Die Kritiker

Langweilig im Geschmack, fad im Abgang

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Die Kritiker: «Sophie kocht», ein Remake der niederländischen Komödie «Soof», ist ein belangloser Frau-steht-zwischen-zwei-Männern-Film geworden. Trotz Annette Frier in der Hauptrolle.

Cast & Crew

Vor der Kamera:
Annette Frier als Sophie
Hans-Jochen Wagner als Hubertus
Marc Terenzi als Marc Terenzi
Konstantin Schmidt als Max
Sylvie Meis als Sylvie
Jutta Speidel als Ellen
Violetta Schurawlow als Aylin

Hinter der Kamera:
Produktion: Bavaria Fernsehproduktion GmbH und Conradfilm GmbH & Co. KG
Drehbuch: Jessica Schellack und Kerstin Oesterlin
Regie: Ben Verbong
Kamera: Mathias Neumann
Produzent: Marc Conrad
Frauen, die zwischen zwei Männern stehen, sind ein beliebtes Motiv im öffentlich-rechtlichen Fernsehfilm: vom Melodram bis zur Komödie. Gute Filme entstehen aus dieser Grundkonstellation nur in ganz, ganz seltenen Fällen. Meist ist man schon froh, wenn zumindest die offensichtlichsten Plattitüden vermieden werden, wenn unter Konflikt nicht nur Geschrei verstanden wird und die transportierten Lebensweisheiten nicht allein im Offensichtlichen und Banalen stecken bleiben.

In «Sophie kocht» wird die Frau von Annette Frier gespielt. Erster Pluspunkt, wenn man sich vor Augen führt, wie Frau-steht-zwischen-zwei-Männern-Filme schon mit Christine Neubauer in der Hauptrolle ausgesehen haben.

Die von Annette Frier gespielte titelgebende Sophie kocht nicht nur aus Leidenschaft, sondern betreibt auch eine kleine Catering-Agentur. Die würde sie ganz gerne größer aufziehen, doch dem steht so manches im Wege: Ihr Mann Hubertus ist beruflich stark eingespannt und selten vor dem späten Abend daheim, die Zwillingssöhne zerlegen in regelmäßigen Abständen weite Teile des alten Bauernhauses, in dem die Familie lebt, und die Teenager-Tochter trägt auch nicht gerade viel zur emotionalen Stabilität des Haushaltes bei.

Sophies Gefühlswelt ist sowieso schon im Schwanken. Ihrer Ehe mit Hubertus fehlt die Spannung, findet sie. Und dass sein Job so viel seiner Zeit in Anspruch nimmt, ist ihr auch ein Dorn im Auge. Doch dann nimmt der Mann ein Sabbatical und überlässt die Aufrechterhaltung der finanziellen Sicherheit von nun an ihr und ihrem Catering-Betrieb. Er will derweil den Haushalt schmeißen und sich um die Kinder kümmern.

Dann tritt Marc Terenzi in ihr Leben – und für diese Sophie ist das tatsächlich ein bedeutendes Ereignis. Denn sie fängt, nach langem, ausladendem Soll-ich-oder-soll-ich-nicht-Getue, eine Affäre mit ihm an. Eine Entscheidung, die sie freilich schnell wieder bereut, als sie deswegen ihre Familie verliert: Sie kampiert im zur Großküche umgebauten Stall, ihre Tochter will von ihr nichts mehr wissen, ihre Söhne leiden unter der Trennung und ihr Mann vergnügt sich mit einer von Sylvie Meis gespielten Fitnesstrainerin.

Nun sind Sylvie Meis und Marc Terenzi keine Schauspieler. Das sieht man auch. Und es mutet etwas schräg an, dass die Besetzung der Nebenrollen ein bisschen so aussieht, als sei sie bei Möbelhauseröffnungen zusammengecastet worden. Aber lassen wir die billige Polemik. Der Film hat genug andere Probleme.

Da wären zunächst all die klamaukigen Mätzchen, aus denen «Sophie kocht» seine Komik speisen will: Wenn Annette Friers Sophie sich ausgiebig in Strapsen präsentiert, um für Hubertus attraktiv zu sein. Wenn sie ihre Rivalin mit einem Einkaufskorb vom Hof jagt.

Und wenn ganze Rollen aus einem Sammelsurium aus Klischees bestehen: Sophies Mutter, die 68-er Oma, die Kette raucht, bei ausgedehnten Yoga-Sessions die Aufsicht über ihre Enkel vernachlässigt und von Jutta Speidel gespielt wird. Oder Marc Terenzi, der B-Pop-Star, seines Zeichens geleckt, geschniegelt, charmant.

Nichts gegen komödiantische Überspitzung. Doch in «Sophie kocht» gibt es gar nichts, was zugespitzt werden kann, sondern eben nur die Zuspitzungen. Es gibt keine Figuren, sondern nur Archetypen, die archetypische Dinge tun und in archetypische Situationen geraten, die alle sehr exemplarisch wirken sollen: Nach über einem Jahrzehnt Ehe ist die Luft raus, Sophie fühlt sich nicht mehr wertgeschätzt und stolpert in eine Affäre, die sie schnell wieder bereut. Ihr Mann hatte versucht, vielleicht auch nicht ganz uneigennützig, seine Frau bei ihren Zielen zu unterstützen; ergriff dabei aber die aus ihrer Sicht völlig falschen Maßnahmen, was eine weitere Entfremdung der beiden zur Folge hatte.

Das wäre zu erwarten gewesen, hätte «Sophie kocht» nur den Anspruch gehabt hätte, ein x-beliebiger, austauschbarer Komödien-Melodram-Mix zu sein. Doch der Duktus, in dem sich dieser Film erzählt, scheint etwas Anderes zu wollen. Er will durchaus etwas erzählen, das über das Offensichtliche und Banale hinausgehen soll, etwas über Menschen, die sich entfremdet haben, über Familien, die unverhofft ins Wanken kommen, über falsche Entscheidungen und Neuanfänge. Doch leider landet «Sophie kocht» immer wieder bei dem, was man eigentlich vermeiden wollte: dem Offensichtlichen und Banalen. Zu abgedroschen sind die Motive und Handlungsstränge, anhand derer man das alles erzählen wollte.

Da helfen auch die vermeintlich modernen Akzente nicht viel, mit denen man die Schmierigkeit der Frau-steht-zwischen-zwei-Männern-Dramaturgie kaschieren wollte: Die derben Witze („Vor vielen Jahren habe ich Freddy Mercury einen geblasen“, sagt eine etwas ältere Dame bei einer Dinner-Party). Die Besetzung der Hauptrolle mit Annette Frier, die es ermöglicht, sich dem Stoff vorurteilsfreier zu nähern, als das bei manch anderen Namen der Fall gewesen wäre. Und die – wohl so halbironisch gemeinten – Auftritte von Sylvie Meis und Marc Terenzi, die aber erstaunlich gut in den Film passen.

Was nicht für ihre schauspielerischen Fähigkeiten spricht. Und erst recht nicht für diesen Film.

Das Erste zeigt «Sophie kocht» am Freitag, den 22. Mai um 20.15 Uhr.

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