Sonntagsfragen

Torsten Lenkeit: ‚Es muss auch Raum geben für Familienserien zum Fallenlassen‘

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Acht Jahre lang bestimmte der Fernsehmacher die Geschicke in der Sachsenklinik. Seit 2008 kümmert er sich um die «SOKO Stuttgart» und hatte vor zwei Jahren wieder Lust auf eine Familienserie. Es entstand eine mutige Serie mit ChrisTine Urspruch als kleinwüchsige Ärztin. Ein Gespräch über Krankenhaus-Formate am Vorabend und Zuschauerschwund bei den «SOKO»s.

Zur Person: Torsten Lenkeit

Torsten Lenkeit ist ausführender Produzent der Bavaria Fernsehproduktion GmbH und verantwortet dort derzeit «Dr. Klein» (3. Staffel ab 7.10. um 19.25 Uhr) und «SOKO Stuttgart». Lenkeit begann seinen Werdegang bei «In aller Freundschaft». Fast 200 Folgen lang begleitete er die Sachsenklinik in unterschiedlichen Positionen. 2011 gehörte er auch zum Autoren-Team der ZDF-Daily «Herzflimmern».
Vor ihrer Tätigkeit bei «Dr. Klein» waren Sie viele Jahre bei «In aller Freundschaft» tätig, einer Serie, bei der viele wirklich sehr gerne arbeiten oder gearbeitet haben. Denken Sie da noch mit guten Gefühlen zurück?
Es war eine tolle Zeit dort – acht Jahre lang habe ich dort gearbeitet, als Autor, Dramaturg, dann als Chefautor. Die Serie hatte sich damals toll entwickelt. Anfangs liefen wir noch montags um 21.45 Uhr. Nach der Programmreform kam die Serie auf den Dienstag und feierte dort dann große Erfolge. Die einstige Totgeburt aus dem Osten war plötzlich eine der beliebtesten Serien des Landes.

Seit ihrem Weggang sind nun wieder acht Jahre vergangen. Verfolgt man die Entwicklung der Serie noch irgendwie weiter?
Ja, natürlich – ich bin ja auch noch im selben Konzern tätig. Klar beobachtet man, wie sich die Serie inhaltlich entwickelt, welche Impulse es gibt. Es gab in den zurückliegenden Jahren ja immer mal wieder Figuren, die rausgegangen sind oder rausgegangen wurden. Veränderungen sind in einer solch langlaufenden Serie wichtig. Ich hatte damals in meiner Zeit allein drei Achim Kreutzers erlebt – irgendwann mussten wir uns dann entscheiden, ihn nicht nochmal zu besetzen. Somit haben wir damals diese Freundschaft neu erzählt.

Ich sehe schon, eine sehr spannende Zeit. Und Sie sind danach dem Krankenhaus-Genre ja auch nicht ganz entfernt geblieben.
Naja, zunächst habe ich mich schon auf Anderes konzentriert. Wir haben die «SOKO Stuttgart», die inzwischen auch schon in die achte Staffel geht, an den Start gebracht. Ich habe damals als Producer dort angefangen. Erst nach ein paar Jahren, parallel zur «SOKO» habe ich dann mit der Entwicklung von «Dr. Klein» begonnen. Ich hatte einfach wieder Lust auf etwas abseits von Krimis und wollte auf die damals rückläufige Entwicklung bei deutschen Familienserien reagieren. Denn: Auch wenn «Dr. Klein» im Gewand einer Klinikserie steckt, so bietet sie doch viel Raum für Familiäres und Persönliches.

Es ist ein bisschen ein „Heile-Welt-Format“. Das ist auch im Trend, in Zeiten, in denen Krieg und Terror die Nachrichten bestimmen.
Wenn Sie das sagen? Ich verstehe das. Wenn die Serie läuft, sind unsere Zuschauer gerade nach Hause gekommen und wollen eher etwas Heiteres sehen. Keine kritische Berichterstattung und Auseinandersetzung mit schlimmen Problemen. Kritische Berichte gehen schließlich zur Zeit schon morgens im «Morgenmagazin» los. Es muss schließlich auch Raum geben für Familienserien, bei denen man sich einfach mal fallen lassen kann.

Erzählen Sie mit «Dr. Klein» am Vorabend anders als einst mit «In aller Freundschaft» am Hauptabend?
Ich glaube, dass es keine Geschichte gibt, die man am Vorabend nicht erzählen könnte. Es gibt keine Schranken, es kommt niemand zu mir, der sagt: Das geht aber um 19.25 Uhr nicht.
Thorsten Lenkeit
Ich glaube, dass es keine Geschichte gibt, die man am Vorabend nicht erzählen könnte. Es gibt keine Schranken, es kommt niemand zu mir, der sagt: Das geht aber um 19.25 Uhr nicht. Grundsätzlich unterscheiden sich aber die Formate. «Dr. Klein» ist frecher und schlägt einen ganz anderen Ton an.

Die «SOKOs» des ZDF hatten zuletzt unter der nun starken Quiz-Schiene im Ersten zu leiden, ihnen wurde gar die Marktführerschaft streitig gemacht. Sehen Sie die Quizshow im Vorteil, weil man da mal schnell ein paar Minuten reinschauen kann, während man beim Krimi ja meist die ganze Episode sehen sollte, um auch zu erfahren, wer jetzt der Mörder ist?
Das wird man im Herbst sehen. Im Oktober kehren die «SOKOs» mit ihren neuen Staffeln zurück. «Wer weiß denn sowas?» ist damals gestartet als sich die Krimis im ZDF in ihre Sommerpause verabschiedet hatten. Insofern sind die Quoten, von denen Sie sprechen, Quoten von Re-Runs. Ich weiß nicht, ob die Werte ab Oktober stabil bleiben, ob sie ein bisschen nach unten gehen werden im Vergleich zu früheren Erstausstrahlungen? Ich denke, die Krimis und das Quiz sind zwei total unterschiedliche Formate, die man so nicht vergleichen kann. Bei «Heiter bis tödlich» war das damals etwas anderes, da hier ein ähnliches Versprechen abgegeben wurde.

Mit «Dr. Klein» hatten sie eine ziemlich starke erste Staffel auf’s Parkett gelegt und schnitten sogar bei den 14- bis 49-Jährigen mit teils an die neun Prozent brutal gut ab. Mit Staffel zwei hat sich das gelegt, bei den Jungen wurde die Quote teils halbiert. Fließen solche Analysen dann in die Entwicklung einer dritten Staffel mit ein?
«Dr. Klein» ist zudem einzigartig, ich glaube nicht, dass viele den Mut gehabt hätten, eine Serie mit ChrisTine Urspruch in der Hauptrolle als kleinwüchsige Ärztin zu besetzen.
Throsten Lenkeit
Gar nicht. Wie sich Quoten aufteilen, mit all den Feinheiten, danach kann ich keine Geschichten schreiben. Dann müsste man ja genau wissen, dass man mit dem und dem Plot exakt diese Zuschauerschaft kriegt. Ich muss «Dr. Klein» aber so machen, wie ich mir die Serie vorstelle und darf mir dabei nicht überlegen, wie ich junge Zuschauer an den Start kriege. Im Übrigen bekomme ich durchaus anderes Feedback: Ich kenne viele junge Leute, die unsere Serie gerne sehe und weiß auch, dass sie bei Kindern sehr gefragt ist. «Dr. Klein» ist zudem einzigartig, ich glaube nicht, dass viele den Mut gehabt hätten, eine Serie mit ChrisTine Urspruch in der Hauptrolle als kleinwüchsige Ärztin zu besetzen.

Beim zweiten Staffelfinale haben Sie ja einige Knaller gezündet. Da gab’s ein Outing, einen Seitensprung und ein farbiges Baby. Wie geht’s in Staffel 3 weiter?
Es bleibt spannend. Ich will nicht zu viel verraten: Aber natürlich muss Dr. Lang sich fragen, wo das Kind denn jetzt herkommt. Er hat dann freilich unseren dunkelhäutigen Assistenzarzt in Verdacht. Aber wer mich kennt, weiß, dass ich Geschichten gerne mal entgegen offensichtlicher Erwartungen erzähle und doch nochmal einen Haken schlage. Und Dr. Klein stehen turbulente Zeiten bevor, weil ihr Mann ja gestanden hat, dass es da einen Seitensprung gab.

Sind die Geschichten um Dr. Klein dann auch Ihre liebsten?
Nein. Ich habe eine Ensembleserie machen wollen, weil ich gerne viele Geschichten erzähle und alle gerne mag. Bei «Ally McBeal» stand ja auch der Name der Hauptfigur drauf, die Serie letztlich aber war so beliebt, weil es viele wichtige Figuren gab.


Danke für das Interview.

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