Hingeschaut

Gekürzt, versendet, abgesetzt? Wie die ARD ihre jungen Talente vergrätzt

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Mit «Die Fernseher» haben die Moderatoren Philipp Walulis, Jeannine Michaelsen und Pierre M. Krause eine mehr als ordentliche Sendung auf die Beine gestellt. Warum sie vermutlich trotzdem nicht weiter machen (dürfen).

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Philipp Walulis studierte nach seinem Abitur Theater- und Kommunikationswissenschaft sowie Psychologie an der LMU München. Vom Studentenradio m94.5 kam Walulis 2006 zum BR-Jugendradio on 3, 2008 wurde er dann Moderator bei «MyPokito» auf RTL II. Von 2011 bis 2012 war Walulis Reporter bei «DASDING.tv» vom SWR. Seit 2011 hat er mit «Walulis sieht fern» seine eigene Sendung, die zunächst auf Tele 5 ausgestrahlt wurde und mittlerweile bei EinsPlus gezeigt wird. Für das Format bekam er 2012 den Grimme-Preis in der Kategorie Unterhaltung.

Mehr: Das große Quotenmeter.de-Interview mit Philipp Walulis aus dem November 2014
Als Medienbeobachter durfte es einem schon seltsam vorkommen, was jüngst rund um das Format «Die Fernseher» geschah – wenn man es denn überhaupt mitbekam. Denn der Medienrummel um die von dibido.tv produzierte Sendung, die mit den drei jungen Talenten Philipp Walulis, Pierre M. Krause und Jeannine Michaelsen aufwartet, war nicht wirklich groß: Eine umfangreiche Ankündigung blieb aus, an Informationen war kaum zu kommen. Als Walulis dann kurz vor der Ausstrahlung in der von Krause moderierten «SWR 3 late night» zu Gast war, wurde ihre gemeinsame Sendung nicht einmal mit einem Wort erwähnt – da sage noch einer bei Late Nights ginge es nur um Promotion. Dennoch hätte sich jenes Thema gerade an dieser Stelle nicht nur angeboten, weil Krause und Walulis eben selbst Beteiligte im Format sind, sondern weil es im Talk – wie auch in der neuen Sendung – um ein und dasselbe Thema ging: Um Fernsehen. Für Kenner von Walulis ist das wenig überraschend, geht es bei ihm doch recht häufig (eigentlich sogar immer) um genau jene Flimmerkiste.

Das allerdings ist bei weitem nicht das pikanteste Detail zu «Die Fernseher»: Der für das Format zuständige SWR-Redakteur bestätigte auf Anfrage von Quotenmeter.de, dass der in der Nacht auf Freitag im Ersten leicht versteckt programmierte Pilot kürzer ausfällt, als es ursprünglich vorgesehen war. Begründet wird dies von Senderseite mit „rechtlichen Problemen“. Die nötigen Genehmigungen bei einem Einspieler habe man nicht erhalten. Auf die Frage, wie viel Sendezeit der Schere zum Opfer fiel, gibt es jedoch keine Antwort, ebenso wenig wird klar, welche Inhalte in der endgültigen Fassung fehlen. Besucher der Aufzeichnung berichten allerdings, dass diese circa 35 Minuten dauerte, die letztlich ausgestrahlte Sendung war nur noch etwa 25 Minuten lang.



Was die Werbung angeht, gab es am Tag vor Ausstrahlung zumindest noch einen inoffiziellen Trailer: Philipp Walulis teilte ihn auf seinen Profilen bei Facebook und Twitter sowie auf dem YouTube-Channel von «Walulis sieht fern». Der Sendungstitel wird in diesem Trailer nirgendwo genannt – wohl aber Sendezeit und Protagonisten, auch der Videotitel „Hauptprogrammhinweis“ ist dann doch recht eindeutig – im Gegensatz zum Inhalt des Trailers, der eher kryptisch bleibt. Von „geheimen Probesendungen“ ist dort die Rede, von der nun eine ausgestrahlt wird. Seltsam ist dieses Video auch, weil kein einziges Bild des Formats zu sehen ist. Und schlussendlich ist da noch ein Eintrag, den Pierre M. Krause am Tag der Ausstrahlung auf seiner privaten Facebook-Seite postete: „Heute im Ersten: Die Pilotfolge der Show, die abgesetzt wurde, bevor sie lief. Besser erklären kann das Herr Walulis. Verstehen muss man's aber nicht“, stand dort geschrieben. Ist die Absetzung also schon vor Ausstrahlung beschlossene Sache? Hat das Format jemandem innerhalb des Senderverbundes zu sehr weh getan? Offizielle Auskunft gab es dazu ebenfalls nicht.

Trotz der zumindest ungewöhnlichen Vorgänge kam es in der Nacht von Donnerstag auf Freitag ab 0.15 Uhr aber doch zur Ausstrahlung. Immerhin einen Slot im Rahmen der späten Comedy-Schiene des Ersten am Donnerstag hat man der Produktion also gegönnt, obgleich dieser nicht besonders prominent ist. Philipp Walulis sieht dennoch, dass die Verjüngungskur im Ersten partiell Fahrt aufnimmt: „So viele Experimente habe ich seit «Gottschalk live» im Hauptprogramm nicht mehr gesehen“, witzelt er gegenüber Quotenmeter.de. Und tatsächlich zeigt das Format eine Art Programm, die man im öffentlich-rechtlichen Hauptprogrammen nicht so oft sieht. Spielerisch leicht enttarnen die Akteure in ihrer Sendung Methoden der Fernsehmacher, stets jedoch mit einem Augenzwinkern. Gelegentlich fühlt man sich dabei an «Walulis sieht fern» erinnert, besonders während eines Einspielers, in dem es um Undercover-Reportagen geht.

Rhetorisch kann man dem Piloten ebenfalls wenig vorwerfen: Die Studio-Dialoge der drei Moderatoren sind fast durchweg auf den Punkt abgeliefert, die Pointen sitzen, die Texte sind stark geschrieben. Zugute kommt der Sendung dabei, dass die drei Moderatoren ihre jeweiligen Stärken ausspielen können: Die subtileren Witze liegen oft bei Philipp Walulis, Pierre M. Krause bringt die offensiveren Gags und Jeannine Michaelsen hat man die besonders pointierten Moderationen geschrieben. Hier zeigt die Dame im Bund, dass sie auch im humoristischen Fach auftrumpfen kann.

Dass der Zuschauer ein Format mit Liebe zum Detail vor sich hat, ist dabei nicht allzu schwer zu erkennen. Schon allein das Studio lässt keinen anderen Schluss zu: Zwischen den Zuschauern im Publikum (quasi auf einem normalen Sitzplatz) findet sich immer wieder auch ein Fernseher mit wechselnden Personen, die darauf abgebildet sind. Auf der Bühne selbst gibt es ebenfalls vieles mit Fernsehbezug, der Testbild-Teppich sei an dieser Stelle nur exemplarisch erwähnt.

Negativ wirkt sich hingegen der Fakt aus, dass die Aufzeichnung bereits im Oktober 2014 stattfand. An einer Stelle macht sich das besonders bemerkbar: Die Sendung enthält die Rubrik „News“, in der humoristisch-satirisch Nachrichten verarbeitet werden. Wirklich aktuell sind diese selbstverständlich nicht mehr. Das ist zwar nicht wirklich schmerzhaft, aber nimmt einigen Pointen doch etwas Kraft. So wird zum Beispiel die Verleihung des Deutschen Fernsehpreis für die Sendung «Team Wallraff» genannt.

Produktionen von dibido.tv (Auszüge)

  • «Was wäre Wenn?», RTL, mit Jan Böhmermann, Jan Köppen, Palina Rojinski und Katrin Bauerfeind
  • «In Deutschland um die Welt», EinsPlus, mit Pierre M. Krause
  • «Hammerzeit – die Selfmadeshow», RTL Nitro, mit Jan Köppen
  • Beitragsreihen in der «SWR 3 late night», EinsPlus, mit Pierre M. Krause
Einen Gaststar hat man für den Piloten zudem auch gewonnen: Der ehemalige Gameshow-Moderator Jörg Draeger stand für einen Einspielfilm vor der Kamera und gab sich dabei selbstironisch. Der angebliche Hausbesuch von Jeannine Michaelsen bei Draeger ist somit vielleicht das Highlight der Sendung. Hier bemerkt man regelrecht, dass die Beteiligten auch sich selbst nicht allzu ernst nehmen. Als die Episode kurz darauf ihr Ende findet, bedauert man das als Zuschauer umgehend. Vor allem auch aufgrund der temporeichen Erzählweise, kommen einem die 25 knapp bemessenen Minuten noch einmal deutlich kürzer vor.

Zu Buche steht also im Endeffekt ein mehr als ordentliches Format, das konzeptionell in die Tradition seiner Produktionsfirma passt (siehe Infobox). Der Humor bedient sicherlich eine recht spitze Zielgruppe, weiß aber damit äußerst gut zu unterhalten. Ein ganz kleines Stück weit fehlt es der Sendung an einer gewissen Schärfe – ob dies in der längeren Fassung genau so gewesen wäre, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Nicht nur die Tatsache, dass zwischen Produktion und Ausstrahlung einige Zeit vergangen ist, auch nicht der ominöse Facebook-Post allein, sondern schlicht und ergreifend die Summe der Begleitumstände lassen eine Fortsetzung des Formats aber ohnehin schon jetzt fast ausgeschlossen erscheinen. Die Erkenntnisse für die Protagonisten dürften alles in allem frustrierend sein. So erklärt Philipp Walulis im Gespräch mit Quotenmeter.de, dass man schon sehr wahnsinnig sein muss, um Fernsehen zu machen: „Fürs Hauptprogramm offenbar noch einen Tick mehr. Da weht ein ganz anderer Wind aus verschiedenen Richtungen und man muss aufpassen, dass es einem nicht unter die Dachpappe regnet.“

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