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Wie gut die Medien den Terror erklären

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Statt Sprachlosigkeit herrschte Aufklärungsbedarf. Nach den Anschlägen von Paris reagierten viele TV-Sender mit Sonderprogrammierungen und Themensendungen. Wir geben fünf positive Beispiele.

«heute-journal»


Einen „guten Abend“ wünschte Claus Kleber an jenem Dienstagabend nicht, als das DFB-Länderspiel in Hannover abgesagt wurde. Es war ein trauriger Anlass, da viele glaubten, der Terror habe diesmal gegen die Freiheit gesiegt. Er habe es tatsächlich verhindert, dass diese Partie – sie sollte vor allem ein Zeichen gegen die Einschüchterung und für den Zusammenhalt sein – nicht stattfinden kann. Das «heute-journal» bemühte sich darum, diesen Eindruck nicht entstehen zu lassen. Man argumentierte sachlich, geduldig, dankenswerterweise wenig emotionsgeladen.

Bemerkenswert: Das «heute-journal» zeigte an diesem Abend auf, warum man die traditionellen Nachrichtenmedien noch braucht. Denn in den sozialen Netzwerken ging eine Bombenmeldung der „Kreiszeitung“ um, tausendfach geteilt. Die Zeitung gilt als sehr seriöses Informationsmedium für den Fußballverein Werder Bremen und hatte dementsprechend einen gewissen Glaubwürdigkeitskredit. Doch die Bombenmeldung stellte sich letztlich als falsch heraus. Es war eine Panikmache bei Twitter, die das «heute-journal» – anders als andere Sender – nicht vorschnell aufgriff. „Wir wollen den Sinn vom Unsinn trennen“, sagte Claus Kleber im Laufe der Sendung. Und meinte damit genau solche Lauffeuer, die sich in sozialen Netzwerken verbreiten.

Als Kleber die Frage über die vermeintliche Bombe an den Innenminister Niedersachsens spät in der Sendung stellte, war es das einzige Mal, dass man den Tweet der Kreiszeitung aufgriff. Der Minister falsifizierte die Meldung, das Thema war unaufgeregt erledigt. Besser kann man kaum hantieren mit den zahlreichen Gerüchten und Falschmeldungen, die an solchen Abenden auftreten. Anders übrigens als andere Medien: Unter anderem Focus Online und die Bild machten größere Geschichten aus der Meldung.

N24


Die Terroranschläge in Paris waren das größte Medien- und Nachrichtenereignis der vergangenen Jahre. Es war aber auch – nach der Übernahme von N24 durch die Axel Springer AG – eine Art Bewährungsprobe, welche Sonderberichterstattung man unter dem neuen Eigentümer und angesichts von Umstrukturierungen aufziehen würde. N24 berichtete überraschend umfassend, war vor allem mit Vor-Ort-Interviews und Live-Schalten zu zahlreichen Reportern präsent.

«Markus Lanz»
Man kann Markus Lanz vieles vorwerfen. Aber nicht, dass in seiner Talkshow nicht ausführlich reflektiert wird zu Themen und Ereignissen, die die Gesellschaft derzeit bewegen. Die Sendung besitzt das Glück, Ereignisse wirken lassen zu können und das Geschehen mit distanziertem Blick zu betrachten. So auch beispielsweise geschehen am 17. November, einen Tag, nachdem das Länderspiel in Hannover abgesagt wurde. Mit ZDF-Journalist Theo Koll und Politikwissenschaftler Peter Neumann dekonstruierte man die Beweggründe des IS, fragte nach Ursachen für den Terror mitten unter uns, suchte nach Lösungen. Es waren hintergründige Informationen von Experten, die neue Einsichten gewährten, im wahrsten Sinne des Wortes.

Und man ließ die muslimische Seite zu Wort kommen, in Form von Husamuddin Meyer, einem Gefängnisseelsorger, der die Gräueltaten des IS aus Sicht seiner Religion verurteilt. Das mag für manchen selbstverständlich erscheinen, aber oft genug suggerieren Boulevardmedien ein vereinfachtes Bild der Situation, werfen den Islam mit der Terrorgruppe suggestiv in einen Topf. Umso wichtiger ist der Aufklärungsauftrag anderer populärer Medien – «Markus Lanz» hat diesen am 17. November hervorragend ausgefüllt.

«NeoMagazin Royale» vom 19. November
Wenn das jüngere Publikum nur eine Sendung zu dem Terror der letzten Wochen sehen müsste, dann sollte es diese sein. Selbstverständlich war es eine andere Show als sonst, eine kritischere, weniger lustige. Aber: In Zeiten, in denen Andere ihre Comedyshows hätten ausfallen lassen, gingen Böhmermann und sein Team die Aufgabe an, die Ereignisse auf ihre Weise zu verarbeiten. Der Monolog im ersten Drittel zielte auch auf das Zusammenspiel zwischen Politik und Medien ab, und auf die irrationalen Reaktionen, die auf die Anschläge folgten. Auf den Profit, den manche daraus ziehen wollten. Die populistische Meinungsmache konterte Böhmermann gewohnt souverän: mit dem kleinen Mann in Form von Hans Meiser. Welch ein Zufall, dass auch noch der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir bereits Wochen zuvor in dieses «NeoMagazin Royale» eingeladen wurde. Einen passenderen, besseren Gast – so stellte es sich auch im Gespräch heraus – hätte es an diesem Abend nicht geben können.

Deutschlandfunk, Sendung «Breitband»


Wie gehen Medien eigentlich mit Terror um, wie filtern sie Informationen, wie ordnen sie die Fülle an Ereignissen, die sich in Minutenschnelle bei den Attacken von Paris ereignet haben? Wenn wir wissen, warum seriöse Redaktionen so berichten, wie sie berichten und warum manche vorschnelle Kritik unberechtigt ist – beispielsweise an der ARD, die nach dem Länderspiel noch Berichte aus dem Stadion gesendet hat –, dann können wir auch besser verstehen. Sehr hörenswert ist diesbezüglich die Sendung «Breitband» des Deutschlandfunks. In dieser berichtet unter anderem DLF-Redakteur Stefan Fries davon, wie seine Nachrichtenredaktion den Terror erklärte.

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