Die Kritiker

«The Defenders - Staatsanwälte küsst man nicht» (1x01)

von
Inhalt
Pete und Nick geben alles, wenn es darum geht für Recht und Ordnung einzustehen. Ihre Mandantenliste ist lang und dazu äußerst abwechslungsreich – doch egal wie klein der einzelne Fall auch sein mag, das Wohl seiner Schützlinge ist Nick wichtig. Er setzt alles daran, seine Mandanten zu verteidigen. Wenn es darauf ankäme, dann würde er sogar mit seinem Haus für sie bürgen. Unterstützung bekommt er vom jungen Casanova Pete. Wenn dieser nicht gerade am Vegas Strip entlang fährt, um Ausschau nach neuen Eroberungen zu halten, steht er ihm tatkräftig zur Seite. Gemeinsam leiten sie die Anwaltskanzlei „Morelli & Kaczmarek“ in Las Vegas.

Für frischen Wind in der Kanzlei sorgt die Ex-Stripperin Lisa Tyler, die sich ihr Jura-Studium mit abendlichen Tanzeinlagen finanzierte. Die junge Anwältin setzt alles daran, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen und gemeinsam mit Nick und Pete für Gerechtigkeit in der Glitzermetropole zu sorgen. Dazu kommt noch Lisas Assistentin, die unscheinbare aber mutige Zoey Waters, die sehr darauf bedacht ist, ihre Vorgesetzten zufriedenzustellen.

In einer Stadt zwischen Black Jack und Roulette erfährt das Sprichwort „Glück im Spiel, Pech in der Liebe“ wohl eine umso eher zutreffende Bedeutung. Denn so sehr die Wüstensonne auch über die Anwaltskanzlei scheinen mag, im Privaten schaut es für die beiden alles andere als gut aus. Pete muss seine zahlreichen Frauengeschichten unter einen Hut bringen und Nick versucht seine zerbrochene Ehe zu retten, um weiterhin im Leben seines Sohnes präsent zu bleiben.

Darsteller
James Belushi («Immer wieder Jim») ist Nick Morelli
Jerry O'Connell («Crossing Jordan - Pathologin mit Profil») ist Pete Kaczmarek
Jurnee Smollett («Friday Night Lights») ist Lisa Tyler
Tanya Fischer («Life on Mars») ist Zoey Waters
Stephen Root («Pushing Daisies») ist Richter Taylor
u.a.

Kritik
Sat.1 rüstet seinen Sonntagabend weiter auf. Nach dem Start von «Hawaii Five-0» am vergangenen Sonntag, startet nun mit «The Defenders» eine weitere Dramaserie. Allerdings auf dem wenig spektakulären Sendeplatz um 23:10 Uhr. Ob sie sich in so unsicheren Gewässern behaupten kann, bleibt abzuwarten, eine Chance hat sie nach Sichtung der Pilotfolge aber allemal verdient.

In «The Defenders» kehrt mit James Belushi ein alter Bekannter auf die große TV-Bühne zurück. Nach dem unsäglichen Ende seiner ABC-Serie «According to Jim», die der Sender scheinbar endlos in eine neue und langweiligere Staffel verlängerte, hat er endlich wieder eine Chance, sich ganz oben zu beweisen. Ihm zur Seite steht mit Jerry O'Connell ebenfalls kein Unbekannter des Network-TVs. Nach ernsteren Rollen in z.B. «Crossing Jordan» hatte O'Connell allerdings in den letzten Jahren kaum Glück bei der Wahl seiner Rollen. Die Sitcoms «Do Not Disturb» und «Carpoolers» floppten auf der ganzen Linie und auch mit der eigentlich gut gestarteten Dramedy «The Defenders» scheint er sein Glück noch nicht gänzlich wieder gefunden zu haben. Denn nach dem guten Start mit mehr als 12 Millionen Zuschauern im September 2010 sackten die Zuschauerzahlen schnell unter die zehn Millionen Grenze. Nach einem Sendeplatzwechsel sackten die Reichweiten z.T. sogar bis auf 6,2 Millionen Zuschauer hinab. Erst gegen Ende der 18-teiligen ersten Staffel fand sie dann wieder in die Spur zurück. Ob dies jedoch ausreicht, um für eine zweite Staffel verlängert zu werden, ist bis dato noch fraglich.

Die Gründe für das schwache Abschneiden dürften zu großen Teilen an der wenig innovativen Ausgestaltung der Serie begründet sein. Allein das Genre der Justiz-Procedurals wurde in den letzten Jahren arg überstrapaziert. In den USA liefen allein auf dem Sendeplatz am Mittwoch um 22 Uhr mit «Law & Order: Los Angeles» und «The Whole Truth» gleich zwei weitere Vertreter dieses Genres zeitgleich mit «The Defenders». Erstgenannte wird gerade runderneuert und kehrt demnächst mit neuen Folgen auf die Bildschirme zurück, «The Whole Truth» schaffte es gerade einmal auf sechs ausgestrahlte Episoden. Insofern hatten James Belushi und Jerry O'Connell ja schon mal Glück gehabt, überhaupt auf eine erste Staffel mit 18 Episoden zu kommen. Aber auch in «The Defenders» mangelt es an packenden Fällen. Es werden zu wenige Überraschungen präsentiert, alles verlässt sich voll und ganz auf die Bildschirmpräsenz der Hauptakteure. Natürlich stimmt die Chemie zwischen den beiden. Belushi ist der besessene und perfektionistische Anwalt Nick Morelli, der alles dafür tun würde, um den Fall zu gewinnen – und das auch in die Tat umsetzt. Jerry O'Connell ist der Womanizer Pete Kaczmarek, welcher seine Gespielinnen auch gerne einmal für einen Fall ausnutzt. Eine Serie aber komplett auf die beiden Hauptdarsteller zu fokussieren und die Nebendarsteller fast vollkommen außen vor zu lassen, wird sich sicherlich irgendwann abnutzen. Die Frage ist nur wann. Im Piloten funktioniert das Spielchen jedenfalls über weite Strecken noch sehr gut. Die Wortgefechte zwischen Morelli und Richter Taylor sind sehr gelungen und auch beim Schlussplädoyer haben die «The Assassination of Richard Nixon»-Autoren Niels Mueller und Kevin Kennedy ganze Arbeit geleistet. Das Einschalten lohnt also allemal.

Auch optisch gibt es an dem von Regisseur Davis Guggenheim («Deadwood») inszenierten Piloten von «The Defenders» wenig zu bemängeln. Hochglanzoptik ist ja seit dem Start von «CSI» sowieso das Markenzeichen der neueren CBS Serien. Und mit Las Vegas begibt man sich auf bekanntes Terrain. Mit Carol Mendelsohn hat man sogar eine ausführende Produzentin des «CSI»-Franchises mit an Bord.

Im Endeffekt soll «The Defenders» ja auch nur gut unterhalten und diesem Anspruch wird die Serie auch zu großen Teilen gerecht. Ein humorvoller, zum Teil auch bissiger Spaß mit wenig Tiefgang und Justizfällen, die sich kaum von denen in anderen Serien unterscheiden. Leider kein zweites «Boston Legal», aber immerhin ein netter Platzhalter, um auf den nächsten großen Wurf dieses Genres zu warten.

Sat.1 zeigt «The Defenders» ab Sonntag, den 20. März 2011, um 23:10 Uhr.

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