Popcorn & Rollenwechsel

Die richtige «Star Wars»-Reihenfolge

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Wie lassen sich die Plottwists der «Star Wars»-Saga bewahren? Und wie wirken die Prequels am stärksten?

Der 4. Mai liegt hinter uns und somit der inoffizielle Nerd-Feiertag «Star Wars»-Day. Bislang hauptsächlich ein augenzwinkerndes Wortspiel unter Fans („May the force be with you“ / „May the 4th be with you“), nahm die Bedeutung des 4. Mais dieses Jahr ein neues Maß an. Denn in zahlreichen Kinos rund um den Globus wurden anlässlich des Jedi-Ehrentags die ersten sechs «Star Wars»-Filme noch einmal aufgeführt.

Die meisten deutschen Kinos, die sich an den «Star Wars»-Feierlichkeiten beteiligten, teilten das sechs Filme umspannende Event auf zwei Tage auf. Eine Trilogie am Samstag, eine am Sonntag. Manche Kinos zeigten am Samstag die Prequels, andere legten mit den Original-Filmen los. Beide Varianten haben so ihre Vor- und Nachteile, da aber eh vornehmlich Fans diese Kinomarathons besucht haben dürften, ist die Frage nach der Film-Reihenfolge nur zweitrangig. Fans wissen eh, was sie erwartet, Überraschungen können ihnen nicht verdorben werden. Aber was sollten «Star Wars»-Fans machen, die durch dieses Wochenende auf den Geschmack gekommen sind und nun Novizen endlich in die Welt der Sith und Jedi einführen wollen?

Klar ist: Wie man es auch dreht und wendet, die beiden naheliegenden Optionen haben so ihre Mängel. In der Veröffentlichungsreihenfolge landet das glückliche Finale der Saga an dritter Stelle, daraufhin folgen ein von Kritikern verrissener Film, einer mit durchwachsenem Presse-Feedback und die letzte Episode endet auf einer düsteren, offenen Note. Das schreit nur bedingt nach großem, großem Vergnügen. In der inhaltlichen Reihenfolge wiederum zerstören die Prequels sämtliche Handlungswenden der Original-Teile, die manche «Star Wars»-Jungfrauen möglicherweise noch nicht kennen. Darüber hinaus werden die technischen Unterschiede zwischen Episode III und IV in dieser Variante extrem deutlich, was dem langsamer erzählten, effekttechnisch zurückhaltenden Original-Film gegenüber unfair ist.

Unter Fans wird daher mittlerweile eine andere Reihenfolge empfohlen: Es geht los mit den Episoden IV und V. Der erstgenannte Film führt das Filmuniversum effektiv ein, der letztere endet auf einem großen Cliffhanger und der im Raum schwebenden Frage „Wie konnte es nur so weit kommen?“ – und exakt diese Frage wird von den drei Prequels nach und nach beantwortet, so, als seien sie eine überdimensionale Rückblende. Anschließend spinnt Episode VI die Handlungsbögen der Protagonisten der Filme IV und V sowie der tragischen Hauptfigur der Prequels zu Ende. Darüber hinaus heben die Episoden I und VI mit ihrer Heiterkeit die Stimmung nach den düsteren Folgen V und III, zudem bleiben sämtliche Twists in ursprünglicher Form intakt. Einzig die Verbindung zwischen Luke und Leia wird nicht erst in Episode VI, sondern schon in Episode III enthüllt, womit sie für den unwissenden Zuschauer weiterhin eine überraschende Wende darstellt, jedoch nicht in dem Kontext erfolgt, in dem eine frühere Generation von «Star Wars»-Fans diesen Twist zu sehen bekam.

Eine Anmerkung noch: Die Prequels funktionieren besser, wenn sie am Stück gesehen werden. Gehen die Teile der Original-Trilogie als Filmerlebnis auch wunderbar auf, wenn sie einzeln gesehen werden, verlieren die Schwächen der Prequels an Wirkung, sobald man diese drei Werke in einer Marathonsitzung durchhechelt. Während «Star Wars: Episode V – Das Imperium schlägt zurück», der von Filmhistorikern und Kritikern am meisten gelobte Part der Saga, kunstvoll mit Dramatik, Humor, Action und Romantik balanciert, geriet die Akzentuierung dieser Aspekte in den Prequels längst nicht so galant. Wer sich also «Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung» anschaut und daraufhin erst einmal eine «Star Wars»-Pause von einem Tag oder mehreren Tagen einlegt, bleibt mit dem Eindruck zurück, dass der Humor viel zu viel Raum einnahm. Der nächste Film nimmt sich für seinen Liebessubplot viel Zeit, Episode III wiederum ist im Grunde kaum mehr als ein langes, unglückliches Finale.

Werden diese drei Teile aber nicht für sich betrachtet, sondern als ein extralanger Film, so heben sich diese tonalen Unausgewogenheiten weitestgehend wieder auf – die Comedyelemente sind nicht mehr so enttäuschend nichtssagend. Wer direkt nach der melodramatischen Mitte die dritte Episode sieht, hat keine Zeit, sich über mangelnden Biss zu beklagen. Und so finster und actionreich das Ganze auch endet, so hat dieses Ende immerhin eine Hinleitung, die noch in der gleichen Filmsitzung begonnen hat. Anders gesagt: Während die Episoden IV, V und VI jeweils drei Akte haben, so sind die drei Prequels jeweils ein ausgedehnter Akt – und daher alleinstehend nicht so stark wie im direkten Zusammenspiel.

Natürlich benötigt diese Methode viel Sitzfleisch und kann nicht all jene Nachteile beseitigen, die viele «Star Wars»-Fans hinsichtlich der Prequels anbringen, aber sie führt Novizen an die umstrittene Trilogie in einer ihr schmeichelnden Art und Weise näher. Die anderen drei Filme können dagegen ruhig in Einzselsitzungen abgehakt werden – diese profitieren durchaus auch von der Wartezeit und dem dadurch entstehenden Raum für inhaltliche Spekulationen.

Und sobald Episode VII gestartet ist, können die Debatten über «Star Wars»-Sehgewohnheiten nochmal ganz von neu beginnen!

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