Die Kino-Kritiker

«Forrester - gefunden» - Abschied von Sean Connery

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Mit dem Spielfilm ist Regisseur Gus Van Sant eines der besten Werke mit Connery gelungen.

Am 31. Oktober ist nicht nur ein weiterer Filmstar von uns gegangen, sondern jemand, der vielen etwas bedeutet hat, mit dem Generationen von Kinogängern großgeworden sind. Den 90. hatte Sean Connery am 25. August noch geschafft. Er starb in Nassau auf den Bahamas - dort, wo er auch einige Male als James Bond vor der Kamera stand. Eine Paraderolle des Schotten, zu der er während seiner Schaffenszeit eine Art Hassliebe entwickelt hatte.

Bond verhalf ihm zwar zum Durchbruch, und doch strebte Connery stets nach ausgleichenden Rollen. Eine seiner Lieblingsrollen spielte er vor 20 Jahren. Einen schottischen Schriftsteller namens William Forrester. Dafür legte er sich nochmals richtig ins Zeug, stellte den Film «Forrester - gefunden!» sogar höchstpersönlich auf der Berlinale vor und gab der Presse sogar Interviews. 2003 vollendete Connery mit «Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen» seinen letzten Film, der ihn so enttäuschte, dass er seine Karriere beendet. So bleibt «Forrester - gefunden!» wohl Connerys eigentliches Vermächtnis an seine Fans.

Keine Lust mehr auf Öffentlichkeit
Vor vielen Jahren hatte es William Forrester (Sean Connery) geschafft, einen der bedeutendsten Romane des 20. Jahrhunderts geschrieben zu haben. Seitdem lebt er zurückgezogen in New York und hat kein weiteres Buch mehr veröffentlicht. Erst das schriftstellerische Talent eines 16-jährigen Jungen weckt in Forrester ein gewisses Interesse. Jamal Wallace (Rob Brown) ist ein unterprivilegierter Afroamerikaner, der mit seinem Talent die Chance auf ein besseres Leben in den Händen hält. Dessen ist sich Forrester bewusst, weshalb er Jamal helfen will, seine Fähigkeiten auszubauen.

Einzige Bedingung: Er darf davon niemanden etwas erzählen, denn sein Mentor meidet die Öffentlichkeit nicht ohne Grund. Durch eine Dummheit nimmt Jamal an einem Schreibwettbewerb an seiner Schule teil und verwendet Textpassagen, die eigentlich von Forrester stammen. Professor Robert Crawford (F. Murray Abraham, der bereits in «Der Name der Rose» als Connerys Gegenspieler agierte), die von vornherein nicht davon begeistert war, einen Jungen von der Straße auf einer Eliteanstalt studieren zu lassen, sieht seine Stunde gekommen und bezichtigt Jamal des Plagiats. Einem Rausschmiss kann er nur zuvorkommen, wenn er den Namen des Autors verrät, der die Texte im Original verfasst hat. Forrester erfährt von dem Dilemma und wagt sich erstmals wieder vor die Tür, um seinen jungen Freund aus der Bredouille zu retten.

Konflikte in der Kunst
Seinerzeit musste sich Regisseur Gus Van Sant («My Private Idaho») den Vorwurf gefallen lassen, «Forrester – gefunden!» würde zu sehr seinem zwei Jahre zuvor erschienenen Film «Good Will Hunting» ähneln. Tatsächlich geht es in beiden Filmen um junge Kerle mit einer außergewöhnlichen Gabe, die von einem Mentor in die richtige Bahn gelenkt werden müssen. Was ist dagegen eigentlich einzuwenden? Und dennoch ist der entscheidende Unterschied in den Figuren zu finden. Matt Damons Darstellung in «Good Will Hunting» war wesentlich rebellischer als die von Rob Brown, die längst kapiert hat, wohin ihn das Schicksal treiben wird.

Ebenso unterscheidet sich das Spiel eines Komikers wie Robin Williams in «Good Will Hunting» doch wesentlich von dem eines erhabenen Sean Connery, den sich Fans lange Zeit nicht von ungefähr als idealen Gandalf in «Der Herr der Ringe» vorgestellt haben. In den letzten Jahren seines Wirkens hat der Ur-Bond immer mal wieder die väterliche Figur übernommen. Und was er in «Indiana Jones und der letzte Kreuzzug» oder «The Untouchables» schaffte, sollte ihm auch in «Forrester – gefunden!» gelingen. Davon lebt dieser Film letztendlich, dass ein jeder ihn sich als Vorbild nehmen würde, dem man nacheifern will, dem man jedes Wort glaubt.

Connerys Charisma füllt die an sich seichte Story über einen Jungen, der es von unten ganz nach oben schaffen könnte. Es sind die Auftritte von Sir Sean, auf die man hier wartet, und wenn er gegen Ende mit Fahrrad statt Aston Martin quasi in den Sonnenuntergang fährt, ergibt das ein wunderbares Abschiedsbild.

Fazit: Ein kleiner Film mit einem großen Star, der eine erneute Würdigung verdient.

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