Mit «Shark Exorcist» betritt man ein filmisches Paralleluniversum, in dem Logik, Geschmack und handwerklicher Anspruch bewusst über Bord geworfen werden. Der 2016 veröffentlichte Horrorfilm stammt aus der Feder und Regie von Donald Farmer, einem Filmemacher, der seit Jahrzehnten für ultrabillige Exploitation-Streifen bekannt ist. «Shark Exorcist» ist dabei weniger ein klassischer Horrorfilm als vielmehr ein Symptom: für die ausufernde „Sharksploitation“-Welle, die nach «Sharknado» alles verwertete, was Flossen hatte – koste es, was es wolle. Oder besser: koste es möglichst wenig.Die Handlung ist in ihrer Absurdität schnell zusammengefasst. Eine satanistische Nonne beschwört einen Dämon, der Besitz von einem Weißen Hai ergreift. Dieses besessene Tier beginnt daraufhin, eine Küstengemeinde zu terrorisieren. Als Gegenpol tritt ein Priester auf, der – man ahnt es – den Hai exorzieren soll. Mehr braucht der Film nicht, um seine 88 Minuten zu füllen. Figuren, Motivation oder innere Logik werden bestenfalls angedeutet, meist jedoch ignoriert. Der Titel ist Programm – und zugleich das kreativste Element des gesamten Projekts.
Was «Shark Exorcist» von vielen anderen Billig-Hai-Filmen unterscheidet, ist weniger seine Idee als deren Umsetzung. Der Hai selbst ist kaum zu sehen, Angriffe finden überwiegend offscreen statt oder werden mit schlecht montierten Stock-Footage-Aufnahmen angedeutet. Stattdessen konzentriert sich der Film auffällig häufig auf halbnackte Frauen, belanglose Dialoge und Szenen, die wirken, als seien sie ohne Drehbuch, Proben oder zweite Takes entstanden. Man spürt in jeder Minute, dass hier nicht Mangel das Problem ist, sondern Gleichgültigkeit.
Genau darin liegt jedoch auch der bizarre Reiz des Films. «Shark Exorcist» scheitert nicht ehrenhaft, sondern vollkommen hemmungslos. Der Film weiß offenbar selbst nicht, ob er ernst genommen werden will – und genau deshalb funktioniert er für ein spezielles Publikum als Trash-Erlebnis. Kritikerreaktionen schwankten entsprechend zwischen entsetztem Kopfschütteln und ironischer Begeisterung. Während seriöse Filmseiten den Streifen als Tiefpunkt des Genres einordneten, feierten andere ihn als „so schlecht, dass er schon wieder unterhaltsam ist“.
Ein Blick auf die Beteiligten zeigt, dass hier niemand mit großen Karrierezielen unterwegs war. Die Darstellerinnen und Darsteller – darunter Angela Kerecz und Bobby Kerecz – blieben weitgehend unbekannt, was angesichts des Endprodukts kaum überrascht. Donald Farmer selbst setzte seinen Weg unbeirrt fort und drehte weiterhin No-Budget-Filme für den Direktvertrieb, meist ohne nennenswerte öffentliche Resonanz. «Shark Exorcist» war kein Sprungbrett, sondern eher eine Sackgasse, die jedoch dank Internetkultur und Social Media eine zweite, ironische Existenzform fand.
Finanziell spielte der Film kaum eine Rolle. Zahlen zum Budget oder zu Einnahmen existieren praktisch nicht, was bei Direktveröffentlichungen dieser Art typisch ist. Der Film war nie für Kinos oder große Märkte gedacht, sondern für eine Nische, die gezielt nach Grenzerfahrungen sucht. Und genau dort hat «Shark Exorcist» seine Daseinsberechtigung gefunden: als abschreckendes wie faszinierendes Beispiel dafür, was passiert, wenn man einen Titel hat – und sonst nichts.
Für eine Reihe wie „Filme des Grauens“ ist «Shark Exorcist» daher nahezu ideal. Er steht nicht für ein misslungenes Großprojekt oder eine falsche Studioentscheidung, sondern für die völlige Entkopplung von Idee und Qualität. Hier wird Trash nicht aus Versehen produziert, sondern als Geschäftsmodell verstanden. Ob man darüber lachen, staunen oder verzweifeln soll, bleibt jedem selbst überlassen.







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