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3sat und sein musikalisches Rundum-Sorglos-Paket

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Am Maifeiertag zeigt der Kultursender wieder seine zum Kult avancierte Konzertschiene «Pop Around the Clock» - und weiß auch diesmal wieder mit diversen Giganten der Musikgeschichte zu begeistern.

Bei der Übertragung von Musikkonzerten halten sich die großen deutschen Fernsehsender bereits seit einigen Jahren sehr zurück. Bestenfalls Helene Fischer und Andrea Berg sind in der Lage, ein großes Millionenpublikum damit zu begeistern, dass sie schlicht und einfach ihre eigene Musik präsentieren - doch selbst die Granden des modernen deutschen Schlagers kommen damit in der Regel nicht über die Vier-Millionenmarke hinaus. ProSieben und Sat.1 versenden in unregelmäßigen Abständen große Acts am späten Abend oder gar in der Nacht, da man auch hier um die Problematik der geringen Zugkraft weiß. Immerhin bedingt ein solches Konzert ein Interesse an einer oft mehrstündigen Präsentation von Musik eines einzigen Künstlers. Bei Fans des jeweiligen Acts mag dies gegeben sein, doch ist das Musik-Business inzwischen so stark fragmentiert, dass sich kaum mehr die Megastars finden lassen, die an einem Abend so viele Menschen vor den Fernsehgeräten versammeln, dass sich die Übertragungen bei großen Sendern profitabel gestalten. Konzerte sind also - ähnlich wie Festivals wie Rock am Ring oder Wacken - Phänomene der TV-Nische.

Bei 3sat wird man mit diesem Umstand gut leben können, immerhin geht damit einher, dass die Konzertstrecke «Pop Around the Clock» ein Alleinstellungsmerkmal besitzt und der im regulären Sendebetrieb zumeist eher wenig beachtete Kultursender zumindest für einen Tag ein beachtliches Maß an Aufmerksamkeit generieren kann. Jährlich an Silvester zeigt man über 24 Stunden lang Live-Programme großer internationaler Künstler, die sich entweder in der Vergangenheit, in der Gegenwart oder bereits seit Jahrzehnten unverändert großer Beliebtheit erfreuen und die Pop- und Rock-Welt maßgeblich prägen. Musikfans jubilieren laut angesichts dieser Fülle an Qualität, nicht wenige verbringen mehrere Stunden des Tages damit, die Mitschnitte anzuschauen - oder, was gerade das Nutzungsverhalten der heutigen Zeit zunehmend dominiert, sie mitzuschneiden.

Angesichts dieses Alleinstellungsmerkmals, die ganz großen Namen der Musikwelt gebündelt an einem Tag zeigen zu können, stört sich auch kaum jemand daran, dass der Maifeiertag traditionell wenig ambitioniert dazu genutzt wird, Wiederholungen bereits zuvor gezeigter Konzerte ein weiteres Mal zu verwerten. Seit 2002, als «Pop Around the Clock» das Licht der Welt erblickte, hält man es bereits so - Musikfans zeigen sich, gewiss auch in Anbetracht des mauen musikalischen Alternativangebots, dennoch dankbar. Hier kommt dem Konzept wohl auch zugute, dass sich Musik besser als manch andere Inhalte auch hervorragend dazu eignet, mehrfach konsumiert zu werden, ohne an Reiz zu verlieren.

Das musikalische Aufgebot jedenfalls kann sich wie gewohnt hören lassen. Los geht es in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai gegen 5:30 Uhr mit «Muse: Live at Rome». Die Show der britischen Rockband ging bereits im Juli 2013 über die Bühne und wurde - wie übrigens die meisten der gezeigten Konzerte - bereits an Silvester bei 3sat gezeigt. Anhänger des Gespanns um Matthew Bellamy können sich hiermit ein wenig warmhören für das im Juni dieses Jahres geplante Studioalbum «Drones». In Anbetracht dessen vermag es ein wenig zu überraschen, dass der Sender die Band auf diesem wenig lukrativen Slot versendet. Große Namen hat man allerdings auch unmittelbar im Anschluss zu bieten: Um 6:30 Uhr geht «Peter Gabriel: Back to Front» über den Äther, das 2013 in Großbritannien aufzeichnet wurde. Eine weitere Stunde später läuft «Sting: When the Last Ship Sails» aus demselben Jahr. Letzterer machte kürzlich durch Live-Auftritte mit Paul Simon abermals auf sich aufmerksam.

Das Aufgebot zwischen 9:30 Uhr und 15:05 Uhr

  • 09:30 - Dire Straits: On the Night
  • 10:30 - Genesis: Three Sides Live
  • 11:15 - Phil Collins: No Ticket Required
  • 12:15 - Queen: Live at the Rainbow
  • 13:05 - The Rolling Stones: From the Vault - Live in 1981
  • 14:05 - Deep Purple: Perfect Strangers
Zwischen 9:30 Uhr und 15:05 Uhr folgt eine Klassiker-Strecke mit älteren Konzerten, wobei sich hier die ganz großen Namen der Pop-Geschichte die Klinke in die Hand geben (siehe auch Infobox). Das älteste Konzert steuert Queen mit «Live at the Rainbow» bei, das bereits 1974 in London über die Bühne ging. Ein Wermutstropfen für Fans der großen Queen-Klassiker: Zahlreiche Megahits wie "Radio Ga Ga", "I Want to Break Free" oder der vielleicht größte Song der Rock- und Pop-Geschichte "Bohemian Rhapsody" werden nicht zu hören sein - sie wurden schlicht und einfach erst nach besagtem Jahr geschrieben. Das jüngste Konzert dieser Strecke ist derweil «On the Night» der Dire Straits aus dem Jahr 1992, die weiteren Aufzeichnungen stammen aus der ersten Hälfte der 80er-Jahre.

Deutlich aktueller wird 3sat nach 15 Uhr, von hier an werden nur noch Konzerte aus den Jahren 2011 bis 2014 ausgestrahlt. Den Anfang macht ZZ Top, wobei der hier gezeigte Mitschnitt von «Live at Montreux» mit 40 Minuten den geringsten Ausstrahlungsumfang aufweist. Weiter geht es mit Bryan Adams, Hall & Oates und Roxette, bevor ab 18:15 Uhr vornehmlich die etwas jüngere Generation an Musik-Liebhabern bedient wird. Der Vorabend geht zunächst an Shakira, bevor mit Kylie Minogue eine Künstlerin in die Primetime überleiten darf, die seit den 80ern nahezu omnipräsent ist. Ähnliches gilt auch für Celine Dion, deren Live-Performance «Une Seule Fois» in Kanada den wohl anspruchsvollsten Sendeplatz des Tages zu tragen hat. Bestehen in der Daytime gute Chancen, alleine durch die Anhänger der jeweiligen Künstler sowie die Hardcore-Musikfans zu üppigen Quoten zu gelangen, ist die Primetime um 20:15 Uhr traditionell der Zeitpunkt, wo mit die meisten Menschen fernsehen - und damit die größte Konkurrenzsituation herrscht.

Auch P!nk und Depeche Mode werden sich um 21 Uhr bzw. 21:55 Uhr dieser Situation stellen müssen, während 3sat nach 23 Uhr wieder ein wenig mehr in die Nische gehen kann - sofern man dies bei einer Weltklasse-Band wie Coldplay behaupten kann. Deren «Ghost Stories» stammen aus dem vergangenen Kalenderjahr, weshalb sich Fans neben Klassikern wie "Clocks" oder "Viva la Vida" auch auf die frischen Hits "Magic" und "A Sky Full of Stars" freuen dürfen. Nicht mehr ganz so aktuell ist Madonnas «MDNA Tour», die nach 2013 ab 0:05 Uhr zum zweiten Mal zu sehen ist - dafür allerdings mit üppigen zwei Stunden auch die mit weitem Abstand längste Sendezeit aller Mitschnitte umfasst. Ab 2 Uhr nachts gehen dann mit Jessie J, Emeli Sande, Max Herre und Ed Sheeran sehr aktuelle Künstler auf Zuschauerjagd, bevor Moby um 5:30 Uhr den Schlusspunkt hinter die 25-stündige Event-Programmierung setzt.

Mit diesem Aufgebot darf sich 3sat einiger Quoten-Erfolge sicher sein - vor allem zu den Tageszeiten, in denen nicht so viele Menschen fernsehen und ein harter Kern an Musikfreunden bereits für Marktanteile von zwei Prozent und mehr garantiert. Für einen Sender, der im Durchschnitt nur etwa ein Prozent der Konsumenten aufweisen kann, sind derartige Werte bereits ein voller Erfolg. Vor allem aber verschafft «Pop Around the Clock» dem in der Regel medial wenig beachteten Kulturprogramm eine gewisse Aufmerksamkeit, die mit Magazinen und Dokumentationen, also dem im Normalfall vorherrschenden Angebot, nur selten zu generieren ist. Gewiss: Der wöchentliche Satire- und Kabarett-Abend am Sonntagabend ist bereits ein Highlight, das der Programmanstalt viele Zuschauer zuspült, doch spricht es eine gänzlich andere Zielgruppe an als eine Musik-Dauerprogrammierung.

Und sicherlich darf man auch die Frage formulieren, ob ein Sender wie 3sat, der sich an ein anspruchsvolles und in der Regel wenig nach pompösen Highlights gierendes Nischen-Publikum richtet, überhaupt darauf ausgerichtet sein sollte, Aufmerksamkeit bei einer breiteren Masse zu erregen. Im normalen Tagesgeschäft ist man dazu geneigt, es zu negieren. Dennoch eignen sich Events wie «Pop Around the Clock» hervorragend dazu, sich an Feiertagen von eben jenem kulturellen und mitunter etwas verkopften Programm-Alltag abzuheben und sich damit auch ein wenig in Erinnerung zu rufen. Und wer unter anderem Queen, die Dire Straits, Deep Purple und Depeche Mode im Aufgebot hat, muss sich nun wahrlich nicht vorwerfen lassen, zugunsten des Massengeschmacks auf Qualität zu verzichten. Insofern: Viel Spaß mit 25 Stunden Live-Musik der Extraklasse, liebe Musikfreunde!

Kurz-URL: qmde.de/77919
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