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Aus Anstand: RTL ersetzt Virus-Thriller durch Wohlfühlkino

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Tom Hanks, der derzeit in Quarantäne sitzt, wird am Sonntagabend bei RTL keine Seuche bekämpfen.

Manche Fernsehvernarrte werden sich erinnern: Als Papst Johannes Paul II. Anfang April 2005 nach langem Leiden gestorben ist, änderten viele deutsche Fernsehsender ihr Programm. ProSieben dagegen hielt unbeirrt an seinem Fernsehplan fest – was dazu führte, dass parallel zu den diversen Sondersendungen in der deutschen Fernsehlandschaft bei der roten Sieben der Actionfilm «Stirb langsam 2» gezeigt wurde. Die Quote hat damals gestimmt, doch das Echo im Blätterwald war vernichtend. Nun, fast 15 Jahre später, ist offenbar jemandem in der RTL-Programmzentrale aufgefallen, was man für diesen Sonntagabend im Sendeablauf stehen hat – und hat mit einer Programmänderung dafür gesorgt, dass RTL nicht ähnliche Schelte einstecken muss wie einst ProSieben.

Denn für diesen Sonntag, den 22. März 2020, stand als 20.15-Uhr-Spielfilm bis vor wenigen Minuten noch die Dan-Brown-Romanverfilmung «Inferno» auf dem Plan. In dem Film mit Tom Hanks geht es darum, dass die vom zweifachen Oscar-Preisträger gespielte Figur Prof. Robert Langdon vollkommen irritiert und mit massivem Gedächtnisverlust in einem hektischen italienischen Krankenhaus erwacht und nach und nach herausfindet, dass eine tödliche Seuche entwickelt wurde, mit der sich innerhalb kürzester Zeit der Großteil der Bevölkerung infizieren würde. Nun hängt es am geschwächten Langdon, die Freisetzung des Virus aufzuhalten ...

Eine schnell um sich greifende Seuche, der positiv auf Covid-19 getestete Tom Hanks und Italien, in dem das Coronavirus in Europa sehr früh und stark ausbrach: Zu viele thematische Brandherde für diese Zeit. Daher wirft RTL den Thriller aus dem Programm und zeigt stattdessen ab 20.15 Uhr den beliebten und romantischen Filmklassiker «Dirty Dancing». Ab 22.10 Uhr wird jedoch weiterhin der bereits längst für kommenden Sonntagabend angekündigte James-Bond-Film «Ein Quantum Trost» gezeigt. Darin geht es um Superschurken, die künstlich eine Wasserknappheit erzeugen, um Vorräte des lebensnotwendigen und erquickenden Nass zu horrenden Preisen zu verschachern. Auch dieser Plot reißt ein zeitgemäßes, brenzliges Thema an – jedoch ist der während eines Autorenstreiks entstandene Film erstens zu konfus, um das mit voller Wucht deutlich zu machen, und zweitens brennen andere Themen der breiten Masse derzeit (wohl auch verständlicherweise) mehr unter den Nägeln.

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