Hingeschaut

«500 - Die Quiz-Arena»: Jauch vs. Nervenkitzel

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Günther Jauch lädt in die zweite Staffel seiner Quiz-Arena bei RTL. Die folgt den bekannten Regeln und offenbart weiterhin, wie schlecht der Moderator zum Konzept der Sendung passt.

In der Arena geht es um alles. Sieg oder Niederlage, Triumph oder Untergang. Der immense Adrenalinspiegel schwelt durch alle Reihen, die Zuschauer sitzen seit der Antike gespannt auf den Rängen, die Menge johlt, die Wettkämpfer gehen bis zum Äußersten, Blut, Schweiß und Tränen fließen wie in einer Churchill-Rede, und am Ende bewirken die durch die ganze Plackerei ausgeschütteten Endorphine eine tiefe innere Zufriedenheit. Arena heißt Fallhöhe. Arena heißt Spannung. Arena heißt Nervenkitzel.

Und jetzt stellen Sie sich vor, das Ganze wird moderiert von Günther Jauch. Er säße dann da, in einem bildungsbürgerlich-biederen Anzug und einer trostlosen Banker-Krawatte, immerhin einmal ohne Moderationskärtchen in den Händen, dafür aber einen irgendwie müden Blick im Gesicht. Er würde sich mit den Wettkämpfern über Daniela Katzenberger unterhalten und keine Gelegenheit auslassen, zu sagen, wie spannend das alles doch ist. Günther Jauch moderiert diese «Quiz-Arena» wie man ihn kennt – und auch schätzt: als netter, redseliger Quizonkel. Aber Jauch und Nervenkitzel – das ist das Oxymoron des deutschen Showgeschäfts schlechthin.

Dabei setzt das Konzept dieser Show in sehr prägnanter Weise auf eine immense Fallhöhe: Sobald ein Kandidat drei Fragen hintereinander falsch beantwortet, scheidet er aus. Durch eine richtige Antwort kann er das Fehlerkonto wieder auf null zurückfahren. Das Spiel lädt zum Taktieren ein, schließlich kann er sich die Fragen aus gegebenen Kategorien selbst aussuchen.

In der ersten Staffel des amerikanischen Originals «500 Questions» moderierte das auch in Deutschland nicht völlig unbekannte CNN-Urgestein Richard Quest die Sendung. Und Quest ist in vielerlei Hinsicht der Anti-Jauch: Während Jauch gemächlich auf seinem Stühlchen in der Arena sitzt, wuselte Quest durch die Kulissen wie ein Besessener. Generell wurde weniger geredet und mehr gespielt, die Fragendichte war höher und damit auch das Tempo. Das passt eigentlich gut zum Assoziationsbild Arena-Nervenkitzel, doch die deutsche Adaption setzt erstaunlicherweise gerade auf das Gegenteil: Entschleunigung.



Noch dazu hat RTL den Schwierigkeitsgrad deutlich gesenkt. Während im amerikanischen Original nach entlegeneren Ereignissen aus dem Sezessionskrieg oder nach der breiten Öffentlichkeit völlig unbekannten Päpsten aus dem Mittelalter gefragt wurde, woran selbst ein studierter Theologe scheiterte, muss man in Jauchs «Quiz-Arena» gerade einmal die Farben der südafrikanischen Nationalflagge kennen und wissen, wer Hans Christian Andersen war. Peanuts.



«500» ist eine nette, kurzweilige Quiz-Sendung. Doch es ist gerade diese überdrehte Stilisierung hin zu einem überkandidelten Wettkampf, die mit der Personalie Jauch und dem Allerweltsgeplänkel eine gewisse Dissonanz eingeht. Bedrohliches rotes Studiolicht und ein wummernder Sound illustrieren, wenn es für den Kandidaten brenzlig wird, nur damit dann Günther Jauch im kumpelhaft-seriösen Gut-Freund-Duktus ansetzt, naja, das sei jetzt eben nicht optimal verlaufen. Wobei: Genau so ließe sich auch das Fazit dieser Rezension formulieren.

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