Hingeschaut

«Pool Champions»: Wenn die TV-Unterhaltung kentert

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Drei Stunden Live-Langeweile konnte der RTL-Zuschauer am Freitagabend mitverfolgen. Das Tragischste daran: Drei weitere Ausgaben sollen folgen.

Es gab freilich in der jüngeren Vergangenheit nicht wenige Beispiele für misslungene Showformate beim einst so prunkvollen Sender RTL. Ob die «100.000 Euro-Show», die «Traumhochzeit» oder auch «101 Wege aus der härtesten Show der Welt» - die Macher versagten auf ganzer Linie bei der Umsetzung des Stoffes. An diesem Freitagabend startete mit «Die Pool Champions - Promis unter Wasser» ein weiteres Projekt, das sich in diese wenig ruhmreiche Liste einfügen dürfte. Über fast drei Stunden lieferte der Kölner Sender hier totale Langeweile ab, der es nicht nur an Klasse fehlte. Sogar Freunde des Trash dürften enttäuscht gewesen sein vom Gesehenen.

Konzeptionell befindet sich die Sendung irgendwo zwischen dem «TV Total Turmspringen» und «Let's Dance»: Zehn Prominente treten gegeneinander an, um den Titel des Pool-Champions einzuheimsen. Entweder im Synchronschwimmen oder im Wasserspringen müssen sie sich beweisen und werden stets direkt im Anschluss an ihre Performances von einer fachkundigen Jury (und Verona Pooth) beurteilt. Nach jedem Urteil vergibt die Jury maximal zehn Punkte, bevor anschließend das Publikum für seinen Favoriten abstimmen soll. Die vier punktschwächsten Teilnehmer müssen am Ende der Show in einem Wettschwimmen noch einmal gegeneinander antreten.

Inzwischen beinahe schon angsteinflößend liest sich die Kandidatenliste, die beinahe ausschließlich aus der hauseigenen Zucht geschöpft wird. Neben «Bachelor»-Sieger Jan Kralitschka und «Bachelor»-Kandidatin Melanie Müller lassen sich die aus «Let's Dance» bekannten Massimo Sinato und Magdalena Brzeska, Ex-DSDS-Moderator Carsten Spengemann, «GZSZ»-Schauspieler Thomas Drechsel und der Texas-Auswanderer Konny Reimann für ihre Präsenz bezahlen. Keine direkte Verbindung zur D-Promi-Wurfstation RTL lässt sich einzig bei Schlagersternchen Antonia aus Tirol, Miss Germany Caroline Noeding und DMAX-Moderatorin Lina van de Mars ziehen - große Namen allerdings klingen wahrlich anders.

Wer nicht von dieser Riege der Bedeutungslosigkeit bereits ausreichend abgeschreckt ist, dürfte spätestens nach den ersten Performances wahlweise einen anderen Sender oder gleich das hauseigene Schlafgemach konsultiert haben, denn was nach der sehr gestellt um Lockerheit bemühten Anmoderation von Nazan Eckes und Marco Schreyl an sportlichen Darbietungen folgen soll, wird den Großteil der Zuschauer kaum erreicht haben. Nach minutenlangen Einspielern der Promis folgen umso kürzere Performances im Wasserbecken, die selten wirklich gut durchexerziert wirken und somit einen arg amateurhaften Eindruck machen.

Die Jury allerdings beurteilt das Gesehene komplett konträr dazu und findet selbst bei den lausigsten Leistungen stets noch Gründe für überdurchschnittliche Bewertungen. Generell machen die vier Personen am Pult einen überaus zahnlosen Eindruck, was den ohnehin geringen Unterhaltungswert weiter verringert. Die aus «Let's Dance» bekannte Dynamik zwischen den Juroren und zum Teil auch Moderator Daniel Hartwich kommt hier kaum zustande, stattdessen führen die ohne jede Frage fachkundigen Gerd Völker, Christian Keller und Franziska van Almsick häufig ausschweifende Monologe, an deren Ende die Quintessenz meist "super toll" oder "wir danken dir für den Mut" lautet - und es Punktzahlen zwischen 23 und 35 von 40 möglichen Punkten gibt, obgleich wirklich katastrophale Leistungen zu sehen sind.

Immerhin: Während die Show größtenteils den Thrill eines Geplantsches im Kinderbecken hat, dafür jedoch umso mehr in die Länge gezogen wird, fällt die Verkündung der Entscheidung am Ende der Show wohltuend rasant aus. Als Marco Schreyl bei Jan Kralitschka temporär in alte Verhaltensmuster zurückfällt und über die "großen Momente", die der Bachelor an diesem Abend angeblich irgendwem beschert haben soll schwadroniert, macht die eingeblendete Grafik dem Spannungsaufbau einen Strich durch die Rechnung und verkündet schon vorzeitig das Publikumsergebnis. Es wirkt in diesem Moment wie eine Botschaft, die von Seiten der Techniker an ihn gerichtet wird: "Sag schon das Ergebnis, wir wollen alle nur noch, dass es ein Ende nimmt."

Doch tragischerweise nehmen die «Pool Champions» noch kein Ende: Acht von zehn Teilnehmern qualifizieren sich schlussendlich für die zweite von insgesamt vier Ausgaben. Wie man diese ohne Aufputschmittel überstehen soll, ist dem Betrachter nach der Auftaktfolge aber ein komplettes Rätsel. Nach drei Stunden pseudo-professionellen Performances auf viel zu schwachem Niveau, einer inspirationsarmen Jury, langen Einspielern bei sehr kurzen Wasser-Performances und mäßigen Moderationen von Eckes und Schreyl fragt man sich ernsthaft, warum man sich dieses Event noch einmal antun sollte. Es gab nichts zu Staunen, nichts zu Lachen und selbst das RTL-typische Fremdschämen blieb weitgehend aus. Und ob nun Antonia aus Tirol oder Caroline Noeding diesen hoch relevanten Titel gewinnen, dürfte auch in erster Linie nur für das Festgeldkonto der beiden von Relevanz sein.

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