Aktuellster Neustart ist die Serie «Strange Angel», die von einem Raketen- und Okkult-versessenen Wissenschaftler erzählt. Ja, Sie haben richtig gelesen. Wie das mit Streaming-Erfolg zusammenpassen soll? Ein Erklärungsversuch…
Eine starke Marke ist «Strange Angel» noch nicht. Die neueste Serie des CBS-Streamings ist ein historisches Porträt des skurrilen Wissenschaftlers Jack Parsons, der in den 1930er Jahren große Fortschritte auf dem Gebiet der Raketenwissenschaft erzielte. Parsons interessierte sich zeitlebens für das Phantastische und Ungewöhnliche – nicht nur für Raketen und den Weltraum, sondern auch für die Okkultismus-Szene in Los Angeles, für Sex-Rituale und Kulte. Parsons machte Bekanntschaft mit vielen fragwürdigen Figuren des 20. Jahrhunderts, darunter Aleister Crowley und Scientology-Gründer L. Ron Hubbard.
Auch damit bleibt CBS strange: Statt die gesamte Staffel dem bewährten Netflix-Prinzip zufolge auf einmal zu veröffentlichen, wählt der Streamer eine wöchentliche Erscheinungsweise. Ein bisschen TV, ein bisschen Streaming also. Die handwerkliche Qualität der Serie ist hoch, ungewöhnlicherweise für CBS. Das Network steht in der Fernsehlandschaft hauptsächlich für massenproduzierte Procedural-Ware, man denke an die «NCIS»-Formate oder das frühere «CSI»-Franchise. «Strange Angel» ist zudem die erste Drama-Serie, die nicht auf einer bereits bekannten Marke basiert. Ein komplett originaler Stoff also. Die Verantwortliche für CBS All Access, Julie McNamara, erklärte die Strategie einmal so: „Auf der einen Seite haben wir «Star Trek» und «Twilight Zone». Das sind große Shows und Eckpfeiler, globale Marken, die uns viele Zuschauer bringen können.“ Auf der anderen Seite wolle man im Premium-Serienbereich einige Versuche wagen. „Was hat das Potenzial, unser «Mad Men» oder «Handmaid’s Tale» zu werden?“
Wenn CBS aber kreativ und qualitativ die Muskeln spielen lassen will, dann ist «Strange Angel» nicht das beste Beispiel. Die Serie hat weder die Kritiker auf ihrer Seite noch spricht das potenzielle Publikum in den USA darüber. Das Gegenteil hat beispielsweise Hulu mit «The Handmaid’s Tale» erreicht, das eine Art kreativer und qualitativer Durchbruch für den Streamer ist. «Strange Angel» dagegen wirkt unausgegoren, inhaltlich fast ängstlich in der Herangehensweise an den spannenden Titelcharakter. Dass die Serie ursprünglich für AMC entwickelt wurde, merkt man ihr an der langsamen, ausufernden Erzählweise an. Das Projekt CBS All Access bleibt – mit diesen Versuchen – durchaus strange.


• CSI • Discovery • Game of Thrones • Handmaid’s Tale • Mad Men • NCIS • No Activity • Room 104 • Star Trek • Star Trek: Discovery • Strange Angel • The Deuce • The Good Fight • The Good Wife • The Handmaid’s Tale • Twilight Zone
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