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«Die Supernanny»: Verstoß gegen Menschenwürde

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Die KJM-Jugendschützer rügten in ihrem Prüfbericht das RTL-Format mit Katja Saalfrank. Eine Folge der Doku-Soap hätte nicht gesendet werden dürfen.

Dass die RTL-Doku-Soaps umstritten sind und oft auch «Die Supernanny» vielen Kritikern ein Dorn im Auge ist, ist nichts Neues. Doch dass das RTL-Format gegen die Menschenwürde verstoßen haben soll, ist ein schwerwiegender Vorwurf. Denn die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) legte in ihrem Prüfbericht des ersten Quartals 2011 einen Fall offen, in dem ein Verstoß gegen die Menschenwürde festgestellt wurde. Die beanstandete «Supernanny»Folge thematisierte das psychisch und physisch gewalttätige Verhalten einer Mutter gegenüber ihren zwei- und fünfjährigen Mädchen. Vor laufender Kamera wurde gezeigt, wie die Mutter ihre fünfjährige Tochter anschreit, ihr mit Schlägen droht, sie ignoriert und sie schließlich schlägt – ohne dass das Kamerateam eingreift.

Diese problematischen Szenen werden insgesamt dreimal gezeigt, unter anderem auch in einem Teaser zur Sendung, dessen Zweck es ist, möglichst viele Zuschauer zu generieren, schreibt die KJM. „Das Kind wird in seinem sozialen Achtungsanspruch verletzt und zum Objekt der Zurschaustellung degradiert. Aus diesen Gründen stellt das Angebot in den Augen der KJM einen Menschenwürde-Verstoß dar und ist unzulässig“, so die Jugendschützer. Die «Supernanny»-Folge hätte nie gesendet werden dürfen. Insgesamt 32 Verstöße mahnte die KJM an, zwölf davon entfallen auf den Bereich des Rundfunks. Bei der Aufsicht über den Rundfunk arbeitet die KJM Hand in Hand mit den Landesmedienanstalten.

In der Kritik stand unter anderem auch erneut «talk talk talk» von ProSieben. In der Vergangenheit waren bereits mehrere Folgen der Sendung Gegenstand rechtsaufsichtlicher Verfahren, die auch zu Beanstandungen führten. Nun bewertete die KJM erneut eine Ausgabe der ProSieben-Talkshow, die im Tagesprogramm ausgestrahlt wurde, als Verstoß gegen die Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes. Die auftretenden Talkgäste werden zum Zweck der Unterhaltung vorgeführt. Die Kommentierung der Moderatoren verstärke die desorientierende Wirkung: Sie weisen auf Sprachfehler und mangelnde Intelligenz, die vermeintliche sexuelle Orientierung der Teilnehmer sowie auf deren Aussehen hin. Das Angebot sei geeignet, Kinder sozialethisch zu desorientieren und damit zu beeinträchtigen, so die Jugendschützer. Die Sendung hätte nicht vor 20 Uhr platziert werden dürfen.

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