Die Kritiker

«Polizeiruf 110 - Diebe»

von

Der neue «Polizeiruf 110» aus Mecklenburg-Vorpommern will besonders große Gefühle präsentieren. Ob ihm das auch gelingt?

Stab

Darsteller: Anneke Kim Sarnau, Lina Beckmann, Andreas Guenther, Josef Heynert, Uwe Preuß, Maximilian Dirr
Musik: Chris Bremus
Kamera: Marcus Kanter
Drehbuch: Elke Schuch
Regie: Andreas Herzog
Der neue «Polizeiruf 110» will seine beiden Ermittlerinnen in dieser Woche an ihre emotionalen Grenzen bringen. Das klingt spannend – schließlich funktioniert dieses Format meist dann am besten, wenn der Fall, mit dem es die Figuren beruflich zu tun bekommen, auch in ihrer ureigenen Gefühlswelt wichtige Entwicklungen auslöst und anstößt: Doch was als vielversprechender Kriminalfall beginnt, entpuppt sich schnell als nur sehr oberflächliche Inszenierung von Gefühlen, denen es die ganze Laufzeit über an Tiefe und Authentizität mangelt. Die Handlung, die den Zuschauer mit einem vermeintlichen Haushaltsunfall konfrontiert, der sich als brutaler Mord herausstellt, bietet zwar enormes Konfliktpotenzial, verliert jedoch ebenso schnell an Substanz.

Das zentrale Problem liegt dabei in der viel zu seichten Behandlung der Emotionen, die die Figuren in diesem Film durchleben. Besonders enttäuschend gerät in dieser Hinsicht die Art und Weise, wie das Team der Kripo Rostock mit den tragischen Ereignissen umgeht. Denn statt sich mit der Komplexität ihrer eigenen Gefühlswelt und dem emotionalen Innenleben der Menschen, in deren Umfeld sie ermitteln, auseinanderzusetzen, bleiben die Charaktere durch die Bank oberflächlich und eindimensional. Insbesondere Melly Böwe (Lina Beckmann), die sich in eine gefährliche emotionale Nähe zur Tatverdächtigen begibt, sucht diese Bindung nur auf sehr klischeehafte und stereotype Art. Ihre ambivalenten Gefühle werden dabei nur selten authentisch gezeigt – stattdessen wird ihre Figur als naives Opfer ihrer eigenen Empathie dargestellt, was den Charakter fast seines gesamten Glaubwürdigkeitspotenzials beraubt.

Auch Katrin Königs Konflikt mit ihrem Vater Günther Wernicke – das andere emotionale Thema dieses Films – bleibt oberflächlich und wenig überzeugend. Obwohl die Dynamik zwischen den beiden Figuren an sich hoch spannend ist, bleibt ihre Auseinandersetzung leider durchgehend auf einem simplen Schwarz-Weiß-Niveau stecken. Die Möglichkeit, die zwiespältigen Emotionen und das tiefsitzende Misstrauen von Katrin gegenüber ihrem Vater zu erforschen, wird größtenteils verschenkt. Stattdessen wird dem Zuschauer eine oberflächliche Familienfehde präsentiert, die keine wirkliche Tiefe oder Spannung bietet.

Die Nebenhandlung um die drogenabhängige Tatverdächtige und ihre Tochter wirkt indes wie ein ziemlich billiger Versuch, die Geschichte um noch mehr emotionale Themenfelder zu erweitern, ohne diese wirklich auszuarbeiten. Der Kampf um das tägliche Überleben einer unterprivilegierten Familie und ihre Verstrickung in den Mordfall hätten sehr viel dramaturgisches Potenzial gehabt, doch auch hier bleibt die Darstellung oberflächlich und wenig überzeugend.

So bekommt der Zuschauer mit «Diebe» eineinhalb Stunden lang präsentiert, was hätte sein können, nur leider nicht von der Idee auf den Fernsehbildschirm übertragen wurde. Denn statt sich mit den komplexen Emotionen und Zwischentönen der Figuren auseinanderzusetzen, verbleibt dieser «Polizeiruf 110» durchgehend auf einer oberflächlichen Ebene, die den Zuschauer unberührt zurücklässt. Es mangelt an Authentizität und Tiefe, wodurch sowohl Handlung als auch Charaktere letztendlich belanglos und uninspiriert wirken.

Der Film «Polizeiruf 110 – Diebe» wird am Sonntag, den 25. Februar um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt.

Kurz-URL: qmde.de/149304
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