Hingeschaut

«Game of Clones»: Schatz? Ich sehe dich sechsfach!

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Die Zahl der Single-Haushalte steigt; die Nachfrage nach Dating-Shows im deutschen Fernsehen ist ungebrochen hoch. Mit sechs fast identisch aussehenden Singles springt nun RTL II ein weiteres Mal auf diesen Zug auf. Einiger Stärken des Formats zum Trotz, eine Schwäche ist altbekannt.

Upps, ich sehe Sechsfach: Das passiert nun wahrlich nicht alle Tage. Mit einem solchen Effekt spielt aber das kommende RTL II-TV-Experiment, eine Art «Bachelor» im Ultra-Schnelldurchlauf. Ein männlicher Single wohnt vier Tage lang mit sechs Singlefrauen in einem Haus mit dem Ziel diese besser kennenzulernen. Der eigentliche Clou aber ist: Alle Frauen sehen sich wirklich zum Verwechseln ähnlich und haben den Auftrag, auch die komplett gleiche Kleidung zu tragen. Wie die Herzensdame aussehen soll, hat der Singlemann vorher in einem Computerprogramm detailgenau festgelegt. Haarfarbe, Größe, Figur, Kleidungsstil, sogar die Körbchengröße konnte angegeben werden. „Können wir die Brüste ein bisschen größer machen?“ ist somit einer der allerersten Sätze der neuen Kuppelshow des Münchner Senders.

Die Show spielt hier mit dem Glauben, dass Menschen eine sehr exakte Vorstellung ihres Traumpartners haben – zumindest was Äußerlichkeiten angeht. Der erste Eindruck, die Haarfarbe, die Größe – sie sind das Kernelement des Experiments. Charakterliche Eigenschaften stecken zunächst zurück, sollen sie Kandidatinnen dann aber im Verlauf unterscheiden. Das gelingt mal klarer und mal weniger klar.

«Game of Clones» ist eigentlich ein britisches Format des Senders Channel4. Auch die Engländer spielten also schon mit dem Vergrößern und Verkleinern von Brüsten im entsprechenden Computer-Programm. Danach läuft alles ziemlich identisch ab: Nach dem ersten „Wow“-Effekt, der sich aufgrund des sehr gelungenen Castings wohl auch bei den TV-Zuschauern einstellen dürfte, geht es quasi zum Blitz-Kennenlernen. Denn in Rekordgeschwindigkeit muss sich der Single auch schon wieder von den ersten Damen verabschieden. So gilt es, Fragen zu beantworten, welcher Charakter mehr und welcher weniger passt. Doch für mehr als Oberflächlichkeiten bleibt hier kaum Zeit.

In dem – für britische TV-Sendungen typisch grell und hell gehaltenen – Haus erwarten die Damen also die Entscheidung. Wer ist wer und wer muss gehen? Anders als beim großen RTL-Vorbild gibt es hier aber keine Rosen, sondern lediglich Bilder, die auf einen großen Flachbildschirm geworfen werden. Ja, mit der Romantik ist es bei diesem Experiment an manchen Stellen nicht ganz so weit her. Im weiteren Verlauf sind die Erlebnisse des Singles mit seinen Klonen dann wieder bekannter: Ein inniges Fotoshooting, ein Sprung vom Dach in ein Luftkissen, ein bisschen Sport… Und immer wieder muss eine Dame die Show verlassen.

Nun ist ja bekannt, wie viele der im TV entstandenen Beziehungen letztlich wirklich gehalten haben. Es waren nur wenige. Von dem her muss man sich auch hier nicht der Illusion hingeben, dass «Game of Clones» die Suche nach der wirklichen und wahrhaftigen Liebe ist. Es bleibt aber – bei aller berechtiger Kritik an so mancher Oberflächlichkeit – ein spannendes TV-Experiment, genau wie auch «Hochzeit auf den ersten Blick» (mit anderer Prämisse ausgestattet) ein interessanter Versuch ist.

Angesichts der vorherrschenden Dating-Booms und der steigenden Zahl an Einpersonenhaushalten in Deutschland (2017 wurde hier erstmals die Marke von 17 Millionen durchbrochen), ist der Markt für Dating-Shows unverkennbar groß. Und er scheint vor allem noch nicht gesättigt zu sein. Gut möglich, dass «Game of Clones», speziell wegen des klaren USPs, eine längere Überlebensdauer möglich sein wird als nur die in Staffel eins produzierten vier Episoden. Und wenn die Macher dann noch einmal Hand anlegen, dann könnten sie versuchen, in Staffel zwei den ein oder anderen ruhigen Moment mehr und das ein oder andere tiefgehende Gespräch mehr einzubauen. Dann klappt‘s vielleicht doch mit der groben Illusion, dass aus dem TV-Spektakel mal wirklich so etwas wie Liebe werden könnte.

RTL II zeigt «Game of Clones» donnerstags um 20.15 Uhr - alle Episoden der Staffel gibt es jetzt schon bei TV Now.

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