durchaus auch Humor in den Geschichten vorkommen.

«SOKO Wismar» holt an die 20 Prozent Marktanteil. Reizt Sie da eine zweite Serie?
Wir haben schon andere Serien parallel zur SOKO Wismar produziert und entwickeln wie alle anderen Produktionsfirmen auch neue Formate. Eine zweite «SOKO»-Serie zu stemmen wäre allerdings eine sehr große Herausforderung. Das steht auf unserer Prioritätenliste nicht ganz oben.

Laut des 5. Diversitätsberichts des Bundesverbandes Regie hat Ihre Firma Cinecentrum im Jahr 2017 62,5 Prozent der Produktionen mit Regisseurinnen besetzt – ein Spitzenwert. Kann dies auch neue Impulse für die «SOKO» bringen?
Diese Zahl hat sich ja nicht nur aus der «SOKO», sondern aus allen fiktionalen Produktionen im untersuchten Zeitraum ergeben. In Bezug auf die «SOKO» unterscheiden sich die Regisseurinnen und Regisseure so, wie sich alle Menschen voneinander unterscheiden. Wenn wir sieben Blöcke von sieben Regisseurinnen und Regisseuren drehen lassen, dann haben wir auch sieben verschiedene Handschriften.

Es gibt ja aber durchaus Forderungen, mehr Regisseurinnen einzusetzen, die dann auch eigene Blickwinkel mit sich bringen.
Natürlich haben Frauen einen eigenen und anderen Blick auf die Dinge. Das gilt übrigens auch für Regisseurinnen und Regisseure, die unter 40 sind. Etwa solche, die gerade frisch aus der Ausbildung kommen oder bereits im Ausland gearbeitet haben.

Ich bin Befürworterin der Quote. Die Debatte, die „Pro Quote Regie“ angestoßen hat, trägt bereits erste Früchte. Sei es beim «Tatort», beim ZDF-Montagsfilm oder im Vorabend von ARD und ZDF – ich erkenne einen großen Wandel.
Dagmar Rosenbauer, Geschäfstführerin der Cinecentrum Berlin und Hamburg
Verstehen Sie, dass es die Forderung nach einer Art Frauenquote gibt?
Ich bin Befürworterin der Quote. Die Debatte, die „Pro Quote Regie“ angestoßen hat, trägt bereits erste Früchte. Sei es beim «Tatort», beim ZDF-Montagsfilm oder im Vorabend von ARD und ZDF – ich erkenne einen großen Wandel. Wir zum Beispiel geben bei der «SOKO Wismar» nicht nur Regisseurinnen, sondern auch ehemaligen Regieassistentinnen die Chance, selbst zu inszenieren. Ich kenne einige Kolleginnen, die danach dann auch für andere Serien wie beispielsweise «Die Spezialisten», «Die Kanzlei» oder auch bei 90minütern die Regie übernommen haben. Momentan sind die Möglichkeiten für Frauen sehr gut, viele Wege stehen offen.

Wie erklären Sie sich den Wandel?
Man musste erst das Bewusstsein schaffen, wie benachteiligt Regisseurinnen in den vergangenen Jahrzehnten waren. Ich nehme gerne das Bild von zwei Schlangen vor einem Eingang zu einer begehrten Veranstaltung – eine mit Männern, eine mit Frauen. Bei den Männern wird jeder zehnte Mann abgewiesen bei den Frauen darf nur jede zehnte überhaupt rein. Das ist nicht fair. Frauen haben in unserer Branche auch heute noch nicht die gleichen Chancen. Und darum geht es – die Chancengleichheit muss gewährleistet sein. Ich plädiere für mehr Diversity, aber nicht nur in Bezug auf Männer und Frauen, sondern auf unterschiedliche Generationen, soziale Schichten, und Herkunftsländer. Und noch etwas ist wichtig: wenn eine Frau mal nicht so überzeugende Leistungen gebracht hat (was bei Männern genauso passiert), nicht in den Automatismus zu verfallen und zu sagen: nie wieder eine Frau für den Job!

Danke für das Gespräch.

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