Es ist die Art von Filmidee, die in einem Studio-Meeting wohl so begann: „Was wäre, wenn Jason ins Weltall fliegt?“ – und niemand „Nein“ sagte. «Jason X», der zehnte Teil der «Friday the 13th»-Reihe, gilt bis heute als das kurioseste Experiment in der langen Geschichte des Maskenmörders Jason Voorhees. Regie führte James Isaac, das Drehbuch schrieb Todd Farmer – und heraus kam ein Science-Fiction-Slasher, der in jeder Hinsicht so absurd ist, dass er beinahe schon wieder Spaß macht.Die Handlung verlegt das bekannte Gemetzel vom Camp Crystal Lake in die Zukunft. Im Jahr 2008 wird Jason von der US-Regierung gefangen genommen und soll zu Forschungszwecken eingefroren werden. Bei dem Versuch geht natürlich alles schief, und Jason wird zusammen mit der Wissenschaftlerin Rowan versehentlich kryokonserviert. 445 Jahre später – die Erde ist längst unbewohnbar – findet eine Gruppe von Studenten und Forschern die beiden tiefgefrorenen Körper in einer alten Forschungsstation und bringt sie an Bord ihres Raumschiffs. Während Rowan erfolgreich wiederbelebt wird, bleibt Jason vermeintlich tot – bis er aus dem Nichts erwacht und die Crew dezimiert, beginnend mit einer Szene, die Kultstatus erlangte: Er friert einer Ärztin den Kopf ein und zerschmettert ihn auf der Werkbank. Ab da folgt das übliche Schlachtfest mit Laserwaffen, Raumanzügen und Schwerkraftverlust. Schließlich landet Jason in einer medizinischen Nanomaschine, die seinen Körper „repariert“ – und ihn versehentlich in „Uber-Jason“ verwandelt, eine metallische, unzerstörbare Killermaschine. Das Finale: Jason wird im All bekämpft, von einer Androidin, von Explosionen und schließlich von der Atmosphäre des Planeten Erde II verschlungen.
Todd Farmer, der auch selbst als Crewmitglied Dallas im Film mitspielt, dachte sich das Konzept aus, nachdem er meinte, „es gibt nur noch einen Ort, wo Jason hingehen kann – ins All“. Studio und Produzent Sean S. Cunningham fanden die Idee pragmatisch: Während «Freddy vs. Jason» jahrelang in der Entwicklung festhing, wollte man das Franchise am Leben halten. So wurde im Frühjahr 2000 in Toronto gedreht – mit moderatem Budget, einem weitgehend unbekannten Cast und vielen praktischen Effekten. Als Bonus übernahm Kultregisseur David Cronenberg einen kurzen Gastauftritt als Wissenschaftler – allerdings nur, nachdem er seine eigenen Dialoge umschreiben durfte.
Kane Hodder, der seit «Freitag der 13.»-Teil VII den ikonischen Killer verkörperte, spielte Jason hier zum vierten und letzten Mal. Danach übernahm er noch vereinzelt ähnliche Rollen, blieb aber eng mit der Horrorszene verbunden – etwa in Convention-Auftritten und Dokumentationen wie «To Hell and Back: The Kane Hodder Story». Lexa Doig, die Rowan spielt, machte nach «Jason X» Karriere im Fernsehen: «Andromeda», «Continuum», «Stargate SG-1» – Science-Fiction blieb ihr Zuhause. Ihre Kollegin Lisa Ryder, die die Androidin KM-14 darstellte, blieb ebenfalls im Genre aktiv. Chuck Campbell, der als Techniknerd Tsunaron überlebte, wechselte später in kleinere TV-Rollen.
Regisseur James Isaac, ein früher Weggefährte von David Cronenberg («The Fly», «eXistenZ»), konnte sich nach dem Film nicht mehr etablieren. Er inszenierte noch den Monsterfilm «Pig Hunt» (2008) und starb 2012 mit nur 51 Jahren. Drehbuchautor Todd Farmer blieb länger im Horrorfach – er schrieb unter anderem «My Bloody Valentine 3D» und «Drive Angry» für Patrick Lussier, beide stilistisch überdreht, aber deutlich runder als «Jason X».
An der Kinokasse lief der Film mäßig. Bei einem Budget zwischen elf und 14 Millionen Dollar spielte er weltweit nur rund 17 Millionen ein – ein schwaches Ergebnis, selbst nach den Maßstäben eines Slashers. Die Kritiken waren verheerend: Auf Rotten Tomatoes steht der Film bei 20 Prozent Zustimmung, Roger Ebert gab 0,5 von 4 Sternen und zitierte eine Zeile aus dem Film selbst: „This sucks on so many levels.“ In Deutschland kam der Film nur eingeschränkt in die Kinos, fand aber im Heimkino ein Publikum, das ihn später als „Trash mit Ansage“ feierte. Besonders Jasons metallische Wiederauferstehung – inklusive Nanobots und Laseraugen – wurde zum Running Gag unter Fans.
Interessanterweise wuchs «Jason X» im Laufe der Jahre zu einem kleinen Kultfilm heran. Viele jüngere Horrorfans sehen ihn heute als ironisches Highlight einer Reihe, die ohnehin längst jede Logik hinter sich gelassen hatte. Der Film nimmt sich selbst nicht zu ernst, spielt mit den eigenen Klischees und serviert einige kreative Tode – allen voran die berühmte Flüssigstickstoff-Szene, die sogar in der TV-Show «MythBusters» getestet wurde. Außerdem bietet «Jason X» einen der wenigen Fälle, in denen eine 1980er-Horrorfigur wirklich in der Zukunft angekommen ist – samt Holo-Camp-Crystal-Lake und Cyborg-Kampf.
Aus heutiger Sicht wirkt der Film wie ein Relikt aus der Frühzeit digitaler Effekte: etwas zu glatt, etwas zu bunt, aber mit einer gewissen Naivität, die man heutigen Studio-Horrorfilmen kaum mehr zutraut. Er markiert auch den Übergang von klassischen Slasher-Formeln hin zu selbstironischer Science-Fiction. «Jason X» ist dabei so misslungen, dass er fast charmant wird – ein Trash-Meilenstein, der zeigt, wie weit Studios bereit waren zu gehen, um eine Marke am Leben zu halten. Trotz allem blieb das Experiment eine Sackgasse: Weder «Jason X» noch seine Nachfolger führten die Zukunftsgeschichte weiter. Erst «Freddy vs. Jason» (2003) brachte die Figur wieder zurück auf den Boden der Tatsachen – oder genauer gesagt: zurück ins irdische Camp Crystal Lake. Doch «Jason X» hat sich seinen Platz in der Popkultur gesichert: als der Moment, in dem man Jason Voorhees buchstäblich „über alle Grenzen hinaus“ schickte.







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