Serientäter

«Wendehammer»: Zeit für eine Kehrtwende

von

Die neue ZDF-Serie will ihre Zuschauerinnen in den Wahnsinn deutscher Vororte führen. Glückt dieser Ausflug?

Darsteller

Meike Nowak - Meike Droste
Julia Arnim - Alice Dwyer
Franziska Schöller - Susan Hoecke
Nadine Jacobi - Friederike Linke
Samira Torabi - Elmira Rafizadeh
Kai Schöller - Max von Pufendorf
Ronny Nowak - Aram Tafreshian
Felix Kramer - Hyun Wanner
Hannes - Timo Jacobs
Im Wendehammer, wo Reihenhaus an Reihenhaus steht und alle die, die sich kein Reihenhaus leisten können, draußen bleiben müssen, ist die Welt noch in Ordnung. Zumindest, bis man da wohnt. Denn dann ist das Ende der Fahnenstange schon erreicht, wenn beim sommerlichen Ausflug an den See das Handy auf einmal abhandenkommt. Denn wenn man jetzt nicht erreichbar ist und gerade die Kita wegen des Nachrückplatzes anruft, dann rufen die einfach gleich den nächsten an und der Kita-Platz ist weg. Und wenn das Kind am Montag nicht in die Kita geht, kann Mama nicht arbeiten. Und wenn Mama nicht arbeiten kann, dann klappt das mit der nächsten Rate nicht. Und dann verliert man sein Haus und muss in eine kleine Wohnung ziehen, wo Tiere verboten sind, weswegen der geliebte Hund ins Tierheim muss, dort in Einsamkeit verendet, und die Kinder zuhause non-stop weinen, weil das Haustier nicht mehr da ist. Kurz gesagt: Im Wendehammer, dem Ebenbild der deutschen Mittelschicht, ist so viel emotionaler Druck auf dem Kessel, dass schon ein verschwundenes Handy den sicheren Weg in den Ruin bedeuten kann. Zumindest wenn man Meike (Meike Droste) heißt.

Dass das mit dem Kita-Platz nicht geklappt hat, bekommt sie dann in einer noch prekäreren Situation auf das Handy gespielt. Da steht sie nämlich im Hausflur eines anderen Reihenhauses im Wendehammer mit ihren drei Freundinnen vor einer verschlossenen Schlafzimmertür, hinter der deutliches Röcheln zu vernehmen ist. Dort liegt gerade der Postbote und ringt wegen seiner Katzenhaarallergie nach Luft, nachdem wegen dieses allergischen Anfalls das Schäferstündchen mit der Bewohnerin unterbrochen werden musste. Zum Glück gibt es im Wendehammer auch eine Ärztin als Nachbarin – die ist aber leider gerade im Möbelhaus und will dort einen neuen Schuhschrank kaufen. Also muss man von irgendwo anders her Asthmaspray beschaffen (in der Mittelschicht ist Asthma glücklicherweise fast Berufskrankheit) und glücklicherweise hat eine der anderen Freundinnen auch ein Brecheisen griffbereit. Selbst ist die Frau.

Zusammengeschweißt werden diese vier Frauen auf der Basis einer noch ganz anderen Leiche im Keller – ein düsteres Geheimnis, das wegen Bauarbeiten in der Nähe des örtlichen Sees bald ans Licht kommen dürfte. Doch ihren Humor baut diese Serie eher auf den extrovertierten Lebensverhältnissen der verheirateten Frauen Anfang 40 im «Wendehammer» auf, die ohne Unterbrechung in zwielichtige Situationen verstrickt werden zu scheinen. Humoristisch ist das alles aber leider ziemlich mäßig, denn weder überzeugt die Serie durch angenehmen Sprachwitz, noch durch einen besonderen Einfallsreichtum auf dem Gebiet der Situationskomik. Und während die «Doppelhaushälfte» den deutschen Vorstädtern vor ein paar Wochen im ZDF noch gehörig den Spiegel vorhielt, vergibt der «Wendehammer» jede Gelegenheit, bei der er genau dieses Ziel erreichen könnte. Am besten also: Möglichst schnell eine Kehrtwende machen und wieder raus aus diesem spießbürgerlichen Viertel fahren.

Alle Folgen von «Wendehammer» befinden sich in der ZDF-Mediathek.

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