Filme des Grauens

«Kuck mal, wer da jetzt spricht»

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Wenn eine Erfolgsformel endgültig auf den Hund kommt, dann ist das Format auch schon wieder tot.

Mit «Look Who's Talking Now!», «Kuck mal, wer da jetzt spricht» erreichte eine der populärsten Familienfilm-Reihen der späten Achtziger und frühen Neunziger ihren künstlerischen und kommerziellen Tiefpunkt. Nachdem «Look Who’s Talking» und «Look Who’s Talking Too» mit dem simplen, aber damals frischen Kniff der kommentierenden Baby-Innenstimmen große Erfolge feierten, wirkte der dritte Teil bereits bei Erscheinen wie ein müder Nachhall einer Idee, deren Verfallsdatum überschritten war. Der deutsche Titel «Kuck mal, wer da jetzt spricht» machte es nicht besser – eher im Gegenteil.

Die zentrale Fehlentscheidung ist schnell benannt: Statt erneut Kinder sprechen zu lassen, verlegte man den Gag auf Hunde. Danny DeVito und Diane Keaton leihen den beiden Vierbeinern Rocks und Daphne ihre Stimmen, die nun um Aufmerksamkeit, Rangordnung und Revierhoheit konkurrieren. Was auf dem Papier wie eine harmlose Variation klingt, entpuppt sich auf der Leinwand als einfallsloser Trick, der weder Kinder noch Erwachsene wirklich erreicht. Die tierischen Kommentare sind weder besonders pointiert noch überraschend – vielmehr wirken sie wie ein automatisiert ausgespucktes Comedy-Modul aus der Frühzeit der 90er-Jahre.

Dabei sind die menschlichen Hauptfiguren durchaus prominent besetzt. John Travolta und Kirstie Alley kehren als James und Mollie Ubriacco zurück, wirken aber zunehmend gelangweilt vom eigenen Franchise. Travolta, der sich Anfang der Neunziger in einer Karriere-Delle befand, spielt pflichtbewusst, aber ohne erkennbare Motivation. Alley darf sich mit Jobverlust, Beziehungssorgen und chaotischem Familienalltag herumschlagen – Konflikte, die der Film nur oberflächlich streift, um schnell wieder zu Hundewitzen zurückzukehren.

Auch dramaturgisch zerfällt der Film. Nebenhandlungen wie James’ dubiose Chefin (Lysette Anthony), die offensiv an ihm interessiert ist, oder Mollies prekäre Jobsituation werden angerissen, aber nie konsequent entwickelt. Stattdessen hangelt sich der Film von Slapstick-Episode zu Slapstick-Episode, bis er im weihnachtlichen Finale versucht, emotional zu werden. Doch selbst die Rettungsszene mit Wölfen und Schneesturm wirkt eher unbeholfen als spannend.

Die Quittung folgte prompt: Kritiker verrissen den Film nahezu geschlossen. Auf Rotten Tomatoes steht er bis heute bei 0 Prozent Zustimmung – ein symbolischer Tiefschlag für ein Franchise, das einst als harmloser Publikumsliebling galt. Auch finanziell war «Look Who’s Talking Now!» ein Desaster: Rund 22 Millionen Dollar Produktionskosten standen nur etwa 10 Millionen Dollar Einspielergebnis gegenüber. Damit war klar: Diese Reihe hatte keine Zukunft mehr.

Interessant ist der deutsche TV-Nachhall. Anders als die beiden Vorgänger fand «Kuck mal, wer da jetzt spricht» bei den großen Vollprogrammen nie einen stabilen oder prominenten Sendeplatz. Die Ausstrahlungen liefen meist am Nachmittag oder in Randzeiten, häufig bei Kabel Eins, RTLZWEI oder VOX. Die Quoten blieben überschaubar und bestätigten den Eindruck, dass der Film weder Nostalgiebonus noch Wiederentdeckungswert besitzt. Selbst an Feiertagen oder im Weihnachtsumfeld – eigentlich ideales Terrain für harmlose Familienkomödien – blieb das Interesse begrenzt.

Was wurde aus den Beteiligten? Travolta schaffte nur wenige Monate später mit «Pulp Fiction» eines der spektakulärsten Comebacks der Filmgeschichte. Kirstie Alley blieb dem Fernsehen treu und wurde vor allem durch Sitcoms und Reality-TV-Präsenz bekannt. Danny DeVito und Diane Keaton hingegen hatten mit diesem Film nichts zu verlieren – ihre Karrieren litten kaum unter diesem Ausflug ins Hunde-Gedankenlesen.

Rückblickend ist «Look Who’s Talking Now!» ein Paradebeispiel für Franchise-Erschöpfung. Eine Idee, die einmal funktionierte, wurde zu oft variiert, bis nur noch eine hohle Hülle übrig blieb. Der Film ist nicht spektakulär schlecht im Sinne eines Trash-Klassikers – sondern schlicht egal. Und vielleicht ist genau das sein größtes Problem: Er ist kein Skandal, kein Kult, kein kurioses Scheitern, sondern ein Film, der leise verschwand. Passend dazu auch seine Fernsehgeschichte: immer mal wieder da, aber nie wirklich gewollt.

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