Interview

Sport-Dienst DAZN mit Ausblick und Rückblick: 'Stagnation ist nicht in unserer DNA'

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Michael Bracher ist bei DAZN für das Programm zuständig und spricht mit Quotenmeter.de über 2019 und 2020. Wie zufrieden ist er mit den Bundesliga-Produktionen von DAZN? Wie bewertet er die DAZN-«GoalZone». Außerdem Thema: Boxen, US-Sport und MotoGP.

Zur Person: Michael Bracher

Michael Bracher ist bei DAZN "Head of Programming" und gilt als Spezialist für den Aufbau und die Führung des Redaktions-, Kommentatoren- und On-Air-Promotion-Teams . Die über 100 Mann starke Redaktion wird am Produktionsstandort München-Ismaning für DAZN arbeiten. Bracher war schon für die erfolgreiche Markteinführung der IPTV-Plattform "LIGA total!" mitverantwortlich und zuvor in leitender Funktion bei Sat1, Sport1/DSF sowie zuletzt bei ServusTV tätig.
DAZN zeigt seit August die Bundesliga live. Wie fällt Ihr Fazit der Hinrunde aus?
Sehr positiv! Trotz sehr kurzer Vorbereitungszeit konnten wir mit Beginn unseres erworbenen Rechte-Pakets technisch und inhaltlich überzeugen. Zudem haben wir neue Produktionsmaßstäbe setzen können, die beim Zuschauer sehr gut ankommen.

Ich weiß, dass DAZN keine genauen Angaben zur Nutzung macht. Darf ich aber davon ausgehen, dass die Bundesliga zu den meistgenutzten Inhalten der Plattform gehört?
Davon können sie ausgehen.

Welche Planungen gibt es für die Rückrunde?
Unsere Zuschauer sind mit der Qualität unserer Übertragung mehr als zufrieden. Deshalb gehen wir mit demselben Team in die Rückrunde, das in der Hinrunde qualitativ herausragende Arbeit geleistet hat. Das gilt sowohl für unsere Moderatoren und Kommentatoren als auch für unsere Experten und Field-Reporter, die mittlerweile in der Szene einen hervorragenden Ruf genießen. Und in Bezug auf Ideen: lassen sie sich überraschen. Wir haben viele!

Kritisch betrachtet, ist es sicherlich nicht optimal, wenn bei vermeintlich schwächeren Spielen wie Augsburg gegen Hoffenheim am Ende nur drei bis vier Minuten Vorberichte übrigbleiben. Werden Sie auch kleineren Klubs mehr Sendezeit einräumen?
Drei bis vier Minuten Vorlaufzeit wäre mir neu. Die Realität sind 5-6 Minuten zuzüglich der fünf Minuten vor dem Anstoß. Wir senden bewusst keine endlos langen Vorläufe. Unser Credo: Weniger ist mehr! Aber das "Wenige" ist viel mehr, als das, was teilweise bei in anderen Formaten in 30, 60 oder 90 Minuten Vorlauf gezeigt wird. Zeit ist auch für den Zuschauer ein immer wichtiger werdender entscheidender Faktor. Zudem kann sich unser Zuschauer jeglichen Inhalt vor dem Spiel auf der Plattform selber zusammenstellen und seinen persönlichen Vorlauf nahezu unbegrenzt verlängern, oder auch verkürzen.

Man muss Sie ja in diesen Tagen beglückwünschen: DAZN ist ab Sommer 2021 Großteils exklusiver Champions-League-Partner. Sie haben damit Planungssicherheit für 4,5 Jahre, was im Spitzenfußball eine echte Seltenheit ist. Wird sich die Rechteentscheidung schon auf Form und Ausgestaltung der im Frühjahr kommenden Spiele auswirken?
Wir bitten um Verständnis, dass wir zum Ausschreibungsprozess der UEFA Champions League 2021 bis 2024 aktuell keinen Kommentar abgeben können.

Ob es in der Europa League im Frühjahr erneut ein Märchen wie das von Frankfurt im Vorjahr geben wird, ist noch offen. Aber: Das Potential ist vorhanden. Wie bewerten Sie die Entwicklung Ihrer Europa-League-Sendungen?
Wir haben jetzt genau die Hälfte der drei-jährigen Rechte-Periode rum. Wir sind sehr zufrieden mit unserem Output. Speziell mit der «GoalZone» haben wir einen Akzent setzen können. Aber wir versuchen unseren Inhalt immer und immer wieder zu verbessern. Wer sich ausruht, der stagniert. Und Stagnation ist nicht in unserer DNA.

Die Spirale wird irgendwann nicht mehr weitergedreht werden können. Das ist klar!
Michael Bracher, Programmchef von DAZN, über steigende Sportrechtepreise
Sportrechte werden immer teurer und teurer. Auf der anderen Seite sind die Budgets für die redaktionelle Ausgestaltung immer knapp. Sehen Sie da ein Missverhältnis?
Die Spirale wird irgendwann nicht mehr weitergedreht werden können. Das ist klar! ABER: im Fokus steht das Spiel, und die Akteure. Spieler, Trainer, Fans! Wenn man sich selber nicht zu wichtig nimmt, und dem Zuschauer das gibt, wonach er sich sehnt, dann muss Rechte-Preis und redaktionelles Budget nicht in einem Missverhältnis stehen.

DAZN ist ja längst nicht mehr nur Live-Sport – DAZN bietet Features, Dokus, Interviews und mehr. In welche Richtung wollen Sie sich hier 2020 entwickeln und was konkret ist geplant?
Das freut mich zu hören! Live ist und bleibt unsere Kern-Kompetenz. Dennoch haben wir von Tag 1 an eigenen Content produziert und mit der «Being Mario Götze»-Doku neue Maßstäbe gesetzt. Das haben wir mit «Moe Wagner-Story», «Evolution of Klopp» oder auch «The Making Of» weitergeführt. All diese und viele andere Doku-Serien sind immer noch heiß begehrt, und erzielen täglich sehr gute Zahlen. Das ist ein Antrieb für uns im Bereich VOD noch mehr zu investieren. Unsere tägliche Rubrik #DAZNbreakfast erfreut sich großer Beliebtheit, und mit #feelmehr haben wir neue Maßstäbe setzen können. Spieler und Berater stehen Schlange, und würden gerne ebenfalls von DAZN begleitet und portraitiert werden.

Boxen ist ein großes Thema bei DAZN – erst kürzlich zeigten Sie den Joshua-Kampf, im Januar stehen die nächsten Kampfsport-Highlights (UFC 246 – McGregor vs. Cerrone) an. Können Sie grob einordnen, wie erfolgreich dieser der Joshua-Fight lief? Wie läuft im Vorfeld die Zusammenarbeit mit den amerikanischen Kollegen, die ja viel Content produzieren, ab?
Boxen ist eine sehr wichtige Säule bei DAZN. In den USA ist es sogar DIE Säule. Ich würde aber nicht nur vom Boxen sprechen, sondern es breiter fassen und von „Kampfsport“ sprechen. MMA, insbesondere „UFC“ und „Bellator“ sind hier aktuell zu erwähnen. Die Zusammenarbeit mit den Kollegen in den USA ist sehr eng. Wir freuen uns über deren großartige Produktionen, so zum Beispiel die Doku über den den ersten Kampf zwischen Joshua und. Ruiz in New York. Ein opulentes Meisterwerk aus dem Hause Sylvester Stallone.

Wir sind zufrieden, sehen aber auch Potential, das wir natürlich versuchen auszuschöpfen.
Michael Bracher, Programmchef von DAZN, über die MotoGP
Ein bisschen untergegangen in diesem Jahr ist die MotoGP, die Sie komplett übertragen haben. ServusTV zeigt immer wieder, wie groß das Interesse doch auch hierzulande ist. Verlief die erste Saison gemäß Ihren Erwartungen und sehen Sie für 2020 noch Potential?
ServusTV macht einen exzellenten Job, und generiert herausragende Werte. Wir bieten unseren Zuschauern die MotoGP mit einem anderen Konzept an, das Mobilität und Authentizität in den Vordergrund stellt. Wir sind zufrieden, sehen aber auch Potential, das wir natürlich versuchen auszuschöpfen. Inwieweit die kommende MotoGP-Saison auch wieder auf DAZN zu sehen sein wird, können wir zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht sagen. Wir hatten die Rechte erst einmal nur für die vergangene Saison erworben.

Ich weiß, dass vor der Bundesliga-Rechtevergabe immer alle Sender und Stationen pokern – und das ist ja auch gut so. Dennoch muss ich Sie fragen: Wenn im Frühjahr 2020 die Rechte über den Tisch gehen, wie dringend muss DAZN denn im Live-Bereich erfolgreich sein – vor dem Hintergrund des Erwerbs der Champions League.
Für mich als Programm-Verantwortlicher gilt: Wir freuen uns über jedes zusätzliche Recht. Ob Live oder non-live steht nicht im Vordergrund. Unsere Aufgabe ist es, dem Zuschauer den bestmöglichen Inhalt im Rahmen der Vorgaben zu produzieren. Und das macht mein Team mit unermüdlichem Enthusiasmus, Liebe und Leidenschaft zum Sport. Und das honoriert am Ende dann auch der Zuschauer.

Finally, DAZN ist der größte US-Sport-Anbieter in Deutschland. Die NFL-Rechte haben Sie kürzlich für mehrere Jahre verlängert. Welchen Stellenwert haben MLB, NBA und NHL bei Ihnen?
Der US-Sport ist bei DAZN eines unserer wichtigsten Programmsparten. Da gehören neben der NFL die anderen Profiligen genauso dazu und erfreuen sich einer immer größer werdenden Fanbasis. Wir sind stolz darauf sagen zu können, dass DAZN das „Home of US-Sports“ ist.

Danke für das Gespräch.

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