Die Kritiker

«Die Küsten des Nordens»

von

Story


Die raue Nordsee, die sanfte Ostsee, Insel-Lifestyle, prickelnde Luft, über 1.000 Kilometer Strand, Städte mit maritimer Hansetradition und die größte zusammenhängende Wattlandschaft der Welt. An Deutschlands Küsten gibt es viel zu entdecken, denn Natur und Mensch sind hier in einzigartiger Weise voneinander abhängig. Die Dokumentation zeigt in Verbindung mit einzigartigen Luftaufnahmen und interessanten Portraits, wie die deutsche Küstenlinie von den Menschen geprägt wurde und wie die Küste die Menschen und ihre Berufe geprägt hat.

Kritik


Der Norddeutsche Rundfunk besinnt sich wieder einmal auf seine heimatlichen Wurzeln und produzierte mit der Dokumentationsreihe «Die Küsten des Nordens» ein Format, das dem geneigten Zuschauer den Zauber des Nordens und die Leben der Küstenbewohner präsentiert. Wer jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlägt und die hundertste Biografie eines narbenzerfurchten Wattführers erwartet, darf beruhigt sein: Die Dokumentation entstand im Sommer 2009 in Zusammenarbeit mit arte von einem Team um die Regisseure Wilfried Hauke und Christian Schidlowski, die als Produzenten und Dokumentarfilmer bereits weltweit die Schönheit der Natur auf Film bannten, und hat trotz «Bilderbuch Deutschland» und unzähliger Einzelportraits Norddeutschlands seine Daseinsberechtigung.

In einer Stunde führt die Reise der ersten Folge von Lütje Hörn bei Borkum vorbei an den Ostfriesischen Inseln bis nach Hamburg. Neben wunderschönen Luftaufnahmen Ostfrieslands und der natürlichen Schönheit des Wattenmeers bietet die Dokumentation dabei geschichtliche Hintergründe des stetigen Wandels der Küstenlinien und zeigt traditionelle Rituale, die bis heute das Bild und das Leben an den Küsten des Nordens bestimmen. Durch Portraits von Bewohnern und ihren teils einzigartigen Berufen wird die Reihe lebendig: Natürlich, mit Kurt Knittel ist auch Wattführer dabei – aber mal ehrlich, der gehört doch einfach dazu. Exotischer wird es dann aber mit dem Schäfer Harald Nordmann, dessen Schafe die Grasnarbe der Deiche schützen, mit Jan-Lüppen Brunzema, der seit 1980 als Pilot Versorgungsflüge zwischen den Inseln tätigt und in den Sommermonaten über 1200 Filmrollen für die Inselkinos transportiert, oder mit Erhard Djuren, dem einzigen Reusenfischer, der noch auf traditionelle Weise mit einem Hundeschlitten durch das Watt fährt, um seinen Krabbenfang zu sichten. Von den Segelmachern in Stade geht es dann weiter zu den Schiffslotsen im Hamburger Hafen, die zwischen der Tradition ihres Handwerks und der Moderne stehen.

In insgesamt sechs Folgen, aufgeteilt in drei Nordsee- und drei Ostsee-Folgen, lernt der Zuschauer fast 2000 Kilometer Küstenlinie kennen, begibt sich auf die Spuren interessanter Traditionen und Berufe und stellt dabei immer wieder staunend fest, dass die Globalisierung vor so manchem Insel- oder Küstendörfchen Halt gemacht hat – zum Glück. Sicher, dem aufmerksamen NDR-Zuschauer und interessierten Dokumentarfilmliebhaber werden solche oder ähnliche Portraits und Fakten zum Teil sicher bekannt sein, doch ganz dem alten Wahlspruch «Deus mare, Friso litora fecit» (Gott schuf das Meer, der Friese die Küste) der Ostfriesen folgend, kann die Dokumentation vermitteln, wie das in Deutschland wohl einzigartige Zusammenspiel zwischen Mensch und Natur funktioniert, funktionieren muss. Freunden von Deutschlands Norden bietet die Reihe eine spannende und abwechslungsreiche Reise, bei der qualitativ keine Abstriche gemacht wurden.

Der NDR zeigt die erste Folge «Die Küsten der Nordsee» am Freitag, den 10. September 2010, um 20:15 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/44394
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