Sechs Jahre lang war der DFB-Pokal für den FC Bayern München ein Wettbewerb, der nicht mehr zur eigenen Erfolgsgeschichte passen wollte. Während der Rekordmeister national und international regelmäßig um Titel spielte, entwickelte sich der Pokal zu einer Art Stolperstein. Zwischen 2020 und 2025 schieden die Münchner mehrfach früh aus – teils spektakulär, teils blamabel. Niederlagen gegen unterklassige Teams oder klare Pleiten wie das 0:5 gegen Borussia Mönchengladbach im Jahr 2021 prägten das Bild. Der Nimbus der Unantastbarkeit im Pokal war dahin, stattdessen wurde jede Runde zur potenziellen Falle.In der Saison 2025/26 jedoch scheint sich das Blatt gewendet zu haben. Unter Trainer Vincent Kompany präsentiert sich der FC Bayern deutlich stabiler und fokussierter. Schon in der 1. Runde wartete mit dem SV Wehen Wiesbaden eine unangenehme Aufgabe, die die Münchner nur knapp mit 3:2 lösten. Doch gerade solche Spiele, in denen es eng wird, haben dem Team in der Vergangenheit Probleme bereitet – diesmal aber nicht. Es folgten überzeugendere Auftritte, etwa das 4:1 beim 1. FC Köln in der 2. Runde oder der kämpferische 3:2-Erfolg bei Union Berlin im Achtelfinale.
Auffällig ist dabei vor allem die veränderte Herangehensweise. Die Bayern agieren kontrollierter, weniger verspielt, dafür mit größerer Konsequenz in den entscheidenden Momenten. Im Viertelfinale gegen RB Leipzig zeigte sich diese Entwicklung besonders deutlich: Beim 2:0-Erfolg ließ der Rekordmeister kaum Chancen zu und spielte seine Qualität eiskalt aus. Spätestens mit dem 2:0 im Halbfinale bei Bayer 04 Leverkusen – immerhin einer der dominierenden Klubs der vergangenen Spielzeit – untermauerte das Team seinen Anspruch, den Pokal endlich wieder nach München zu holen.
Doch der Weg zum Titel führt über einen Gegner, der selbst eine bemerkenswerte Entwicklung genommen hat. Der VfB Stuttgart hat sich in den vergangenen Jahren unter Trainer Sebastian Hoeneß zu einer echten Spitzenmannschaft entwickelt. Hoeneß, der als Neffe von Uli Hoeneß auch eine persönliche Verbindung zum FC Bayern mitbringt, hat in Stuttgart eine klare Spielidee etabliert: offensiv, mutig und taktisch flexibel.
Besonders bemerkenswert: Stuttgart geht als Titelverteidiger ins Finale. Der Pokalsieg im Vorjahr war kein Zufall, sondern Ausdruck einer konstanten Entwicklung. Auch in der aktuellen Saison bewies der VfB Nervenstärke. Im Achtelfinale setzte man sich gegen Bochum durch, im Viertelfinale wurde Holstein Kiel klar bezwungen, ehe im Halbfinale ein hart umkämpfter 2:1-Erfolg nach Verlängerung gegen den SC Freiburg folgte. Gerade dieses Spiel zeigte, dass Stuttgart auch in engen Situationen bestehen kann – eine Eigenschaft, die im Finale entscheidend sein könnte.Das Duell im Berliner Olympiastadion verspricht daher Spannung auf höchstem Niveau. Auf der einen Seite der FC Bayern, der seine lange Pokal-Durststrecke beenden will und mit neu gewonnener Stabilität auftritt. Auf der anderen Seite der VfB Stuttgart, der den Titel verteidigen möchte und mit viel Selbstvertrauen anreist. Die Rollen sind dabei weniger klar verteilt, als es der Name Bayern vermuten lässt.
Finaltag der Amateure 2026
Ein ganz besonderer Blick gilt jedoch auch den sogenannten „kleinen Finals“ am selben Tag. Beim Finaltag der Amateure kämpfen 21 Landesverbände um ihre Vertreter für die kommende Pokalsaison – und damit um die große Chance, ab August gegen Bundesligisten oder Zweitligisten antreten zu dürfen. Genau hier entstehen oft die Geschichten, die den DFB-Pokal so einzigartig machen.So kommt es beispielsweise im bayerischen Finale zu einem echten Traditionsduell zwischen den Würzburger Kickers und dem TSV 1860 München. Beide Klubs haben bewegte Vergangenheiten und träumen davon, sich im nationalen Rampenlicht zurückzumelden. Ein Sieg würde nicht nur Prestige bringen, sondern auch die Aussicht auf ein attraktives Los in der 1. Hauptrunde – vielleicht sogar gegen einen Topklub wie Bayern oder Dortmund.
Ähnlich reizvoll ist das badische Finale, in dem der VfR Mannheim auf den SV Waldhof Mannheim trifft. Ein Stadtduell mit enormer Brisanz, das nicht nur sportlich, sondern auch emotional enorme Bedeutung hat. Der Sieger darf sich ebenfalls Hoffnungen auf ein großes Los im August machen – und damit auf ein Spiel, das für viele Amateurklubs finanziell und sportlich überragend wichtig ist.
Auch in anderen Regionen locken spannende Konstellationen: Traditionsvereine wie 1. FC Saarbrücken oder ambitionierte Drittligisten wie Energie Cottbus kämpfen um ihre Teilnahme am großen Lostopf. Gerade diese Vereine haben in der Vergangenheit immer wieder für Überraschungen gesorgt und gezeigt, dass im Pokal alles möglich ist.
Der Reiz liegt dabei nicht nur im möglichen Duell mit den Großen, sondern auch in der Perspektive. Für viele dieser Klubs ist der DFB-Pokal eine Bühne, die sie sonst kaum betreten. Ein gutes Los, ein volles Stadion, vielleicht sogar ein Sensationssieg – all das beginnt mit dem Erfolg im Landespokalfinale. Deshalb haben diese Spiele, obwohl sie im Schatten des großen Endspiels stehen, eine enorme Bedeutung. Für kleinere Vereine ist das auch ein Geldsegen, sollte knapp 150.000 Euro bekommen die Mannschaften im August überwiesen.
Der Finaltag wird damit zu einem Fest des gesamten deutschen Fußballs. Während in Berlin der neue Pokalsieger gekrönt wird, werden in ganz Deutschland die Grundlagen für die nächste Pokalsaison gelegt. Und vielleicht ist es genau einer dieser Amateurklubs, der im August für die nächste große Sensation sorgt.







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