Die Kritiker

«Helen Dorn - Prager Botschaft»

von   |  2 Kommentare

Die neue Folge von «Helen Dorn» erzählt einen cleveren, interessanten Fall – mit einem Problem: Er muss unbedingt ein Krimi sein.

Cast & Crew

Vor der Kamera:
Anna Loos als Helen Dorn
Ernst Stötzner als Richard Dorn
Daniel Friedrich als Falk Mattheissen
Tristan Seith als KTU Weyer
Nora Waldstätten als Franka Späth
August Zirner als Paul Westerberg
Katharina Schlothauer als Xenia Genth

Hinter der Kamera:
Produktion: Wilma Film und Network Movie Film- und Fernsehproduktion GmbH & Co. KG
Drehbuch: Clemens Murath und Florian Oeller
Regie: Alexander Dierbach
Kamera: Ian Blumers
Produzentin: Jutta Lieck-Klenke
Helen Dorn (Anna Loos) wurde kürzlich angeschossen, als sie einen bewaffneten Irren im Alleingang zur Strecke bringen wollte. Beim Gespräch mit dem Polizeipsychologen wirkt sie trotz gegenteiliger Beteuerungen weiterhin ziemlich labil, weshalb sie in den Innendienst versetzt werden soll.

Da macht das BKA ein willkommenes Angebot: Kürzlich hat ein Fischer in Blut geschriebene Flaschenpost aus der Elbe gezogen; ein Hilfeschrei. Ihr neuer BKA-Kollege Felix Schwarz (Christoph Letkowski) bringt sofort den vor zwei Jahren in Tschechien verschwundenen Silicon-Valley-Investor Paul Westerberg (August Zirner) als dessen Verfasser ins Spiel. Die Experten der KTU geben seiner Hypothese Recht: Ein damals während des Prager Hochwassers in den Fluss geworfenes Fläschchen könnte gut heute unweit von Hamburg aus dem Fluss gefischt werden.

Also begeben sich Helen und Felix auf Exkursion in die Goldene Stadt und wühlen dort mit den tschechischen Kollegen in Paul Westerbergs Biographie herum: In den letzten Tagen der DDR über die berühmte Prager Botschaft in die Bundesrepublik geflohen und bald weiter in die USA gezogen, wo er in der New Economy Milliarden gemacht hat, wurde Westerberg ein Self-Made Man durch und durch, die üblichen zum Klischee gewordenen Charakterzüge inbegriffen: überheblich, übertrieben selbstsicher, anderen Menschen gegenüber geringschätzig und abweisend. Seine ehemalige Assistentin konnte ihn nicht leiden. Niemand konnte ihn leiden. Aber wer hasst ihn so sehr, dass er ihn jahrelang gefangen hält – noch dazu in einem finsteren heruntergekommenen Verließ, wie der Zuschauer bereits ab der ersten Szene weiß?

Der Schlüssel liegt freilich in der Rächung der jahrzehntealten Ur-Sünde dieses Mannes: Ähnlich wie Helen Dorn das Trauma einer beinahe tödlichen Verwundung und der Vergänglichkeit ihres Vaters überwinden muss, wird Paul Westerberg – buchstäblich – von den Dämonen seiner Vergangenheit festgehalten. Doch der neuen Folge von «Helen Dorn» gelingt es leider nicht, diesen Konflikt in die gebotene intellektuelle Schärfe zuzuspitzen, schlichtweg weil die konkrete Ausgestaltung dieser Dämonen zu lange im Vagen, Diffusen und Verborgenen bleiben muss, um die Krimi-Dramaturgie der salamitaktischen Enthüllungen zu bedienen.

„Prager Botschaft“ ist einer dieser Fernsehfilme, die mit Gewalt in ein Krimi-Korsett gepresst werden, obwohl ihre Geschichte aus einem anderen Blickwinkel einen viel interessanteren Zugang böte. Dabei wäre gerade «Helen Dorn» dazu prädestiniert, diese rigide Genre-Hörigkeit aufzubrechen: Hier ist die Hauptfigur – nicht zuletzt wegen Anna Loos‘ sanftmütigem Spiel – stark genug, um auch über längere Passagen beiseite zu treten und eine tiefergehende Betrachtung der Episodenrolle zu ermöglichen. Noch dazu ist der Plot dieser Folge so stark und fesselnd, dass das dramaturgische Krimi-Rückgrat unnötig wäre, um die Grundspannung konsequent aufrechtzuerhalten.

Hätte man sich gänzlich von der Geschichte leiten lassen und die kreativitätsbeschneidenden Genre- und Sendeplatzvorgaben ignoriert, wäre aus „Prager Botschaft“ ein faszinierendes Porträt über Schuld, Vergebung, Sühne und immerwährende Traumata geworden. So ist aus dieser vielversprechenden Grundlage leider nur ein etwas überambitionierter Krimi geworden, der seinen erzählerischen Ehrgeiz unnötig hinter allerhand grenzüberschreitender Ermittlungsarbeit verstecken muss.

Das ZDF zeigt «Helen Dorn – Prager Botschaft» am Samstag, den 1. Dezember um 20.15 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/105577
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Es gibt 2 Kommentare zum Artikel
Sentinel2003
30.11.2018 13:01 Uhr 1
Sorry, aber, "Helen Dorn" läuft im ZDF! :wink:
tommy.sträubchen
30.11.2018 16:42 Uhr 2
Sorry weiß jemand warum es letzte Woche und bis jetzt diese Woche auch nicht....kein aktuellen Podcast gibt? Lg

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