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Neue Reality «M.O.M.»: Joyn springt zu spät auf den Datingshow-Zug auf

von   |  1 Kommentar

In Joyns erster Realityshow erwarten den Zuschauer zwei Männer, sieben "Missys" und sieben "Milfs". Was nach einem Konzept mit Potenzial klingen mag, erweist sich als ziemlich beliebige Datingshow, die mit anderen Genre-Vertretern nicht mithalten kann...

RTL, VOX und TV Now geben sich schon seit Jahren große Mühe dabei, möglichst viele Singles in diesem Land zu verkuppeln. Und tatsächlich: Von den «Bachelor»-Formaten über «Temptation Island» und «Paradise Hotel» bis hin zu «First Dates» und seinem Primetime-Ableger hat das Spektrum an existierenden Dating-Formaten innerhalb der Mediengruppe RTL inzwischen eine erhebliche Bandbreite erreicht. Der Streamingdienst Joyn, der bislang noch nicht mit entsprechenden Ideen experimentiert hat, möchte auf diesem Terrain nun ebenfalls mitmischen und startet mit «M.O.M. - Milf oder Missy» seine ersten eigenproduzierte Realityshow.

Das Konzept des Formats, bei dem es sich um eine klassische Datingsendung handelt, ist schnell erklärt. In «M.O.M. - Milf oder Missy» treffen der 28-jährige Marko und der 57-jährige Felix auf Single-Damen, die sich altersmäßig zwischen Mitte 20 und Mitte 40 bewegen. Sieben davon sind die sogenannten Milfs - also Frauen um die 40 und älter, sieben weitere stellen die Missys dar, die sich in ihren 20ern befinden. In insgesamt zehn Folgen lernen die zwei Männer die 14 Damen in verschiedenen Situationen kennen und hoffen, dass der Funke überfliegt.

Man könnte auch sagen, «M.O.M» ist die gealterte Version vom «Bachelor» mit gleich zwei Junggesellen, bei der auf Glanz und Glamour weitestgehend verzichtet wurde.

Das spannendste bei «M.O.M» ist fast schon, mit welcher Selbstverständlichkeit in der Sendung mit dem Wort „Milf“ umgegangen wird. Bedenkt man, dass das die Abkürzung für „Mom I’d like to f*ck“ ist, reibt man sich im ersten Moment doch verwundert die Augen. Dass eine der älteren Damen sogar als „Mega-Milf“ angekündigt wirkt, ist in der Hinsicht vielleicht der Höhepunkt des Absurden, der den Zuschauer in den ersten beiden Folgen erwartet. Sonst passiert in der Sendung relativ wenig, was auch an den verhältnismäßig uninteressanten Charakteren liegt.

Single-Mann Felix, der Senior, könnte mit seinem materiellen Lebensstil zwar der Vorsitzende des Wolfgang-Kubicki-Fanclubs sein, sorgt aber nicht für besondere Sympathien. Marko, der Junior, fällt altersmäßig in die Zielgruppe hinein, bleibt abgesehen von einigen witzigen O-Tönen ("Also Gabriela reizt mich in einer Hinsicht, was das Geheimnisvolle betrifft - sie ist Vegetarierin") charakterlich noch blasser. Ähnliches gilt für die 14 Kandidatinnen. „Guter Sex ist mir sehr, sehr wichtig“, sagt eine der Missys, die damit vor einigen Jahren vielleicht noch Aufmerksamkeit erzielt hätte, in einer 2020er-Datingshow so aber nicht hervorsticht. „Alter ist nur eine Zahl“, hält eine andere Dame fest, was ja ziemlich klar ist, weil dieses Format sonst nicht funktionieren würde. Eine dritte betont, sie betrachte das Leben mit einer gewissen "Ernstigkeit" - good to know...

Überhaupt gerät die Vorstellung der Akteure zu Beginn der ersten Folge ziemlich zäh. In dieser Hinsicht steigen andere Genre-Vertreter inzwischen sehr viel schneller ins Geschehen ein und holen die Einführung der Charaktere teilweise im Laufe der Folgen nach. Was besonders schade ist: Aus dem potenziellen Konflikt zwischen Jung und Alt macht die Sendung viel zu wenig - um nicht zu sagen gar nichts. Dabei wäre genau das der Punkt gewesen, in dem sich die Produktion von anderen Genre-Vertretern unterscheiden könnte.

Hinzu kommt, dass «M.O.M» seinen Zuschauern auch optisch zumindest zu Beginn verhältnismäßig wenig bietet. Während die erste Folge in einem Hotel spielt, wurde die zweite größtenteils bei den Single-Männern zu Hause gedreht, was sich leider negativ auf das visuelle Erlebnis auswirkt. An dieser Stelle ist der geneigte Datingshow-Zuschauer längst gewohnt, dass Sendungen dieses Genres auf anderen Kontinenten oder zumindest in traumhaft schönen Luxus-Villen irgendwo an Pools oder am Meer entstehen. «M.O.M.» setzt hier zunächst nur auf die abgespeckte Version.

Wäre «M.O.M.» eine Produktion für das lineare Fernsehen, würde man die Sendung am ehesten im Sonntagnachmittags-Programm irgendeines Privatsenders vermuten. Sie ist solide Unterhaltung für einen verregneten Sonntagnachmittag, sie ist nettes Beiwerk - nicht weniger, aber auch nicht mehr. Dass sich «M.O.M.» in der Primetime bei Sat.1 oder ProSieben ernsthaft beweisen und halten würde, ist kaum vorstellbar.

Obwohl an «M.OM.» nichts wirklich schlecht ist, vermittelt die Sendung auf der anderen Seite kaum einen echten Einschaltimpuls. Vor sechs oder sieben Jahren, als neben dem «Bachelor» noch wenig los war auf dem Datingshow-Markt, hätte «M.O.M.» womöglich für mehr Aufmerksamkeit gesorgt und besser funktioniert. Heute braucht es schon ein besonderes Konzept, irgendeinen Kniff, außergewöhnliche Charaktere oder beeindruckende Bilder und Kulissen, um sich von der Masse der Datingshows abzuheben. Die neue Joyn-Sendung hat von alledem nichts, trotz des Konzepts mit jungen und alten Singles bleibt sie mittendrin in der Beliebigkeit. Vielleicht kommt sie einfach auch ein paar Jahre zu spät.

Die ersten beiden Folgen von «M.O.M. - Milf oder Missy» sind ab sofort online abrufbar bei Joyn.

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Kingsdale
10.05.2020 13:40 Uhr 1
Ich sag nur OMG

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