Die Kino-Kritiker

«Halloween Kills»: Der Horror findet kein Ende

von

In der zehnten Verfilmung ist erneut wieder Jamie Lee Curtis mit dabei. David Gordon Green führte wie schon bei den vorherigen Teilen Regie.

Als im Sommer 1979 mit halbjähriger Verspätung John Carpenters «Halloween - Die Nacht des Grauens» in die deutschen Kinos kam, wussten wohl die wenigsten, welcher Brauch da aus den USA herüber geschwappt kommt. Dass der Abend vor Allerheiligen (31. Oktober) dazu genutzt wird, sich gegenseitig einen Schreck einzujagen, war hierzulande völlig fremd. Heute weiß jedes deutsche Kind, was hinter Halloween steckt und zum großen Teil ist das gewiss dem gleichnamigen Horrorfilm von 1978 zu verdanken, der längst Kult ist und mehrere Fortsetzungen und eine zweiteilige Neuverfilmung nach sich zog. Mit «Halloween Kills» kommt nun der zehnte Teil der offiziellen Filmreihe ins Kino - daran zu erkennen, dass auch Jamie Lee Curtis erneut mitwirkt. Sie wurde schon durch das Original vor 43 Jahren zur Scream-Queen erkoren und hat inzwischen sogar als Produzentin ein Wörtchen mitzureden. Ebenso John Carpenter, der tatsächlich nur den allerersten Teil inszenierte und seitdem fleißig mitverdient, wenn Kollegen die an sich unveränderliche Story vom Serienkiller, der nicht totzukriegen ist, immer wieder und wieder von Neuem erzählen.

Eine Stadt nimmt Rache
Noch glaubt Laurie Strode (Jamie Lee Curtis), dass Michael Myers (Nick Castle) in ihre Falle getappt ist und in den Flammen des von ihr in Brand gesetzten Hauses den Feuertod gefunden hat. Während sie schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert wird, versucht die Feuerwehr, den Brand zu löschen. Zu früh, wie sich schnell herausstellt, denn der Massenmörder knöpft sich sogleich die Brandbekämpfer vor, als sie sich ihm nähern und killt sie auf grausame Weise. Etliche Bürger des Städtchen Haddonfield, wo Michael Myers schon 1963 als Sechsjähriger seine elf Jahre ältere Schwester ermordete und anschließend in der Psychiatrie landete, aus der er als 21-Jähriger ausbrechen konnte, ahnen derweil, dass er weiterhin am Leben ist. Doch sie wollen nicht mehr länger in Angst und Schrecken leben, sondern sind bereit sich zu verbünden, um den Spieß umzudrehen und Jagd auf ihn zu machen. Andere hingegen sind leichtgläubiger und wollen sich ihren Grusel-Spaß zu Halloween nicht verderben lassen. Sie sind allerdings auch die ersten, die von Michael abgemurkst werden, wodurch er aber immer weiter von einem rachelüsternen Mob eingekreist wird.

Jamie Lee Curtis auf dem Abstellgleis
Gewiss ist es schwierig, sich immer wieder etwas Neues ausdenken zu müssen, um den Blutdurst hartgesottener Fans stillen zu wollen. Regisseur David Gordon Green, der 2013 für «Prince Avalanche» immerhin den Silbernen Berlinale-Bären gewann, nahm sich der erfolgreichen Horrorfilmserie 2018 an und bereicherte die Kinokassen mit dem achten Teil, der schlicht «Halloween» hieß, um mehr als 250 Millionen Dollar. Auch bei seinem zweiten Film schrieb er am Drehbuch mit - diesmal jedoch mit etlichen Verweisen auf den Originalfilm von 1978. Da kommen Figuren ins Spiel, die damals noch Kinder waren und nicht minder traumatisiert sind als die von Jamie Lee Curtis gespielte Hauptfigur Laurie Strode. Also ein «Halloween»-Film für Nostalgiker - der aber gleichzeitig eine Mogelpackung ist, weil die inzwischen 62-jährige Jamie Lee Curtis im neuen Teil gar nicht so viel zu tun bekommt wie es sich Fans gewiss wünschen würden. Sie wirkt wie auf dem Abstellgleis gestellt, womöglich auf eigenem Wunsch. Dafür hat Ur-Michael-Myers-Darsteller Nick Castle alle Hände voll zu tun, um die Spannung immer wieder nach oben zu treiben. Einmal darf er sich sogar seine in die Jahre gekommene und angekohlte Maske, bei der es sich ursprünglich um eine unbemalte Captain-Kirk-Faschingsmaske handelte, entreißen lassen und für einen kurzen Augenblick erblickt man einen sichtlich gealterten Mann.



Gott des Gemetzels
Nun handelt es sich bei der «Halloween»-Filmreihe um keine kontinuierlich erzählte Story. Mit jeder Neuaktivierung der Reihe wurden neue Handlungselemente hinzugefügt und andere ignoriert. So tat es auch David Gordon Green 2018 mit seiner neuen Trilogie. «Halloween Kills» ist nun das Mittelstück und schon 2022 soll der Gruselmythos mit «Halloween Ends» endgültig zu Grabe getragen werden. Damit verrät man nicht zu viel, dass Michael Myers auch diesmal wieder überleben wird und sich bis dahin noch einmal wahrlich als Gott des Gemetzels bewährt. Nach dem Motto: Je ekliger, desto besser. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, um zu zeigen, wie jemand auf möglichst fieseste Art zu Tode kommt. Da wird dieses Mal tatsächlich noch eine Schippe draufgelegt. Sollte darin der fragliche Reiz liegen, hat man als Zuschauer aber schnell genug davon. Nicht unbedingt, weil man zunehmend angewidert ist, sondern weil es einem schlichtweg langweilt. Wirklich gruseln kann uns Michael Myers nicht mehr.

Fazit: Halloween steht vor der Tür und damit auch Michael Myers in seinem 12. Leinwandauftritt. Diesmal wird mehr Bezug auf das Original von 1978 genommen und weitere fiese Morde präsentiert. Viel Spannung ist damit aber nicht mehr herauszuholen.

«Halloween Kills» ist im Kino zu sehen.

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