Sonntagsfragen

Neubauer: 'Es ist en vogue, auf der Kritik-Welle zu reiten'

von   |  1 Kommentar

Am Sonntag zeigt das ZDF den zweiten Film mit Christine Neubauer als Pastorin Franziska. Im Vorfeld rechnet sie im Quotenmeter.de-Interview mit ihren Kritikern ab.

Darum gehts im zweiten Film von «Franziskas Welt»

Wie selbstlos muss eine Pastorin sein? Franziska Kemper wird mit der Herausforderung konfrontiert, kirchliches Amt und privates Glück unter einen Hut zu bringen. Da ihr Vater Johannes ausfällt, muss sie ihren Ex-Mann Christoph und dessen hochschwangere Freundin Andrea trauen. Dabei wird ihr bewusst, dass sie das Scheitern ihrer Ehe sowie die Tatsache, dass Christoph eine neue Familie gründet, noch nicht verwunden hat.
Das ZDF zeigt den 90-Minüter am 29. März um 20.15 Uhr.
Sie schlüpfen jetzt im ZDF zum zweiten Mal in die Rolle der Franziska, spielen erneut die Lübecker Pastorin. Haben Sie die Figur schon lieb gewonnen?
Die Figur habe ich direkt von Anfang an lieb gewonnen, sonst hätte ich sie gar nicht spielen können. Aber der zweite Teil ist schon anders geworden. Er hebt sich so ab, wie man es sich von einem Film erwartet, wenn zwei Jahre vergangen sind.

Der erste Teil war eine eher durchschnittliche ZDF-Produktion für den Sonntagabend, die nicht allzu sehr anecken wollte. Was ist diesmal anders?
Der Film ist modern, hochemotional und beschäftigt sich ganz übergeordnet mit dem Thema des Loslassens. Da ist ihr Vater, der nach Südafrika geht, die Tochter, die für einen Austausch ein Jahr in Kanada ist. Dann muss Franziska plötzlich ihren Ex-Mann und dessen schwangere Freundin trauen – und auch hier wieder auf eine gewisse Art und Weise loslassen. Das sind ganz große Themen, die wir in den 90 Minuten aufgreifen – und am Ende wird es auch kein klassisches Happy-End geben. Wenn Sie mich fragen, dann sind das ganz tief gehende Gefühle, die wir dem Zuschauer mitgeben.

Der Film kommt in einer Zeit, in der darüber diskutiert wird, wie viel sich das ZDF am Sonntagabend trauen sollte. Soll’s eher klassisch und wenig fordernd sein oder muss beim ZDF gegen den «Tatort» neuer Mut her?
Ich kann natürlich nicht für das ZDF entscheiden, sondern höchstens meine Meinung als normale Zuschauerin sagen. Ich glaube, dass das Zweite da einen guten Weg geht. Es gibt sehr klassische Formate wie «Pilcher», «Lindström» oder «Fforde», die vom Publikum sehr gut angenommen werden. Und dazu kommen jetzt neue Stoffe, in denen es andere Möglichkeiten gibt, ebenfalls emotional zu erzählen: Unsere Franziska ist da einer davon. Wichtig ist doch, dass nicht alle Filme in gleicher Manier erzählt werden. Nur so kann man letztlich gegen den starken «Tatort» im Ersten bestehen.

Wie mutig darf’s dann sein?
Das ZDF ist schon mutig mit manchen Stoffen. Auf der anderen Seite muss man den Zuschauern schon auch gerecht werden und darf nicht alles ganz neu erfinden. Ein paar sehr klassische Elemente müssen also bleiben.

Sie sind bekannt auch aus Formaten wie «Die Landärztin», drehen für das Erste die Serie «München 7» - wie sehr gefällt Ihnen das Arbeiten in solch wiederkehrenden Rollen?
«Die Landärztin» war für mich keine Serie. Das ist eine 90-minütige Reihe, in der ich einen Film im Jahr gedreht habe. Das war eine schöne Erfahrung. Sehr viel Spaß habe ich hingegen bei «München 7», wo ich anfangs nur als Gast dabei war. Inzwischen ist meine Figur Elfi Pollinger fester Bestandteil, was ich schlicht sensationell finde. Die Rolle ist brutal spannend, wie sie in tiefstem bayerischen Dialekt vor sich hin ermitteln darf. Genau solche Rollen würde ich liebend gerne ausbauen.

Also eine eigene Serie mit Ihnen als tief-bayerischer Kommissarin?
Wieso nicht? Ich hätte große Lust, weitere lokale Serienfiguren zu spielen. Elfi Pollinger ist so herrlich kompromisslos und schräg zugleich, dass es mir immer eine Freude ist. Und Krimis kommen ja überall gut an; auch im ZDF, auch wenn es dort aus meiner Sicht zu viele „Ich schieße ständig auf dich“-Formate gibt.

Käme für Sie auch wieder ein Auftritt bei RTL oder in Sat.1 infrage?
Wenn Sie sich mit mir befasst hätten, wüssten Sie, dass ich schon für alle Sender gearbeitet habe. Für RTL, aber auch für Sat.1.

Das haben wir, Frau Neubauer. Auf «Helden» bei RTL kommen wir gleich noch – und für Sat.1 haben Sie einst zum Beispiel in dem Film «Baby Rex» mitgespielt. Wäre so etwas noch einmal reizvoll oder fühlen Sie sich bei ARD und ZDF ausgelastet?
Mir geht es eigentlich darum, tolle und spannende Geschichten zu spielen. Da hat jeder Sender so seine Eigenheiten. Für die ARD zu arbeiten ist noch einmal etwas anderes als für das ZDF. Im ZDF zum Beispiel haben wir, wenn es um romantische Stoffe geht, ja nur den Sonntagabend als Sendeplatz. In der ARD gibt es diese Farbe zum Beispiel am Freitag. Auch dort will man sich ja inzwischen was den Erzählstil und die Besetzung angeht, ein bisschen von früheren Zeiten abheben, was ich gut und unterstützenswert finde. Für RTL oder Sat.1 würde ich natürlich gerne wieder drehen, allerdings machen die beiden Sender derzeit im Fiction-Bereich relativ wenig.

Der Film «Helden» war eine der Produktionen der vergangenen fünf Jahre, der am heftigsten von den Kritikern zerrissen wurde. Lesen Sie das, was Journalisten über Ihre Filme schreiben, eigentlich noch?
Nein. Wissen Sie, bei «Helden», da war ich Gast. Das war ein 3-Stunden-Film, für den ich drei Drehtage hatte. Dass mir in den Kritiken dann eine derartige Aufmerksamkeit zuteil wurde, ist fast schon ein geiler Aspekt. Da hat man mal wieder gesehen, dass viele Kritiker mit einer vorgefertigten Meinung an Filme herangehen. Somit ist das, was am Ende herauskommt, für mich auch keine Fernsehkritik.

Sie glauben also, es gibt hierzulande Journalisten, die nur darauf warten, Sie in Ihren nächsten Zeilen zu kritisieren?
Sie brauchen ja nur einmal gewisse Zeitungen aufschlagen. Daran werde ich nichts ändern können, das wird einfach auch so bleiben. Das sind vorgefertigte Meinungen, die sich nicht verrücken lassen. Sie machen es dem Schreiber auch schrecklich einfach: Er muss nicht nachdenken, nichts nachschauen und sich vor allem nicht mit der jeweiligen Figur beschäftigen. Es ist anscheinend irgendwie en Vogue da auf dieser Kritik-Welle zu reiten. Ich muss dann aber nicht meine Seele opfern und mir das auch noch alles genau durchlesen.

Welche Pläne und Wünsche haben Sie für das noch junge Jahr 2015?
Ich würde mich freuen, wenn «Franziskas Welt» einen weiteren Teil erhalten würde, sodass wir die Geschichten um diese tolle Frau weiter erzählen können. Gegen Ende des Jahres geht dann hoffentlich ein neuer ARD-Film in Produktion, an dem wir schon sehr, sehr lange arbeiten. Ich bin da aber ein bisschen abergläubisch und will nicht zu viel sagen, ehe nicht die letzte Klappe gefallen ist. Drücken wir einfach die Daumen, dass das alles klappt.

Vielen Dank für das Interview.

Kurz-URL: qmde.de/77167
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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
Sarah Beckmann
04.04.2015 16:12 Uhr 1
Verbal kann sich Neubauer schlagen wie eine Politikerin. Sie stilisiert sich zum Kritikeropfer in bayrisch-zünftiger Manier. Trotzdem - eine Schauspielerin mit so vielen Sendeplätzen sollte einmal die Kritiken durchlesen, um sich zu optimieren. Sie braucht dringend Nachhife in Sachen Schauspiel, um an ihrer extrem häufigen jetzt-wurde-ich-zutiefst-verletzt-und-bin-total-fassungslos-Mimik zu arbeiten und ihr geblafften Dialogen etwas Modulation zu verleihen. Der stets sorgsam vor sich hergetragenen bayerische Akzent verstärkt dieses bellende Sprechen. Nicht jedes Bayerisch klingt so hart und unmoduliert. Wenn jetzt der Scheidungskampf ausgestanden ist, sind vielleicht noch ein paar Euro und ein wenig Zeit für die vielleicht noch nicht völlig verlorene Verfeinerung der Schauspielkunst übrig. Denn - kaum ist man ein einem Film verwickelt in dem Berge um die Ecke kommen, taucht Neubauer leider auf und man lässt sich von der Dramaturgie in die Story reinholen, die Neubauer holt einen da aber wieder raus. Eine Alternative wüsste ich schon - fairerweise eine Reihe alternativer Darstellerinnen casten. So viel Mut muss sein.

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