Interview

Charly Hübner: ‚Die Szenenbauer trugen damals schon FFP2-Masken‘

von   |  1 Kommentar

Seit rund einer Woche ist bei Sky Deutschland die Horror-Serie «Hausen» aufrufbar. Quotenmeter sprach mit Charly Hübner über das Set und dass die Verantwortlichen noch vor Corona besondere Masken trugen.

Seit Halloween will uns auch Charly Hübner (47) das Fürchten beibringen. In der neuen Horrorserie «Hausen» (bei Sky streambar) spielt er die Rolle des Hausmeisters, der mit seinem Sohn (Tristan Göbel) das Böse, das von den Bewohnern eines Wohnblocks Besitz ergriffen hat, bekämpft. Ein ungewöhnliches Genre für den Schauspieler aus Neustrelitz, den man eher aus Dramen («3 Tage in Quiberon») und Komödien («Magical Mystery») kennt. Immerhin führte ihn «Hausen» in seine alte Heimat Berlin zurück. Hier studierte Hübner an der Ernst-Busch-Schauspielschule und bekam am Maxim-Gorki-Theater und an der Schaubühne erste Theaterengagements. Wir sprachen mit ihm über diese Zeit und darüber, was «Hausen» mit Corona verbindet.

«Hausen» wurde in Berlin gedreht. Nur wo steht dieser imposante Hochhauskomplex, der als Schauplatz diente?
Ich habe von der Produktionsfirma ein Schlüssel in die Hand bekommen, was ich sagen darf oder nicht. Sagen wir mal so, es steht im Nordosten von Berlin und ist ein altes sechs- oder siebenstöckiges Krankenhaus, das 30 Jahre lang nicht angefasst wurde. Da ist ein Zaun herum und dahinter beginnt Brandenburg.

Das heißt, man darf da ohne weiteres nicht herein?
Wir durften auch nur in bestimmte Räume rein, weil die meisten anderen mit Mikrofasern versetzt sind. Die sind feiner als Glaswolle, und nun löst sich nach und nach die Bausubstanz auf. Wenn du da ohne Maske reingehst, kriegst du davon ordentlich viel in die Bronchien.

Klingt gefährlich. Wie sicher fühlten Sie sich auf dem Filmset?
Das war alles vom TÜV abgenommen worden, ansonsten hätten wir da gar nicht drehen dürfen. Es gab überall Verbotsschilder, sodass man immer wusste, wohin man durfte oder nicht. Die Szenenbauer haben vorher das Set für uns klar gemacht und trugen dabei schon FPP2-Masken. Jetzt tragen wir alle Masken.

Haben Sie eigentlich mal in einem Plattenbau gewohnt?
Direkt nach dem Abitur in der Heimat. Das war so eine typische DDR-Plattenbausiedlung, in der ich mit meiner damaligen Freundin wohnte. Das war sehr ungewohnt für mich, überall Geräusche zu hören, wie sich jemand die Haare föhnt oder in die Posaune bläst. Ich war es bis dahin gewöhnt, dass man aus dem Haus kommt und quasi gleich im Wald steht.

Für «Hausen» wohnten Sie ja wieder länger in Berlin, wo Sie viele Jahre selbst gehaust haben, wenn man das mal so sagen darf…
Ja, nördlich der Kantstraße hatte ich während dieser Zeit in einer angemieteten Wohnung gewohnt. Da bin ich ganz gern, weil sich da alles so mischt, was früher die ganze Stadt ausgezeichnet hat. Linkes Bildungsbürgertum trifft auf viele osteuropäische und nordafrikanische Einwanderer, und die alten Berliner wohnen da auch noch. Das ist ein super Kiez.

Kommen wir nochmals auf «Hausen» zurück, eine Serie, bei der man sich gern gruseln darf. Schauen Sie sich auch selber gern solche Genre-Filme an?
Die guten Horror- oder Mystery-Serien sind ja immer größer als der einzelne darin, weil sie wie eine Symphonie darüberstehen. In «Hausen» ist es das Bild einer Apokalypse, an deren Rand man sich permanent bewegt. Die Menschen verhalten sich dabei wie in einem Trauma. Es ist wie ein Stillstand, und es braucht jemanden, der sie erlöst oder rettet.

Stillstand – angesichts Corona erleben wir alle das ja auch gerade selbst…
Kurz vor Drehschluss dachten wir, wenn das nicht mal eine Serie wird, die etwas erzählt, was einem gar nicht so fremd wird.

Wie ist es Ihnen damit bisher ergangen?
Dass sich die Leute zurückziehen müssen, Veranstaltungen nur unter Auflagen stattfinden dürfen, ist schon sehr unfassbar. Wie sieht das im Inneren der Menschen aus? Wie träumen sie in diesem permanenten Schatten des Misstrauens? Wer kann mich anstecken? Die Lähmung, die da zwischenmenschlich spürbar wird, ist neblig.

Beängstigend, oder?
Ich kann das nicht mit Angst betrachten. Es ist jetzt da. Ein Umbruch, eine neue gesellschaftliche Erfahrung. Das ist ja auch zivile Evolution – im Moment mit offenem Ausgang.

Wie sehr wurden Sie durch Corona k.o. gesetzt?
Nach unserer Generalprobe von COOLHAZE am Schauspielhaus in Hamburg wurde das Theater geschlossen und alle Pläne vertagt. Zwei Dreharbeiten ebenso. Nach dem Sommer begannen wir dann mit Lars Jessen und Jan G. Schütte einen Improfilm zu drehen in diesen Zeiten. Der Arbeitstitel des Films lautet «Die Clique von 1990». Da geht es um einen Banker, der an Corona verdient hat und nach 30 Jahren seine alte Clique abfährt. Alle sagten, Corona sollte man jetzt nicht zum Thema machen, aber wir haben es probiert. Mal sehen, wie so ein Fernsehfilm in fünf Jahren wirkt, wenn man sich mit Ellenbogen begrüßt und gefragt wird ob man immer noch an den CoViD glaubt?

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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
Sentinel2003
05.11.2020 13:59 Uhr 1
Was für völlig unterschiedliche Kritiken die Serie schon bekommen hat!! Aber, ich selbst habe weiterhin null Bedürfnis!

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