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Nerds, wohin man blickt: Überstrapaziert ProSieben den Hype?

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Mit durchschnittlich mehr als zehn «The Big Bang Theory»-Folgen täglich wartet ProSieben im Januar auf. Schadet dieser grenzenlose Überfluss dem Format oder ist es noch immer ein Fels in Brandung?

«TBBT»-Ausstrahlungen dieser Woche

  • Sa: 3 Folgen (ab 10:35 Uhr), 2 F. (17:00 Uhr)
  • So: 2 F. (8:00)
  • Mo: 3 F. (15:35), 8 F. (20:15)
  • Di: 8 F. (0:45), 3 F. (9:40), 3 F. (15:35), 4 F. (22:10)
  • Mi: 4 F. (0:20), 3 F. (9:45), 3 F. (15:35), 4 F. (22:10)
  • Do: 4 F. (23:50, Vortag), 3 F. (9:40), 3 F. (15:35), 4 F. (22:10)
  • Fr: 4 F. (0:50), 3 F. (9:40), 3 F. (15:35)
Was wäre ProSieben derzeit nur ohne «The Big Bang Theory»? In diesen Tagen um rund fünf Stunden leicht gefülltes Programm ärmer, könnte man sagen, denn mit über 70 Folgen zwischen dem vergangenen Samstag und Freitag reizt der Privatsender den zweifelsfrei nach wie vor großen Hype um die Nerd-Sitcom in diesen Tagen so sehr aus, dass man unter normalen Umständen längst von einer Übersättigung ausgehen würde. Doch für die Comedyserie um Sheldon Cooper galten schon in der Vergangenheit eigene Quotenregeln, sodass sich eine Analyse anbietet, ob und vor allem zu welchen Zeiten die Zuschauer weiterhin verlässlich einschalten. Denn gerade der Faktor Zeit hat sich zuletzt als äußerst relevant herausgestellt.

Durchweg grandios performen bis dato die Free-TV-Premieren am Montagabend um 20:15 Uhr, die mit 2,70 bis 2,98 Millionen sogar die drei reichweitenstärksten Ausstrahlungen der mittlerweile ja doch ziemlich bewegten Fernsehgeschichte der Sendung stellten und schon beim Gesamtpublikum stets weit überdurchschnittliche 7,9 bis 8,6 Prozent verzeichneten. Besonders gefragt ist die Sitcom allerdings nach wie vor in der werberelevanten Zielgruppe, wo die einzigen drei Erstausstrahlungen inmitten des breiten Präsentationsspektrums zwischen 18,5 und 19,8 Prozent bei bis zu 2,40 Millionen generierten. Somit kann eine für die Programmverantwortlichen höchst relevante Aussage definitiv schon einmal getroffen werden: Die permanente Präsenz schadet den Erstausstrahlungen nicht. Ganz im Gegenteil sorgt sie dafür, dass die Fans offenkundig noch stärker nach neuem Stoff lechzen.

Im Nachlauf der Erstausstrahlung zeigt der Privatsender dann gleich sieben Wiederholungen älterer Stoffe, wobei das Zeitfenster zwischen 20:45 Uhr und 22:05 Uhr von besonderem Interesse ist - dieses wird nämlich derzeit an keinem anderen Wochentag bedient. Erwähnenswert ist hier zum einen, dass mit 12,3 bis 16,5 Prozent durchweg klar überdurchschnittliche Zielgruppen-Marktanteile verbucht wurden, die wohl nur schwer mit anderen Inhalten möglich gewesen wären. Andererseits lässt sich aber auch eine kleine Abwärtstendenz in den vergangenen drei Wochen ausmachen, sodass die Implikation nahe liegt, von einer rückläufigen Attraktivität im Zuge der Folgen-Inflation zu sprechen.

Ein ähnliches Bild zeichnen dann auch die vier nach 22 Uhr gezeigten Montags-Episoden, die am 4. Januar noch auf über 15 Prozent der 14- bis 49-Jährigen gelangt waren, allerdings schon eine Woche später nur noch etwa zwölfeinhalb Prozent verzeichneten - auf das Dschungelcamp kann man diesen Rückgang nicht zurückführen, schließlich war hier die neueste Staffel noch nicht gestartet. Als dies zuletzt der Fall war, liefen drei der vier Spätfolgen sogar nur noch vor rund neun Prozent des jungen Publikums. Allzu dramatisch ist dieses Abschneiden allerdings nicht, gehen doch andere Sender in diesen Tagen mit weitaus erbärmlicheren Zahlen aus dem Wettstreit mit dem schillernden RTL-Superhit.

Mit diesem Hintergedanken sollte man dann auch auf die Werte blicken, die in dieser Woche zwischen Dienstag und Donnerstag nach 22 Uhr verbucht wurden. Im direkten Wettbewerb zu «Ich bin ein Star» standen hier zwar durchweg einstellige Zielgruppen-Werte zwischen 8,0 und 9,3 Prozent auf dem Papier, doch für die Programmverantwortlichen dürfte der Umstand nicht gänzlich irrelevant sein, dass immerhin niemals weniger als acht Prozent erzielt wurden - was keinesfalls selbstverständlich ist, wenn ein einziger Konkurrent schon verlässlich um die 40 Prozent einer Zuschauergruppe mobilisiert. Und als am Donnerstag das Dschungelcamp schon gegen 23:30 Uhr endete, stieg das Interesse an «Big Bang» prompt sprunghaft auf richtig starke 14,9 Prozent bei insgesamt weit über einer Million Zuschauern an. Wohl auch ein Grund dafür, dass der Sender im frühen Nachtprogramm einfach noch einmal die vier Folgen zeigte, die er zur Schadensbegrenzung bereits am späteren Abend versendet hatte.

Wie viel «The Big Bang Theory» schauen Sie noch bei ProSieben?
Ich schaue alles, was mir zeitlich möglich ist.
11,9%
Ich schaue die Free-TV-Premieren und immer mal wieder auch Reruns.
28,5%
Ich schaue mir nur noch die Erstausstrahlungen an.
16,1%
Ich schaue die Serie gar nicht mehr im Fernsehen, sondern nur noch anderweitig.
16,0%
Ich bin komplett ausgestiegen bzw. habe die Serie noch nie verfolgt.
27,5%


Im Nachmittagsprogramm ist die Serie in diesen Tagen derweil nicht in Topform, dürfte allerdings auch nicht weiter zur Debatte stehen, da noch immer die Mehrzahl aller Folgen zum Teil weit überdurchschnittliche Werte generieren - in dieser Woche lief es vor allem am Donnerstag und Freitag nach 16 Uhr sehr gut, wo zwischen 14,0 und 16,5 Prozent verzeichnet wurden. Die Zahlen der ersten Januar-Woche, wo bis zu 20,7 Prozent eingefahren worden waren und mehrfach weit mehr als 15 Prozent der Zielgruppe zu Buche standen, sind derzeit allerdings nicht drin. An vielen Tagen musste man sich jedoch auch gegen Biathlon-Übertragungen der Öffentlich-Rechtlichen behaupten, die natürlich einen weitaus größeren Event-Charakter aufweisen als weitere Wiederholungen bereits etliche Male ausgestrahlter Folgen der Nerd-Sitcom. Überdies laufen auch noch morgens gegen 9:40 Uhr weitere drei Episoden, die zumeist ebenfalls überzeugen können.

Man muss also schon recht erfinderisch sein, um «The Big Bang Theory» einen wirklichen Abwärtstrend zu bescheinigen. Nicht alle der durchschnittlich über zehn Folgen täglich laufen herausragend für ProSieben, doch sieht man einmal von den Zahlen in direktem Wettbewerb zu «Ich bin ein Star» ab, kann man noch immer davon sprechen, dass sie in aller Regel die Marktanteile in den grünen Bereich emporsteigen lassen. Eine negative Auswirkung der wenig pfleglichen Ausstrahlungspolitik auf die wöchentliche Erstausstrahlung ist ebenfalls nicht zu erkennen - es scheint viel mehr das Gegenteil der Fall zu sein. So enttäuschend also das Verhalten des Senders für Serienfans sein mag, die nach Abwechslung und neuen Inhalten streben, muss unter dem Strich festgehalten werden: Das Publikum scheint genau diese Dauerrotation zu wollen, die ihm ProSieben in immer krasseren Ausmaßen vorsetzt. Und viel wirtschaftlicher kann man kaum handeln als große werbefinanzierte Programmstation.

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