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Interview

TV-Kommentator Benni Zander: Es ist ein Puzzlespiel

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Der Fußball- und Basketball-Experte arbeitet für Sport1, DAZN, die Telekom und Amazon. Seine Dienstpläne sind ein Puzzlespiel. Warum er gerne „so breit aufgestellt“ ist, was er sich von der 3. Liga, die am Freitagabend bei Telekom Sport startet, erhofft und wie die Situation für den Reporter-Nachwuchs ist, hat er uns im Exklusiv-Interview verraten.

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Warum vier Auftraggeber und nicht nur einer, dort dann aber richtig viel?
Ich war bei 90elf, wäre als Jungredakteur übernommen worden und dann gingen die Rechte verloren. Ich saß dann hier in Leipzig und dachte mir: Was nun?
Benni Zander über sein Jahr 2013
Das hat mehrere Gründe. Zum einen ist da die Vielfalt der Aufgaben. Bei DAZN mache ich internationalen Fußball und ab und zu Basketball, bei der Telekom Basketball und 3. Liga. Die Telekom hat mir im Basketball damals zugetraut vor der Kamera zu agieren und mich einfach ins kalte Wasser geworfen. Inzwischen habe ich da so viel Erfahrung, dass man mir meine Aufregung nicht mehr ansieht (lacht). Für das neue Bundesliga-Angebot von Amazon werde ich wie gesagt unter anderem wieder einen Podcast machen. Die Vielfalt macht meine Wochenenden quasi so spannend. Der zweite Aspekt ist ohne Frage der Finanzielle: Wenn ein Sender mich mal exklusiv als „seine Stimme“ haben will, was bislang noch nicht vorkam, dann höre ich mir das Angebot natürlich an. Es müsste sich für mich dann inhaltlich und finanziell ganz einfach lohnen. Und noch ein Punkt spielt eine Rolle: Wissen Sie, ich bin in Sachen Übertragungsrechten ein gebranntes Kind. Ich war bei 90elf, wäre als Jungredakteur übernommen worden und dann gingen die Rechte verloren. Ich saß dann hier in Leipzig und dachte mir: Was nun? Dass fünf Jahre später alles so prima läuft, konnte ich ja nicht wissen… Von dem her bin ich froh, dass ich – auch was Auftraggeber angeht – sehr breit aufgestellt bin.

2021, wenn Champions League und Bundesliga-Rechte auslaufen, dürfte somit wieder das große Zittern anstehen.
Wissen Sie, wir arbeiten hier in einer wunderbaren Branche. Es war immer mein großer Wunsch, Teil davon zu sein. Sie werden kein Klagen und Meckern von mir hören. Ich will nur sagen, dass es nicht so ist, dass ich die komplette Woche frei habe: Alle Kommentare müssen sorgfältig vorbereitet werden. Und auch die Sache mit Rechten, die mal den Sender wechseln, ist eine Schattenseite der Medaille.

Apropos Vorbereitung: Manche Kollegen sagen, mehr als zwei Spiele pro Wochenende sollte niemand machen, weil dann Vorbereitung und letztlich die Qualität leiden. Wie machen Sie es?
Von den erfahrenen Leuten kommt immer der Tipp, sich nicht verheizen zu lassen. Da haben sie auch recht. Aber als junger Reporter bekommst du niedrigere Honorar-Sätze und deshalb ist man manchmal dazu geneigt doch noch ein Spiel mehr zu übernehmen.
Kommentator Benni Zander
Das ist tatsächlich so. In der Regel besteht mein Wochenende aus drei Tagen: Freitag bis Sonntag oder Samstag bis Montag. Mehr als ein Spiel pro Tag zu übertragen ist nicht gut. Da leidet wirklich die Qualität. Ich habe mich als vergleichsweise junger Reporter über dieses Thema auch mit Frank Buschmann unterhalten, der ja bis Sommer auch für die Telekom Basketball gemacht hat. Von den erfahrenen Leuten kommt immer der Tipp, sich nicht verheizen zu lassen. Da haben sie auch recht. Aber als junger Reporter bekommst du niedrigere Honorar-Sätze und deshalb ist man manchmal dazu geneigt doch noch ein Spiel mehr zu übernehmen. Und letztlich ist es ja auch die Leidenschaft von uns, Partie XY vielleicht auch aus Liebe zum Spiel noch kommentieren zu wollen…

Plattformen wie DAZN oder auch die Telekom werden gerne als wunderbare Spielwiese für den Reporter-Nachwuchs bezeichnet. In wie weit gibt es dort aber auch das nötige Feedback für die Neulinge? DAZN etwa bietet ja unzählige Übertragungen an…
Eine berechtigte Frage: Das klappt aber bei all meinen Auftraggebern erstaunlich gut. Ali Schmidt-Fleckensteins (Chef von thinXpool, das für die Telekom die Sportübertragungen macht, Anm. d. Red) Ansatz ist genau wie der von DAZN immer, auch den jungen Leuten eine Chance zu geben. Es ist klar, dass man die nicht Wochenende für Wochenende loslassen kann ohne ihnen Feedback zu geben. Daher gibt es in jedem Team auch alte Hasen. Wir versuchen dann da schon Rückmeldungen zu geben. Bei DAZN und auch bei der Telekom habe ich schon Coachings erlebt. Bei der Telekom gibt es in Kürze wieder eine Kick-Off-Veranstaltung der Redaktion, in dem man Absprachen trifft und notwendige Dinge an die Hand bekommt.

Sie sprachen von Ihrem vollen Outlook-Kalender: Wenn ich als Zuschauer in allen Ligen am Ball bleiben will, wäre mein Kalender am Wochenende vermutlich übervoll. Ein Sport-Overkill?
Als Schüler wäre das ja ein Traum für mich gewesen. Dann aber hätte ich mein Abi wohl nicht oder nur sehr knapp bestanden (lacht). Sie haben schon recht: Ich glaube, dass man heute einfach selektieren muss. Ich kann auch nicht alles schauen, mache dafür aber jeden Morgen meine Runde durch‘s Netz und lese gewisse Dinge nach. Grundsätzlich ist es aber toll, dass wir heute die Möglichkeit haben, so viel Sport auch live anzuschauen.

Letzte Frage: Welche der drei Telekom-Ligen (DEL, BBL und 3. Liga) verspricht nun am meisten Spannung?
Ach ja, meine Telekom-Kollegen werden mich aufziehen, aber: Ich kenne mich im Eishockey zu wenig aus, um jetzt da fundiert sprechen zu können. Was Basketball und 3. Liga angeht, werden beide Ligen sehr spannend. In der 3. Liga dürften die Absteiger Karlsruhe und Würzburg ganz oben mit dabei sein, auch Magdeburg und Wehen/Wiesbaden wurden kürzlich bei einer Trainer-Umfrage oft genannt. Ich glaube auch, dass es wieder eine Überraschungsmannschaft geben wird, so wie Regensburg in der vergangenen Saison. Im Basketball wird die Frage sein, wie gut sich die Bayern verstärken und ob sie dann an die erneuerte Bamberger Mannschaft heranrücken können. Hier stehen ja die Kader noch nicht komplett, weshalb es schwer ist. Aber: In drei Jahren Telekom Basketball habe ich insgesamt vielleicht zwei Spiele übertragen, die schon im dritten Viertel entschieden waren. Dort ist es immer spannend. Das ist auch ein Grund, warum ich nie aufhören werde, für diesen wunderbaren Sport, der mehr Aufmerksamkeit verdient hat, zu werben.

Einen guten Start in Liga 3 wünschen wir! Danke für das Gespräch.

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