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J. J. Abrams: Vom Drehbuch-Leichtgewicht zum Hollywood-Schwergewicht

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Quotenmeter.de blickt auf die Karriere des erfolgreichen TV-Produzenten und Kino-Regisseurs.

Auszeichnungen für J. J. Abrams (Auswahl)

  • 2005: Primetime Emmy für «Lost» (Beste Drama-Serie)
  • 2006: Producers Guild of America Award für «Lost» (Beste Drama-Serie)
  • 2012: Saturn Award für «Super 8» (Beste Regie)
  • 2013: Hollywood Movie Award für «Star Trek Into Darkness»
  • 2013: Norman Lear Achievement Award der Producers Guild of America
Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Selbst zahlreiche Größen der Film- und Fernsehbranche waren einst unauffällig und fingen mit kleinen Projekten an, die von ihrem heutigen Stil keine Spur aufweisen. So war es auch bei Drehbuchautor, Produzent und Regisseur Jeffrey Jacob "J. J." Abrams. Der schwer beschäftigte und enorm gefragte 47-Jährige, der aktuell mehrere Sci-Fi- und Mystery-Serien produziert und obendrein an der siebten Episode der «Star Wars»-Kinosaga arbeitet, begann seine Karriere im Entertainmentgeschäft als Filmkomponist beim billig produzierten Horrorfilm «Nightbeast – Terror aus dem Weltall». Abrams war damals erst 16 Jahre alt. Acht Jahre später bekamen US-Kinogänger dann erstmals einen Kinofilm zu sehen, zu dem der damalige Collegestudent das Drehbuch verfasste: «Filofax» mit James Belushi und Charles Grodin. Die Verwechslungskomödie aus dem Jahr 1990 hinterließ in der Kinowelt jedoch keinen bleibenden Eindruck. Dessen ungeachtet fanden sowohl 1991 als auch 1992 weitere Produktionen den Weg in die Kinos, deren Drehbücher aus der Feder Abrams' stammten: Das rührselige Drama «In Sachen Henry» mit Harrison Ford und das Romantikdrama «Forever Young» mit Mel Gibson und Jamie Lee Curtis.

Seinen wahren Durchbruch erlebte Abrams jedoch 1998. In diesem Jahr eroberte die Jerry-Bruckheimer-Produktion «Armageddon», zu der Abrams das Drehbuch mitverantwortete, die Kinokassen und generierte über eine halbe Milliarde Dollar weltweit. Obendrein landete er seinen ersten Erfolg im Fernsehen: das von ihm und Matt Reeves erdachte College-Drama «Felicity», welches dem kleinen Network The WB starke Zuschauerzahlen und Hauptdarstellerin Keri Russell einen Golden Globe bescherte. Auch nach Ende der vier Staffeln umfassende Serie brachte «Felicity» J.J. Abrams gute Presse ein. So wurde die Produktion 2007 vom Time Magazine zu einer der 100 besten TV-Sendungen aller Zeiten gekürt. Als realistische, gefühlsbetonte Reihe wies «Felicity» jedoch wenig von dem auf, was TV-Zuschauer und Kinobesucher mittlerweile mit dem Workaholic verbinden. Einzig die abschließenden fünf Episoden ließen mit ihrem Zeitreiseelement erahnen, welche Genrevorlieben in Abrams schlummerten.

2001 startete dann kurz nach Gründung von Abrams' eigener Produktionsfirma Bad Robot mit «Alias – Die Agentin» die erste TV-Serie, die stilistisch alle Elemente aufwies, die mittlerweile typisch für den Tausendsassa sind. Neben einer taffen weiblichen Hauptrolle (später unter anderem auch in «Fringe» zu sehen) und einem hohen Produktionswert wartete die Agentenserie auch mit Musik von Michael Giacchino auf, der seither zahlreiche Abrams-Projekte musikalisch begleitet. Darüber hinaus verfügte die Serie über kinetische Action, einen starken roten Erzählfaden und ein wiederkehrendes Mysteryelement. Es ist schwer, eine Abrams-Serie zu finden, die auf ein Gros dieser Zutaten verzichtet: Das von ihm produzierte TV-Phänomen «Lost» wurde von Abrams zwar nur für wenige Episoden geprägt (die wahren Showrunner waren Damon Lindelof & Carlton Cuse), wies dennoch alle Kennzeichen eines typischen Abrams-Projekts auf, ähnlich wie «Fringe», «Alcatraz», «Revolution» oder «Almost Human».

Obwohl Abrams als ausführender Produzent zahlreicher Fernsehserien zu einer der wichtigsten Personen im Mediengeschäft aufstieg, ist der 47-Jährige dennoch primär ein Filmemacher. Im Laufe der dritten Staffel «Alias – Die Agentin» schränkte er seinen Einfluss auf das Format ein, um sich auf andere Projekte zu konzentrieren und auch die von ihm miterschaffenen Serien «Lost» und «Fringe» mussten sich bereits kurz nach ihrem Start auf andere Showrunner verlassen, damit sich Abrams stärker um seine Kinokarriere bemühen konnte. Abrams' Augenmerk auf die Kinobranche machte sich allerdings mit einem steilen Aufstieg bezahlt: 2006 belebte der das «Mission: Impossible»-Franchise wieder und erhielt für seine Regiearbeit sowie das von ihm mitverfasste Drehbuch einiges Kritikerlob, was wiederum Paramount Pictures genug Vertrauen in Abrams gab, ihm ein anderes Franchise anzuvertrauen. Nur zwei Jahre später startete dann das von ihm inszenierte Reboot des «Star Trek»-Universums in den Kinos durch – und wurde mit mehr als 385 Millionen Dollar Einspiel prompt der bis dahin einträglichste Film in der Geschichte der langlebigen Reihe.

Angesichts dessen wurde Abrams für Paramount zu einem der wertvollsten Pferde im Stall – weshalb er nicht nur als Produzent des vierten und fünften «Mission: Impossible»-Films angeheuert wurde, sondern auch die Gelegenheit bekam, vor der Verwirklichung eines weiteren «Star Trek»-Films ein kleines Wunschprojekt umzusetzen. Die liebevolle Steven-Spielberg-Hommage «Super 8» spielte 2011 ohne bekannte Hauptdarsteller löbliche 259,93 Millionen Dollar ein und erhielt äußerst positives Kritiker-Feedback.

Anfang 2013 sorgte Abrams dann für eine Sensation: Der Unterhaltungskonzern, an den er sein erstes Drehbuch verkaufte, vertraute ihm die Aufgabe an, eine weitere populäre Marke zu revitalisieren. In klaren Worten: Die Walt Disney Company heuerte Abrams an, «Star Wars – Episode VII» zu inszenieren. Im Laufe der Vorproduktion übernahm Abrams sogar darüber hinaus in Zusammenarbeit mit Lawrence Kasdan die Drehbuchpflichten, nachdem sich herausstellte, dass der ursprünglich mit dieser Aufgabe beauftragte Autor Michael Arndt («Toy Story 3») den Fokus stärker auf eine neue Generation an Protagonisten legte, während Abrams lieber altbekannte Figuren im Zentrum der Handlung sehen wollte.

Nachdem bekannt wurde, dass Abrams als erster Regisseur sowohl «Star Trek» als auch «Star Wars» mitprägen durfte, kam es im Sommer 2013 zu einem ersten nennenswerten Rückschlag in der öffentlichen Wahrnehmung seines Schaffens: «Star Trek Into Darkness» übertraf mit 467,36 Millionen Dollar an den weltweiten Kinokassen zwar seinen Vorgänger und auch erste Pressestimmen waren eher positiv, allerdings erntete das Sequel auch harsche Kritik und wurde unter anderem auf einer «Star Trek»-Convention mehrheitlich zum schlechtesten Film des gesamten Franchises gewählt.

Ende 2015 wird Abrams die Möglichkeit haben, mit einem neuen Teil seiner Lieblingsfilmreihe zu beweisen, dass er sich nicht ins Orchestrieren reiner Effektspektakel verloren hat. Und all jene, die sich an Abrams' Anfänge zurückerinnern wollen, können dies am Donnerstag, den 20. März 2014, auf dem Disney Channel tun. Dort ist ab 20.15 Uhr die Komödie «Filofax» zu sehen – garantiert frei von Effektgewittern und übermäßigem Gebrauch von Lichtbrechungen.

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