
In der Betrachtung dieser Entwicklung lässt sich eine interessante Analogie zur Sat.1-Zeit ausmachen, in der die Panelshow zu Beginn ihres Revivals (2017, 2018) auf große Wiedersehensfreude stieß, auf Strecke dann aber immer stärker nachließ. Jener Verlauf scheint sich in der aktuellen RTLZWEI-Ära in beschleunigter Weise zu wiederholen. Deutet man die Kurve der Publikumsresonanz, kann man zu der Schlussfolgerung gelangen, dass die Balder-Erfindung an einzelnen Ausstrahlungstagen zwar durchaus noch gehörige Strahlkraft aufweist, von den Zuschauenden aber nicht über ewige Wochen immer wieder und wieder durchlaufen werden will.
Daraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen, bedeutet, die Ermüdung der wöchentlichen Fließband-Routine, welche im Streamingzeitalter noch stärker ins Gewicht fällt, anzuerkennen und die grundsätzliche Stärke der Format-Prämisse als zukunftsträchtiges Live-Event umzufunktionieren, das ereignisorientierten Sehgewohnheiten gerecht wird. Diese Forderung folgt aus einer generellen Annahme, das Rezipierende sich im Vergleich zu früher weniger von voraufgezeichneten Shows ansprechen lassen, denen man anmerkt, das sie ellenlang an Kette produziert wurden, sondern vielmehr an vereinzelten Terminen für (Live-)Highlights bewusst das lineare Fernsehen einschalten. Es kommt also darauf an, mehr Termine mit unterschiedlichen Programm-Marken zu bestücken, die jeweils ein bis zwei Mal im Jahr als Leuchttürme zirkulieren.

Was könnte man sich unter einer solchen Neujustierung des Ablaufs nun vorstellen? Zunächst einmal wäre anzuraten, die Gewinnsumme auf eine Millionen Euro zu steigern, um wie bei «Schlag den Raab» einen bedeutsamen Aufschlag für die Gewinnenden zu garantieren, der auch die Zuschauenden intensiver mitfiebern lässt. Damit ein Kampf um diesen Gewinn konstituiert wird, der sich über den gesamten Abend hinweg steigert, kann man auf einen Ansatz von «Genial daneben – das Quiz» zurückkommen, der vorsieht, dass Kandidaten & Kandidatinnen mit ihren Fragen im Studio auftreten. Die Teilnehmenden zogen dabei nur ins Finale ein, wenn das Panel im Multiple-Choice-Modus die falsche Antwort gegeben hat.
Jene Ausgangslage kann nun dahingehend zugespitzt werden, dass Teilnehmende/Teilnehmergruppen mit ihren Fragen live gegen das Panel antreten, welches die Antwort im freien Assoziationsmodus nicht enträtseln darf. Insgesamt ginge es dann für die Kandidaten/Kandidatinnen darum, so viele Fragen wie möglich hintereinander zu stellen, ohne dass sie vom Rate-Team aufgelöst werden. Sobald eine Frage entschlüsselt wurde, darf der Teilnehmende keine weitere mehr ans Panel richten und ist erst einmal raus – wer es letztendlich geschafft hat, die meisten Fragen durchzukriegen, tritt dann im Finale gegen den Zweitbesten um eine Millionen Euro an (an «Quizchampion» & «Schlag den Besten» orientiertes Prinzip).

Ins große Finale ziehen die zwei Teilnehmer(-Gruppen) ein, die die meisten nicht entschlüsselten Fragen durchgekriegt haben. Hier könnten sie dann aus verschiedenen Wissensgebieten und Fragen wählen, die Hugo zur Auswahl stellt. Wer die Final-Frage aufruft, die die Rätsel-Promis nicht/langsamer beantworten, gewinnt die eine Millionen Euro. In einer alternativen Variante würden die Teilnehmer(-Gruppen) direkt ins Duell mit dem Rate-Panel treten. Beide bekämen dann abwechselnd relativ kurze Zeitintervalle, um die von Hugo ausgewählte Frage diskursiv zu enträtseln. Es werden zwei schalldichte Kabinen aufgestellt, damit sie sich dabei nicht hören. Die Finalisten, die es schaffen, Hella, Wigald, Bernhard und Co. zu schlagen, indem sie zuerst die korrekte Auflösung liefern, nehmen die Million mit nach Hause.
Konzept-Optionen, die ebenfalls denkbar sind: Konträr zur Gegnerschaft zum Panel kann umgekehrt das Rate-Team auch für die Teilnehmenden spielen. Dann ginge es für jene darum, jeweils Fragen auszuwählen, die von den Promis entwirrt werden können – die Teilnehmergruppen mit den meisten aufgelösten Fragen kommen dann ins Finale. Da der Comedy-Klassiker durchaus für seinen pointierten Schnitt bekannt ist, der das tatsächliche Geschehen verdichtet, wären einige der vorgestellten Konzeptideen zur Not auch als groß aufgezogene Show-Aufzeichnung möglich, die es phasenweise aber schaffen müsste, ein Live-On-Tape-Feeling wie «Wer stiehlt mir die Show» zu kreieren.
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