In Joyns erster Realityshow erwarten den Zuschauer zwei Männer, sieben "Missys" und sieben "Milfs". Was nach einem Konzept mit Potenzial klingen mag, erweist sich als ziemlich beliebige Datingshow, die mit anderen Genre-Vertretern nicht mithalten kann...
RTL, VOX und TV Now geben sich schon seit Jahren große Mühe dabei, möglichst viele Singles in diesem Land zu verkuppeln. Und tatsächlich: Von den «Bachelor»-Formaten über «Temptation Island» und «Paradise Hotel» bis hin zu «First Dates» und seinem Primetime-Ableger hat das Spektrum an existierenden Dating-Formaten innerhalb der Mediengruppe RTL inzwischen eine erhebliche Bandbreite erreicht. Der Streamingdienst Joyn, der bislang noch nicht mit entsprechenden Ideen experimentiert hat, möchte auf diesem Terrain nun ebenfalls mitmischen und startet mit «M.O.M. - Milf oder Missy» seine ersten eigenproduzierte Realityshow.
Das spannendste bei «M.O.M» ist fast schon, mit welcher Selbstverständlichkeit in der Sendung mit dem Wort „Milf“ umgegangen wird. Bedenkt man, dass das die Abkürzung für „Mom I’d like to f*ck“ ist, reibt man sich im ersten Moment doch verwundert die Augen. Dass eine der älteren Damen sogar als „Mega-Milf“ angekündigt wirkt, ist in der Hinsicht vielleicht der Höhepunkt des Absurden, der den Zuschauer in den ersten beiden Folgen erwartet. Sonst passiert in der Sendung relativ wenig, was auch an den verhältnismäßig uninteressanten Charakteren liegt.
Überhaupt gerät die Vorstellung der Akteure zu Beginn der ersten Folge ziemlich zäh. In dieser Hinsicht steigen andere Genre-Vertreter inzwischen sehr viel schneller ins Geschehen ein und holen die Einführung der Charaktere teilweise im Laufe der Folgen nach. Was besonders schade ist: Aus dem potenziellen Konflikt zwischen Jung und Alt macht die Sendung viel zu wenig - um nicht zu sagen gar nichts. Dabei wäre genau das der Punkt gewesen, in dem sich die Produktion von anderen Genre-Vertretern unterscheiden könnte.
Wäre «M.O.M.» eine Produktion für das lineare Fernsehen, würde man die Sendung am ehesten im Sonntagnachmittags-Programm irgendeines Privatsenders vermuten. Sie ist solide Unterhaltung für einen verregneten Sonntagnachmittag, sie ist nettes Beiwerk - nicht weniger, aber auch nicht mehr. Dass sich «M.O.M.» in der Primetime bei Sat.1 oder ProSieben ernsthaft beweisen und halten würde, ist kaum vorstellbar. 

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10.05.2020 13:40 Uhr 1