Wirtschaft

ProSiebenSat.1 und Ebeling gehen getrennte Wege

von   |  2 Kommentare

Nach seinen Aussagen, das Publikum sei ein bisschen faul und ein bisschen fett, ist nun klar: ProSiebenSat.1-Konzernchef Thomas Ebeling wird in Kürze seinen Posten räumen müssen.

Am Ende ist der Wind zu böig geworden: Der Aufsichtsrat der ProSiebenSat.1 Media SE, die neben einer Vielzahl von innovativen Internet-Portalen auch zahlreiche große deutsche TV-Sender betreibt, und Konzern-Vorstandsvorsitzender Thomas Ebeling haben sich auf eine Auflösung der Zusammenarbeit geeinigt. Dass Ebeling den Konzern verlassen würde, stand schon fest. Bisher war man aber von grob 2019 ausgegangen. Seit Sommer drehte der Wind aber. Vor allem ProSieben ließ quotentechnisch deutlich nach, die Werbeumsätze gingen zurück, während Sender der Konkurrenz an Boden gewannen.

Vergangene Woche erklärte Ebeling die Situation und den Wettbewerb mit neuen Anbietern wie Netflix und Co. mit der unglücklichen Äußerung, das Kernpublikum von ProSieben sei ein bisschen fett und ein bisschen arm. Was er damit sagen wollte, am Ende aber niemanden interessierte: Es wird immer Publikum für klassisches Fernsehen geben, weil nicht jeder bereit sei, Geld für Inhalte zu zahlen oder diese sich selbst auszuwählen. Herübergekommen ist aber eine General-Beschimpfung des Publikums und die kostete Ebeling letztlich den Job.

Ebelings letzte Amtshandlung für ProSiebenSat.1 wird die Bilanzpressekonferenz am 22. Februar des kommenden Jahres sein. Er war 2009 ins Unternehmen eingetreten und hatte die Firma in wirtschaftlich unruhigen Zeiten in ein sicheres Fahrwasser gebracht. Seine Taktik aber war alles andere als unumstritten. Ebeling wandelte ProSiebenSat.1 vom klassischen TV-Sender zu einem Unternehmen, dass zuletzt nicht unwesentlich Geld im Bereich E-Commerce verdiente. Immer neue Zukäufte führten zu einem für Laien ziemlich undurchsichtigen Gebilde an Firmen.

Die angekündigte Drei-Säulen-Strategie wird die Wettbewerbsfähigkeit von ProSiebenSat.1 stärken und gleichzeitig einen bedeutenden Meilenstein in der Diversifikation und weiteren digitalen Transformation des Unternehmens darstellen, das nunmehr bereits mehr als 50% seiner Umsätze außerhalb des klassischen TV-Geschäfts erzielt.
Noch-ProSiebenSat.1-CEO Thomas Ebeling über die kommende Neuausrichtung
Thomas Ebeling, der selten Interviews gab, erklärte am Sonntagabend in einer Medienmitteilung: "Ich bin davon überzeugt, dass ProSiebenSat.1 seiner Erfolgsgeschichte mit den eingeschlagenen Maßnahmen weitere positive Kapitel hinzufügen wird. Die angekündigte Drei-Säulen-Strategie wird die Wettbewerbsfähigkeit von ProSiebenSat.1 stärken und gleichzeitig einen bedeutenden Meilenstein in der Diversifikation und weiteren digitalen Transformation des Unternehmens darstellen, das nunmehr bereits mehr als 50% seiner Umsätze außerhalb des klassischen TV-Geschäfts erzielt." Was genau man unter der Drei-Säulen-Strategie verstehen kann, soll noch in diesem Jahr bekannt werden. Ebeling hatte in den zurückliegenden Wochen angekündigt, das Unternehmen an die aktuellen Gegebenheiten anpassen zu wollen. Nicht wenige erwarteten daraufhin auch eine personelle Verschlankung, um die Einbußen aus dem Werbegeschäft zu kompensieren.

Wer Ebelings Nachfolger wird, ist aktuell noch ungeklärt. Zuletzt war davon ausgegangen, dass sich der Aufsichtsrat für einen von extern kommenden Kandidaten entscheiden wird. Das wurde so jetzt am Sonntag nicht bestätigt. Mit sofortiger Wirkung wird jedenfalls der schon seit zwölf Jahren zum Unternehmen gehörende Conrad Albert (Vorstand External Affairs & Industry Relations und zugleich General Counsel der Gesellschaft) stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Albert soll aber wohl nicht wirklich im Rennen sein, Ebelings Posten dauerhaft anzutreten. Der Konzern erklärte, die Ernennung diene vor allem dazu, für den Fall, dass der Nachfolger sein Amt nicht unmittelbar im Anschluss an die Bilanzpressekonferenz antreten kann, die Kontinuität im Unternehmen zu sichern und die Umsetzung der Strategie zu garantieren.

Dr. Werner Brandt, Vorsitzender des Aufsichtsrats der ProSiebenSat.1 Media SE: "Thomas Ebeling steht dem Unternehmen als Vorstandsvorsitzender seit Anfang 2009 vor und hat sich in dieser Zeit als eine der herausragenden Unternehmerpersönlichkeiten der Medienindustrie erwiesen. Ich möchte Thomas Ebeling im Namen des gesamten Aufsichtsrats für seine hervorragende Arbeit, die das Unternehmen zuletzt bis in den DAX geführt hat, sehr herzlich danken. Unsere Nachfolgesuche fokussiert auf eine Persönlichkeit, die die hervorragende Arbeit von Thomas Ebeling fortsetzt und die Diversifikation und die digitale Transformation mit ebenso unternehmerischem Weitblick weiter vorantreibt."

Brandt stellte aber klar, dass sein Gremium die kommende Drei-Säulen-Strategie ausdrücklich unterstütze. "Hiermit richten wir die Konzernstruktur auf eine sich dynamisch entwickelnde Medienlandschaft aus und legen die Basis für eine weitere nachhaltige Steigerung des Unternehmenswerts"; so Brandt. ProSiebenSat.1 bestätigte am Sonntagabend gleichzeitig die am 8. November 2017 für das Gesamtjahr 2017 aktualisierten Erwartungen und rechnet im Konzern mit einem Umsatzanstieg im mittleren einstelligen Prozentbereich und damit, das Vorjahresniveau des adjusted EBITDA (2016: 1.018 Millionen Euro) sowie des bereinigten Konzernjahresüberschusses (2016: 536 Millionen Euro) jeweils leicht zu übertreffen.

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Es gibt 2 Kommentare zum Artikel
Vittel
20.11.2017 12:15 Uhr 1
Das war wohl der einzig mögliche Schritt, dieses Fiasko irgendwie einzudämmen.
Möchte nicht wissen, was die Vertriebsabteilung dazu gesagt hat.
CaptainCharisma
20.11.2017 12:24 Uhr 2
Wenn eines Senders Programm nur aus 2 Sitcoms besteht, dann hat wohl jeder dort die selbe Meinung, über den Zuschauer. Nur wer es ausplaudert, ist eben der Dumme.

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