Die Kritiker

«Zwei Frauen für alle Felle - Neuanfang»

von

Am Freitagabend startet das Erste eine neue Tierärztinnen-Film-Reihe. Steht dabei wirklich ein erzählerischer Neuanfang, wie ihn die erste Folge versprechen will?

Stab

Darsteller: Bettina Zimmermann, Meriel Hinsching, Ramona Kunze-Libnow, Kai Schumann, Max von Pufendorf, Karl Kranzkowski
Musik: David Grabowski
Kamera: Alexander Palm
Drehbuch: Anja Flade-Kruse
Regie: Stefan Bühling
Mit dem Titel „Neuanfang“ für die erste Folge der neuen Reihe «Zwei Frauen für alle Felle» erhebt das Erste den Anspruch, dem verlässlichen Repertoire ihrer seichten Freitagsfilmproduktionen einen frischen Anstrich zu verleihen. Doch schon nach den ersten Minuten wird deutlich: Hier beginnt nichts neu, und schon gar nichts ist sonderlich aufregend. Stattdessen entfaltet sich ein altbekanntes Arrangement aus Kleinstadtidylle, seichten Dialogen und einer Dramaturgie, die mehr dem Reißbrett als der Beobachtung wirklichen Lebens verpflichtet ist.

Im Mittelpunkt steht die Tierärztin Maja Freydank (Bettina Zimmermann), die gleich zu Beginn auf dem Weg in die Praxis ein verletztes Tier „aufliest“ – ein dramaturgisches Manöver, das so kalkuliert wirkt, dass man den Hund eher als Symbol für die lahmende Handlung denn als Handlungsträger ernst nimmt. Dass der Vierbeiner am Ende Opfer einer mutwilligen Vergiftung wird, soll Spannung erzeugen, wirkt aber eher wie eine Pflichtübung des Drehbuchs, das unbedingt einen kriminalistischen Nebenschauplatz eröffnen will.

Die zweite Hauptfigur, Julia Kramer (Meriel Hinsching), tritt als vom Konzern Sanaripets entsandte Kollegin auf – und damit als dramaturgischer Gegensatz zur bodenständigen, moralisch unangreifbaren Maja. Aus dieser Konstellation ließe sich ein durchaus relevantes zeitgenössisches Drama über die Ökonomisierung der Tiermedizin entwickeln. Doch der Film bleibt an der Oberfläche, erzählt die Konflikte in klaren Schwarz-Weiß-Schablonen und scheut jede Zwischennuance. Dass Julia, die zunächst noch im Sold des Konzerns steht, bald zur loyalen Partnerin Majas wird, überrascht niemanden und bleibt dramaturgisch schal.

Dabei wäre Stoff vorhanden: Die Frage, ob eine lokale Praxis dem Druck eines Konzerns standhalten kann, hat Gegenwart. Dass Maja die Praxis am Ende selbst übernimmt, weil sie der Konzernführung nicht über den Weg traut, klingt nach einer Entscheidung; im Film erscheint sie dabei jedoch wie eine dramaturgische Selbstverständlichkeit, frei von Konsequenzen. Auch Julias Loyalitätskonflikt bleibt sorgfältig entschärft. Dabei möchte man wirklich einmal eine Szene sehen, in der die Argumente des Gegners ernst genommen werden – nicht, um ihnen zu erliegen, sondern um die eigene Position zu schärfen. Hier hingegen dienen sie der schnellen Läuterung.

Auch filmästhetisch bietet „Neuanfang“ kaum mehr als das übliche Fernsehfilmhandwerk. Die Kamera von Alexander Palm belässt es bei sauberen, aber austauschbaren Bildern. Ein ländliches Panorama hier, eine vertraute Tierarztkulisse dort – visuelle Eigenständigkeit sucht man vergebens. Die Musik von David Grabowski trägt den emotionalen Ton unterdessen so dick auf, dass jeder Versuch subtiler Spannung sofort erstickt wird.

So bleibt «Zwei Frauen für alle Felle – Neuanfang» ein Film, der weder im Gedächtnis bleibt noch wirklich Lust auf die baldige Fortsetzung macht. Wer sich eine wirkliche Auseinandersetzung mit den Konflikten zwischen Individualität und Konzernmacht, zwischen Tradition und Moderne erhofft, wird enttäuscht. Was bleibt, ist ein weiteres Stück Fernsehunterhaltung, das zwar oberflächlich funktionieren mag, aber eben überhaupt nichts wagt – und damit letztlich überflüssig wirkt.

Der Film «Zwei Frauen für alle Felle – Neuanfang» wird am Freitag, den 29. August um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt.

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